Streptokokken: Sabotage in der Chefetage

12. September 2011
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Die Blut-Hirn-Schranke trennt den Körper von seiner Steuerzentrale und schützt das Gehirn. Einige Experten sind aber überzeugt, dass mentale Störungen auch auf Erfahrungen des Immunsystems mit Eindringlingen zurückgehen.

Selbst viele kundige Ärzte kennen PANDAS nur als possierliche, aber seltene Bambusbären. Die entsprechende Website „pandasnetwork.org“ klärt uns auf: Die Abkürzung steht für eine Autoimmunerkrankung nach Streptokokken-Infektion bei Kindern (Pediatric Autoimmune Illness associated with Streptococci). Zuweilen ganz aus heiterem Himmel verändert sich der Charakter des betroffenen Kindes. Launisch, ängstlich, unberechenbar und mit Zwangshandlungen, die sich ständig wiederholen.

Zwangsstörung nach Infektion

Häufiger begegnet Medizinern das „Rheumatische Fieber“, eine Entzündung verschiedener Organsysteme nach Streptokokken-Befall, die aber auf ganz ähnlichen Mechanismen beruht. In Deutschland leiden rund eine Million Betroffene an Zwangserkrankungen, zu denen auch das Tourette-Syndrom gehört. Vielfach haben Ärzte beobachtet, dass sich nach einer Infektion bei Kindern die Symptome solcher Zwangshandlungen oder Tics verschlimmern. Experten spekulieren inzwischen, dass eine Invasion von Mikroben sogar der Auslöser dafür sein könnte.

Der „New Scientist“ beschrieb von einiger Zeit den Fall eines zwölfjährigen amerikanischen Jungen, bei dem Ärzte erst nach zahlreichen Fehldiagnosen Streptokokken vom A-Typ als Auslöser eine grundlegenden Änderung seiner Persönlichkeit bemerkten. Er zog nur mehr Kleidung einer bestimmten Farbe an und schaltete nachts das Licht nicht mehr aus. Der Zwang zum Kratzen hatte inzwischen deutliche Spuren auf seiner Haut hinterlassen. Erst mit der Gabe von Antibiotika über eine Zeitdauer von vier Jahren ließen die Verhaltensauffälligkeiten nach. Inzwischen scheint er geheilt. Durch Penicillin heilen lässt sich auch die Chorea minor Sydenham, ebenfalls eine Fehlsteuerung der Motorik. Auslöser der Krankheit: Streptokokken.

Kreuzreagierende Antikörper im Gehirn

Was aber geht bei der Infektion vor sich? Wie entsteht die Sabotage der Steuerungszentrale? „Zu zeigen, wie Streptokokken zu Zwangsstörungen beim Menschen führen, scheint nahezu unmöglich“, erläutert Daphna Joel von der Universität Tel Aviv das Dilemma der Wissenschaftler, „fast jeder von uns, sogar kleine Kinder, kommen hin und wieder mit den Bakterien in Kontakt“ – ohne dass irgendetwas geschieht. Die israelische Gruppe scheint in Zusammenarbeit mit der Streptokokken-Spezialistin Margaret Cunningham von der Universität von Oklahoma mit ihren Ergebnissen etwas Licht ins Dunkel gebracht zu haben. Im Herbst letzten Jahres präsentierten sie Daten eines Rattenmodells. Nach der Infektion konnten sie Antikörper gegen die Bakterien im Gehirn nachweisen – und die banden an die Dopaminrezeptoren D1 und D2. Diese Bindung dürfte der Auslöser für Koordinationsprobleme und Zwangshandlungen auch bei den Nagetieren sein.

Ein Literatur-Review im „Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology“ Ende 2010 beschreibt Ähnlichkeiten zwischen dem Tourette-Syndrom, Zwangsstörungen, Chorea minor und PANDAS. Alle diese Krankheiten beginnen in der Kindheit und betreffen ähnliche Gehirnstrukturen im Bereich der Basalganglien und verbundenen Regionen im Kortex und Thalamus.

Allen Anschein nach scheinen es kreuzreaktive Antikörper zu sein, die sich ursprünglich gegen die Mikroben gerichtet haben, dann aber im Gehirn auf Oberflächenproteine von neuronalen Zellen losgehen. Ob diese Antikörper jedoch Lücken in der Blut-Hirn-Schranke nützen oder gar über spezielle Kanäle ins Gewebe schlüpfen können, bleibt noch aufzuklären. Aus den Versuchen von Betty Diamond vom Feinstein Institute for Medical Research in New York geht hervor, dass Autoantikörper je nach Ursache des Lecks unterschiedliche Ziele im Gehirn ansteuern. Im Mausmodell für die Autoimmunstörung SLE banden Antikörper bei einer Entzündung im Hippocampus, bei einer Schädigung durch Stresshormone wie Adrenalin dagegen im Bereich der Amygdala. Die Bindung an NMDA-Rezeptoren ist jedoch fatal für die Nervenzellen. Der Tod von Neuronen führt damit zu abnehmender Gehirnleistung. Ob die Gabe von Immunglobulinen bei PANDAS-Kindern die kreuzreaktiven Antikörper abfangen und die Krankheit lindern kann, untersucht derzeit eine klinische Studie.

Zytokine lösen Depressionen aus

Dass Immunsystem und ZNS eng miteinander kommunizieren und abgestimmt handeln, zeigen nicht nur die typischen Krankheitssymptome von Müdigkeit und Appetitlosigkeit beim Schnupfen, sondern auch Ergebnisse der Arbeitsgruppe von Jonathan Kipnis im amerikanischen Virginia. Mäuse ohne T-Helferzellen haben deutlich messbare Schwächen bei Erinnerung und beim Lernen, die sich durch eine Injektion der fehlenden Immunzellen beheben lässt. Ein geschwächtes Abwehrsystem hängt auch mit verringerten Denkvermögen zusammen. Das demonstrieren die Beispiele von AIDS-Patienten oder Krebsleidenden mit Chemotherapie („Chemobrain“), deren Konzentrationsfähigkeit zuweilen deutlich unter den Durchschnitt sinkt.

Auch wenn bisher weder Neurologen noch Infektiologen eine direkte Verbindung zwischen Depressionen und dem Besuch unerwünschter Gäste aufdecken konnten, so weist die Statistik einen Zusammenhang mit Lyme-Borreliose (24-66% aller Betroffenen sind depressiv) auf. Messbar sind bei Depressiven erhöhte Spiegel an IL-6, TNF und CRP. In Mäusen lassen sich Depressionen durch Zytokingabe auslösen. Möglicherweise, so zeigt eine kleine Studie mit rund 250 Teilnehmern, hängt versuchter Suizid und eine Psychose (statistisch) mit einer Infektion mit Influenza B-Viren zusammen.

Charakterbildende Injektionen?

“Unser Immunsystem entwickelt sich entsprechend dem, welche Lebewesen es im Laufe unseres Lebens zu Gesicht bekommt. Es könnte so sein, dass für unser Gehirn das Gleiche gilt“, spekuliert Margaret Cunningham. Und Betty Diamond ergänzt: Wir haben riesige Mengen an Antikörper, auch wenn wir gesund sind. Ich bin mir sicher, dass einige davon unser Denkvermögen beeinflussen.“ Tatsächlich modulieren typische Oberflächen-Antigene von Abwehrzellen wie etwa MHC-Klasse-I Moleküle die Synapsenbildung bei Neuronen. Naomi Eisenberger aus Los Angeles hat am Computertomographen Hinweise dafür gesammelt, dass Zytokine, die das Immunsystem ausschickt, auch Charaktereigenschaften, wie „Mitgefühl“ beeinflussen.

Bereits in etlichen Fällen haben Antibiotika geholfen, wenn eine Infektion zu – zunächst – unerklärlichen Veränderungen bei Stimmung und mentalen Leistungen geführt hat. Ob es aber wünschenswert ist, mit einer Gabe von Zytokinen oder Antikörpern geistige Höchstleistungen anzustreben und am Ende einen Charakter nach Wunsch zu designen?

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Medizin

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25 Kommentare:

“18.09.11 – 22:30
dr.med.dent. Wolfgang Stute
Zahnarzt/-ärztin

wie sagte schon XENOPHANES :
es ist alles durchwoben von Vermutungen – woher beziehe ich das Recht zu behaupten, ich habe keinen Balken im Auge ?”

EBEN! Was kann denn das arme Borna-Virus dafür? Was kann das HI-Virus dafür? Gibt es alles gar nicht. Alles nur böse Gerüchte. Die Wahrheit: die schwarze Katze war schuld.

Willkommen im Mittelalter. Da wundert es auch nicht, wenn Esoterik erstickende Kinder zu Musikinstrumenten transponiert: Keuchhusten für Anfänger und mit Fluglizenz. Mehr darüber in
http://www.pharmamafia.com

#25 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

wie sagte schon XENOPHANES :
es ist alles durchwoben von Vermutungen – woher beziehe ich das Recht zu behaupten, ich habe keinen Balken im Auge ?

#24 |
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@Admin: Datenbank-Fehler

#23 |
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“18.09.11 – 08:13
dr.med.dent. Wolfgang Stute
Zahnarzt/-ärztin

Bioresonanz als Beispiel : man mag davon halten was man will ; aber Frequenzen sollen keine körperlichen Auswirkungen haben ? das ist tiefstes medizinisches Mittelalter .”

Zwischen “keine” und “welche” besteht ein Unterschied.

Beschwörungsformeln zu murmeln (akustische Frequenzen!) hat ganz sicher Auswirkungen, jedoch zu glauben, daß Beschwörungen Krebs verschwinden lassen, ist finsterstes Mittelalter.

“Funktioniert auch wunderbar zur Kontrolle der Homöopathie”

Wenn etwas als Beweis zur Wirksamkeit der Homöopathie dienen soll, braucht der “Beweiser” braucht dringend eine Extralektion in Sachen Laboranalytik. Hier ein Beispiel, eine Lektion für die Universität Leipzig:
http://www.xy44.de/belladonna/index.html

“Die Zeit des pauschalen Nachplapperns kolportierter Meinungen ist vorbei !”

Wunderbar! Dann bitte nicht den Unsinn Hahnemanns nachplappern!

#22 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

an Herrn Deckers et al.
Bioresonanz als Beispiel : man mag davon halten was man will ; aber Frequenzen sollen keine körperlichen Auswirkungen haben ? das ist tiefstes medizinisches Mittelalter .
Es ist eigentlich ganz einfach ; nur kaum einer tut es:beschäftigen Sie sich doch mal in Bezug auf den ” wissenschaftlichen Quark ” doch einmal gründlich mit modernster immunologischer Diagnostik- Cytokinine , Interleukine etc .. Dort finden Sie den einfachen so angebeteten Nachweis , wenn Sie die direkte Patientenbeogachtung nicht schätzen .
Funktioniert auch wunderbar zur Kontrolle der Homöopathie . Die Zeit des pauschalen Nachplapperns kolportierter Meinungen ist vorbei !

#21 |
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Nanu?

#20 |
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Oh, der Server hat mich veranonymisiert. Na ja, öfter mal was Neues… ;O)

#19 |
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@16: Da Sie auf das RKI zur Stützung Ihrer These verweisen, sollte aber dass hier keinesfalls unerwähnt bleiben:
http://www.rki.de/DE/Content/Forsch/Einstellung__Projekt__Bornavirus.html

So verständlich der Wunsch der Betroffenen nach einer scheinbaren einfachen Erklärung (und damit Lösung) oder einem Sündenbock (Pharmaindustrie verhindert …) ist, umso mehr hat Herr Deckers recht (auch wenn er es sehr pointiert formuliert).

#18 |
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“15.09.11 – 14:47
Selbsthilfe

Ich bitte nochmals darum, nicht vom Thema abzuweichen, nämlich den Artikel von Dr. Lederer, mit denen Ihre Beleidigungen und Anschuldigungen nichts zu tun haben.”

Jemand betreibt eine angebliche Selbsthilfegruppe und pusht dort (und auch hier) esoterischen Blödsinn. Kritik an diesem unverantwortlichen und völlig unethischen Handeln wird als Beleidigung diffamiert. Dieser rhetorische Trick gehört ebenso zum Handwerkszeug der Esoteriker und Pfuscher wie das Ablenken von unangenehmen Tatsachen.

Die entscheidende Voraussetzung für eine Behandlung ist die Diagnose. Und nun das: “Bioresonanz” und anderer Blödsinn werden zur “Diagnose” verwendet. Wie will jemand mit einem Schrott, bei dem man nicht einmal sicher sein kann, daß im Innern des Gerätes die Kabel überhaupt angelötet sind, eine Diagnose durchführen!?

Wieviele von den Diagnosen, die da für Bornavirus, etc gemacht wurden, sind überhaupt echt, und wieviele sind Abzocke und Pfusch?

Ein bekannter Trick der Pfuscher besteht darin, sich Diagnosen zu besorgen, welche die angebliche Notwendigkeit der vom Pfuscher angebotenen Behandlung anzeigen.

Man kann von einer Symbiose der Pfuscher und der Testinstitute sprechen. Der Umsatz in diesem “Wirtschaftszweig” ist mehrere Millionen Euro pro Jahr – für ein großes Testinstitut.

#17 |
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“15.09.11 – 11:18
Selbsthilfegruppe Bornavirus

Als Leiterin einer Selbsthilfegruppe Bornavirus, Borreliose und Co.Infektionen […]

Bioresonaz, bioenergetische Diagnosegeräte oder -Verfahren, Radionik, Quantenmedizin, das alles gehört längst zu einer fortschrittlichen Medizin, die oft da erfolgreich ist, wo alle schulmedizinischen Mittel, insbesondere Antibiotika versagen!”

Das ist genau das, was Kranke ins elend treibt und in die Psychiatrisierung. Wer solchen Unsinn glaubt, der wird von seinem Arzt nicht mehr ernst genommen. Dafür aber fällt er Abzockern in die Hände, die auch Totkranken noch den letzten Heller abnehmen.

Die freie Berufsausübung darf nicht über dem Leben von Menschen stehen.

Ich sage es noch einmal: Kranke haben ein Recht auf EINWANDFREIE, WISSENSCHAFTLICHE Diagnostik.

Bioresonanz, “bioenergetisch”, “Radionik”, “Quantenmedizin” – das ist ganz einfach Schrott. Sehr teurer Schrott. Er kostet die Opfer nicht nur das Geld, er kann sie auch das Leben kosten.

#16 |
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Eben per Zufall entdeckt:

http://www.biokrebs.de/kongress/referenten/724-dr-med-bernhard-weber

[*quote*]
Dr. med. Bernhard Weber
Kongressmitwirkung
Vortrag: Sa., 14.05.2011, 10.00-10.30, Dr. Bernhard Weber,
Laborwerte quantenphysikalisch messen
*************************************
http://www.naturmednet.de

Lebenslauf

Seit 1981 ¿ 1985 Arzt in Kliniken Innere Medizin, Gutachter- und Tätigkeit in Prävention bis 1993, seitdem Leiter NaturheilkundeTagesklinik AG Marburg, Fallstudien,
Buchautor ¿Chronisch krank was tun¿.
************************************
[*/quote*]

Etwas das, was nie passieren darf, schon gar nicht Kranken: pseudophysikalischer Unsinn als Diagnosemethode.

Kranke haben ein Recht auf eine EINWANDFREIE, WISSENSCHAFTLICHE Diagnose.

#15 |
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“15.09.11 – 08:37
THP Volker Gross
Tierheilpraktiker/in

Wen’s interessiert kann etwas mer lesen bei www. chronische-infektion.de oder http://www.bornavirusinfektion.de/html/symptome.html

Leider bricht das alles in sich zusammen, denn wer mit Abrakadabra “diagnostiziert”, KANN keine brauchbaren Werte bekommen.

Da gibt es in http://www.chronische-infektion.de/ :

[*quote*]
Ganzheitliche Behandlung / Komplementärmedizin
Phytotherapie, Mikro-Immuntherapie, Orthomolekulare Medizin
Bioresonanz, Biophotonen,Frequenztherapie, Radionik, COBIMAX, Geistiges Heilen – offenes Forum
Grundinfos BBT /Radionik – Analyse, Tests – offenes Forum
BBT /Radionik – Analyse, Tests – Erfahrungsaustausch Behandlungserfolge
geschlossenes Forum für Mitglieder, die bei sich selbst oder bei ihren Pferden dieses Verfahren anwenden
[*/quote*]

Vor solchem Unsinn muß man die Menschen warnen.

#14 |
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THP Volker Gross
THP Volker Gross

Zu den o.g. Beiträgen …
Diese Vermutungen haben -möglicherweise- alle recht, wissen allerdings n i c h t s über die BDV Infektion. Weder Borrelien, noch Streptokokken noch etc. gehen ins limbische Sytem.
Mit einer derartigen Staistiken kann man bekanntermassen jeglichen Quatsch beweisen……
Vermutlich aktivieren derartige Infektion BDV; die Marker sind auch bekannt. Es bestehen empirsch gesehen Koppelungen zwischen Bornaviren und Borrelien, möglicherweise als Mischinfektion (evtl. sogar mit Herpesviren).
Wen’s interessiert kann etwas mer lesen bei www. chronische-infektion.de oder http://www.bornavirusinfektion.de/html/symptome.html

#13 |
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Medizinjournalist

Vielen Dank für die Kritik, die ich (meist ;-) ) gerne annehme. Vielleicht hätte ich wirklich den letzten Satz etwas besser “vorbereiten” sollen. In den letzten Jahren wird immer klarer, welche Auswirkungen Infektionen mit unterschiedlichsten Erregern im Gehirn haben können, sei es durch die Immunreaktion mit Zytokinen und anderen Botenstoffen, unter denen sich auch Neurohormone finden, – oder auch durch Antikörper, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden können und dann mit Strukturen im Gehirn kreuzreagieren.
Und je größer ds Wissen darüber ist, desto “verlockender” wird auch die Aussicht, Veränderungen im Gehirn gezielt herbeizuführen, wie es beispielsweise in einzelnen Fällen nicht nur durch Ritalin oder Modafinil geschieht, sondern auch durch transkranielle Magnetstimulation.
Mit mehr neuro-imunologischem Wissen steigen sicher auch de Chancen einer besseren Diagnose und Therapie, aber eben auch die Gefahren eines Missbrauchs bei der “Leistungsoptimierung”

#12 |
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Dr. Florian Katzlberger
Dr. Florian Katzlberger

Danke Herr Lederer, wegen Ihrer sorgfältigen Recherche solcher Forschung habe ich DochCheck seit Jahren abonniert! Ihre Befürchtung im letzten Satz halte ich allerdings für überzogen. Es geht immer noch um Verhinderung schwerwiegender psychischer Störungen.

#11 |
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Diplom Humanbiologin Dunja Pfeiffer
Diplom Humanbiologin Dunja Pfeiffer

Aus leidvoller eigener familiärer Erfahrung: 4jähriges Kind mit disseminierter Enzephalomyelitis (ADEM) autoimmuner Genese 6 Wochen nach labornachgewiesener (und 10 Tage oral therapierter!) Streptokokkeninfektion. Biphasicsher Verlauf, in der zweite Phase extrem starke Beteiligung Frontalllapen mit starken Affektsstörungen. Auch Jahre später trotz mittlerweile unauffälligen MRT psychatrische Auffälligkeiten – leider ein Gebiet, auf dem bisher wenig geforscht wird, daher ein sehr interessanter Ansatz! Psychoneuroimmunologie nannte das mein Prof. an der Uni, er würde sich über die späte Anerkennung seiner Thesen bestimmt freuen…

#10 |
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Blut-Hirn-Schranke – neu zu überdenken?!
Gut, der letzte Satz erinnert daran, daß wir uns noch immer auf 1984 zubewegen.
Aber am meisten erschüttert hat mich die Nachricht, daß erst eine Therapie (jedenfalls in dem hier angesprochenen Sinne) von Streptokokken nach vier Jahren Dauer erfolgreich war. Vier Jahre! Wie soll das erst bei Borrellien oder sogar der Lues sein.
Oder wir liegen in einem ganz elementaren Punkt falsch, und den bitte ich unsere neurologischen und mikrobiologisch tätigen Kollegen und Kolleginnen wirklich zu durchdenken:

Könnte es sein, daß es für eine erfolgreiche Therapie von ZNS – Invasoren garnicht sosehr die Art des Antibiotikums (sicher wichtig) oder die Dauer der Behandlung (sicher wichtig bei Keimen, die bekanntermaßen Zyklen durchlaufen wie Malaria und Borreliose) sondern noch auf einen bisher nicht bedachten Punkt ankommt:

Die Tür zum ZNS muss während der Behandlung offen sein!

Es wäre doch denkbar, daß der im 2. Abs von “Zwangsstörung nach Infektion” zitierte Junge erst vier Jahre nach dem Befall mit Streptokokken wieder eine (erneute? – andere?) Infektion hatte, die zum Zusammenbruch der Blut-Hirn-Schranke führte – und die dann die peripher ständig anwesenden Antibiotika wirksam werden lies!

Welche Konsequenzen das für die Behandlung einer Infektionskrankheit mit ZNS – Befall hätte, können Sie sich selbst ausrechnen: Tür aufreissen, Antibiotikum rein, Tür zu – und hoffen, daß man nicht den Teufel mit dem (rumstreunenden) Beelzebub auszutreiben versuchte! Und daß der Durchzug gereicht hat! Nur was für Mutige – oder zu allem Entschlossene! Und zu allem entschlossen ist fast immer der sonst Hoffnungslose.

Das müssen wir wissen, sonst machen wir ständig etwas Schlimmes falsch !!!

Dr. Gerold Sigrist

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Ich muß die Worte von Prof. Dr. O. Berndt Scholz unterstützen! Mehr Sorgfalt brauchts!

#8 |
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In der Homöopathie gibt es den “typhösen Zustand”, der beschreibt, dass infektionserkrankungen mit einer verminderten Aufmerksamkeit einhergehen. Jeder, der mal einen schönen viralen -grippeähnlichen – Infekt gehabt hat, weiß wie er die Sinne und die Leistungsfähigkeit des Gehirnes beeinträchtigen kann. Dieser Artikel bringt endlich die biochemische Basis dafür, wenn sicherlich auch nur in Teilaspekten. Bin kinesiologisch tätig und setze in Anlehnungn an die Elektroakupunktur nach Voll Homöopathika und Nososden ein. Wie Voll vor 50 Jahren es beschrieben hat, so erlebe ich es auch heute. Postgrippale Wesensveräderungen sind diagnostizierbar und therapierbar als postinfektöses Krankheitsmuster.

#7 |
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Ulrich Scherer
Ulrich Scherer

Zitat: “Zwangserkrankungen, zu denen auch das Tourette-Syndrom gehört”
Diese Zuordnung ist nicht nur nach der ICD-10 falsch, sondern insgesamt problematisch.
Ticstörungen den Zwangsspektrum-Störungen zuzuordnen, lässt sich dagegen vertreten.

#6 |
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Biologin

Ein sehr interessanter Beitrag, vielen Dank!

#5 |
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Naturwissenschaftler

ja die rolle der cytokine bei der modulation der psyche ist noch in weiten teilen spekulation aber aus forschersicht hochinterressant

#4 |
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Der letzte Satz ist nicht ohne, und es ist wichtig, ihn zu bringen! Chapeau!

#3 |
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Der Beitrag wirkt wie ein Brei, in dem Symptomatologie, Nosologie, Ätiologie, Immunologie und Pathophysiologie so richtig spekulative durcheinander gemischt worden sind.

#2 |
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Sebastian Hesse
Sebastian Hesse

Den letzten Satz hätten sie sich echt sparen können – er verhunzt ein bisschen diesen ansonsten wirklich sehr interessanten Artikel.
Danke für diese Informationen! :)

#1 |
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