Patienten: Von Kopf bis Fuß auf Google eingestellt

7. Oktober 2015
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Laien googeln nur allzu gerne ihre Symptome, sollten sie an Wehwehchen leiden. Eine gefährliche Strategie: Viele Websites entsprechen nicht geltenden medizinischen Standards. Auf allgemeinverbindliche Zertifikate warten User wohl noch lange.

Brennt der Magen, kratzt der Hals oder schmerzt das Knie, gehen Patienten nicht sofort zum Arzt. Vielmehr zücken sie ihren Computer oder ihr Smartphone und recherchieren online nach Informationen. Jetzt hat die Central Krankenversicherung mehr als 41.000 Suchanfragen aus Deutschland analysiert – mit überraschenden Ergebnissen.

Usern über die Tastatur geblickt

Patienten informieren sich online keineswegs nur über Tabu-Krankheiten, wie zu vermuten gewesen wäre. An erster Stelle wollten sie Details zu Schilddrüsenerkrankungen erfahren (295.000 Suchanfragen pro Monat), gefolgt von Diabetes (140.000) und Hämorrhoiden (127.000). Weiter ging es mit Gastritis (119.000), Magersucht (109.000) und Neurodermitis (107.000). Etwas seltener haben User Details zu ADHS (104.000 Abfragen), Depression (102.000), Diarrhö (99.000) oder Hypertonie (96.000) recherchiert. Erektile Dysfunktionen standen mit 23.000 Abfragen lediglich auf Platz 44.

Regionale Rätsel

Forscher fanden dabei regionale Besonderheiten: In den Stadtstaaten Hamburg (1,18 Abfragen pro Person und Jahr), Bremen (1,06) und Berlin (1,03) suchten Patienten besonders häufig nach Krankheiten. Hessen und Nordrhein-Westfalen (0,70), Baden-Württemberg (0,64) und das Saarland lagen im guten Mittelfeld. Vergleichsweise wenig beliebt war Dr. Googles Sprechstunde in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen (je 0,44 Abfragen pro Person und Jahr), in Sachsen-Anhalt (0,41) und in Brandenburg (0,38). Als Erklärung sehen die Autoren soziodemographische Faktoren, aber auch den unterschiedlichen Zugriff auf Online-Medien. Unterschiede gab es darüber hinaus bei den Themen: In Berlin und Brandenburg tippten User besonders häufig „Brustkrebs“ ein, in Bremen und Hamburg wollten sie öfter wissen, was es mit psychosomatischen Erkrankungen auf sich hat. HIV stand in Berlin ganz weit vorne auf der Liste, während sich Bayern eher für Fettstoffwechselstörungen interessierten.

Setzen, sechs

Um die jeweils ersten zehn Treffer einer Suchmaschinenabfrage zu bewerten, erstellten Experten einen ganzen Katalog an Parametern. Es gab inhaltliche Kriterien (Vollständigkeit, Belegbarkeit, Ausgewogenheit) und formale Aspekte (Transparenz, weitere Angaben wie Autoren und Quellen). Ganz wichtig aus Laiensicht war die Frage, wie verständlich ein Text wirklich war. Insgesamt standen 100 Websites auf dem Prüfstand. Um welche Online-Präsenzen es sich handelt, verraten die Autoren nicht – vielleicht aus gutem Grund: Kein Internetauftritt erhielt das Prädikat „sehr gut“; 9 Portale waren „gut“, 34 „befriedigend“, 24 „ausreichend“, 30 „mangelhaft“ und 3 sogar „ungenügend“. Bei formalen Kriterien schnitten viele Online-Präsenzen noch recht vielversprechend ab; Minuspunkte gab es jedoch bei den Inhalten selbst.

Ratlose Ratgeber

Dazu einige Details: Schwächen gab es bei der Variationsbreite an Symptomen, aber auch bei der Darstellung therapeutischer Möglichkeiten. Beispielsweise ging eine Website auf Insulin ein, ohne orale Antidiabetika vorzustellen. Bei 71 aller 100 untersuchten Ratgeberseiten fehlten Hinweise auf Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen oder auf gesundheitliche Folgen, sollten Patienten nicht behandelt werden. Wissenschaftliche Belege vermissten Experten auf drei von vier Seiten. Manche Aussagen waren weder evidenzbasiert noch leitlinienkonform. Zwei Websites gehen etwa auf ADHS ein, ohne Therapien hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zu bewerten. „Angesichts der Tatsache, dass etwa 80 Prozent der Internetsurfer Gesundheitsinformationen im Netz suchen, ist dieses Ergebnis mehr als bedenklich“, sagt Dr. Markus Homann, Leiter des Gesundheitsmanagements der Central Krankenversicherung.

Prädikat wertvoll

Trotz aller Kritikpunkte ist Homann klar, dass Bürger auch künftig im Web nach Gesundheitsinformationen suchen werden. Verbindliche Standards gibt es bislang nicht – HONcode, afgis oder MediSuch kennen nur wenige Laien. Auch der Bekanntheitsgrad von gesundheitsinformation.de, einem Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), hält sich in Grenzen. Das mag am Nutzerverhalten selbst liegen: Suchen Patienten per Google beispielsweise nach „ADHS“, erscheinen bei den ersten Treffern bunt gemischte Angebote mit unterschiedlicher Qualität – nur nicht gesundheitsinformation.de. Jetzt will das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin neue Wege aufzeigen. Informationsanbieter, Wissenschaftler, Kliniker, Patientenvertreter und Journalisten arbeiten zusammen an einer „Guten Praxis Gesundheitsinformation“. Im ersten Schritt wollen alle Beteiligten ihre Anforderungen definieren. Sie planen als zweiten Schritt ein Netzwerk mit Informationsanbietern, die sich zur Umsetzung aller Kriterien verpflichten. Ihr Wunschtraum: eine Plattform mit methodisch guten Gesundheitsinformationen.

70 Wertungen (4.07 ø)

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26 Kommentare:

Heilpraktikerin

Informationen bekommt ein interessierter Mensch nicht einfach so, sie sind keineswegs frei zugänglich. Das erlebe ich als “externe” Studentin jeden Tag. Entweder es kostet Geld oder man bekommt sie, zusammen mit der Fähigkeit damit umzugehen, auf seiner Hochschule oder über Vitamin B.
Es ist auch für informierte Kreise schwer geworden; vor ein paar Jahren war es noch leichter. Es hat viel weniger Mühe gemacht, den ganzen Kram zusammenzutragen. Und wenn ich als HP nur schwer drankomme, wieviel weniger dann ein Patient?

Die meisten Infos, auch Aussagen und Antworten, sind ausserdem derartig flach, desinteressiert und nichtssagend dass es mir immer wieder die Schuhsohlen kräuselt: Frage: “Was ist denn da drin?” Antwort: “Das ist fürs Herz.” F.: “Nein, bitte was ist das für ein Medikament?” – A.: “Fürs Herz halt”. F.: “Verdammt, nicht fürs Herz halt. Was ist das?” – A.: “Ramipril”.

Oder den aktuellen TV-Spot “einen feuchtigkeitsabwehrenden und atmungsaktiven xyz… er wehrt die Feuchtigkeit ab und ist atmungsaktiv”…. -Bums.

Prima! Weiter so! :-)

#26 |
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Gast
Gast

Aha, Herr van den Heuvel, sind wir wieder bei der für Sie bekannten Methode angekommen, die Seiten – diesmal Ärzte & Co. und Patienten – gegeneinander auszuspielen?
Die Patienten sind grundsätzlich für alles zu blöd, also sollte man denen am besten das Web sperren, nicht zuletzt damit sie weiter den Mund nur deswegen aufsperren um die Tabletten reinzuschmeissen. Aber wenn bei Patientenvorstellungen/Fallstudien in Uni-Vorlesungen ein Migräniker über 50J. gefragt wird ob er “schon mal Betablocker versucht” hat, und das mit über gefühlten 100000 Versuchen damit, das soll eine Ausbildung darstellen? Was lernt denn jemand dort, der solche Fragen stellt, und hat so jemand überhaupt was dort zu suchen?

#25 |
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Arzt
Arzt

Das Alter des Arztes ist in der Regel ein großer Vorteil.
Erfahrung ist auf dem Gebiet, in dem man sich schwerpunktmäßig beschäftigt, durch nichts zu ersetzen. Der Mensch ändert sich nicht wie ein Auto.
Dabei muss man allerdings zwischen (nur) Spezialisten und Generalisten unterscheiden. Der Trend zu einer sehr frühen Spezialisierung ist dabei eher ein Nachteil. Der “wissenschaftliche Fortschritt” wird vom Laien ganz erheblich überschätzt. Er findet eher langsam statt, die “Bremsklötze” sind überwiegend nicht die Mediziner selbst.
Wer meint google sei besonders menschenfreundlich, den kann man wirklich nur naiv nennen.
Selbstveständlich muss auch ein Arzt immer wieder “nachschlagen”, wofür das internet zweifellos eine wesentliche Erleichterung darstellt.
Und selbstverständlich muss er Fragen des Patient diesbezügl. vernünftig beantworten können.

#24 |
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Gast
Gast

Leider muss ich immer wieder feststellen, dass es mit der Weiterbildung von älteren Ärzten nicht gut aussieht. Denn sie haben oft veraltetes Wissen. Sie glauben, dass dies ausreicht. Wenn man dann noch sagt, dass nach einer neuen Studie die ich im Internet gelesen habe….. Dann werden sie unfreundlich und arrogant. Dann kommt oft die Frage, haben sie Medizin studiert? Mein Hausarzt konnte mir nicht wirklich helfen außer Schmerzmittel zu verschreiben. Da bin ich mit dem Internet wesentlich weiter gekommen.

#23 |
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Dr. Michael Hägele, IQTG
Dr. Michael Hägele, IQTG

Der Artikel trifft es auf den Punkt: Das Phänomen “Googlen” läuft bei Gesundheitsinformationen in der Tat nicht optimal (siehe dazu auch einen Artikel von mir dazu “Wie kommen eigentlich Bürger und Patienten an “gute Gesundheitsinformationen”? hier http://www.iqtg.de/cms/index.asp?inst=iqtg&snr=11014).

Derzeit suchen wir Beta-Tester für unsere Google Sucherweiterung (Medinfo Google Extension), um die Suche nach Gesundheitsinformationen innerhalb von Google zu verbessern. Machen Sie mit!

#22 |
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Gast
Gast

@18
Volle Zustimmung

#21 |
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Manche Seiten im Internet habe mehr korrekte Information wie die die in vielen Köpfen von Psychiatern vorgehalten wird.
Siehe:
http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/psychiatrie/schizophrenie-die-unverstandene-krankheit-13775766.html
Bei dem was viele Psychiatern gegenüber Patienten und Angehörigen von sich geben, lässt einem das Gefühl nicht los:
Wenn man nur einen Hammer hat ist jedes Problem ein Nagel.
Da ist oft gerade die FAZ schon weiter.

#20 |
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Dr. rer. nat. E. Petzold-Dorn, Biologin
Dr. rer. nat. E. Petzold-Dorn, Biologin

Fällt mir doch gerade die ernstgemeinte Antwort eines Arztes auf eine in der Praxis gestellte Frage meiner Kollegin ein:
” Sie sind doch Biologin, schauen Sie halt im Internet nach!”
Beim”Googlen” kommt es nun sehr darauf an, wer sucht und wie man sucht. Und nicht alles, was hoch wissenschaftlich klingt, ist richtig, und nicht alles, was einfach erklärt ist, ist falsch. Man muss beim “Googlen”unterscheiden können. Das gilt aber für alle Anfragen in Suchmaschinen.
Oft wird man auch auf Seiten geleitet, auf denen Menschen nur Erfahrungen austauschen. Diese Erfahrungen zu lesen sind gerade auf medizinischem Gebiet oft sehr interessant, weil sie solche Alltagserfahrungen und Fragestellungen von Patienten widerspiegeln, die so selten in den Praxen landen. Weshalb tauschen sich Menschen im Internet über ihre Leiden aus? Weil sie einen Leidens-Druck haben!
Wichtig für alle die, die sich medizinisch im Internet verewigen wollen, wäre wohl zu überlegen: Was hilft dem Adressaten wirklich weiter? Keine Selbstdarstellung sondern solide Arbeit, verständlich herüber gebracht und unterstützend, etwa wann man einen Arzt aufsuchen sollte, dem man bitte auch Fragen stellen darf! Die Medizin ist keine Geheimwissenschaft, sondern sie betrifft den einzelnen Menschen unmittelbar. Ein Vorsortieren von Informationen dient nicht dem Patienten, aber respektvolle Aufklärung und das Vermitteln von “know how”, Informationen richtig zu verarbeiten!

#19 |
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Univ.-Prof. Dr.-Ing. Peter Koeppe
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Peter Koeppe

Der Tenor einiger Kommentare reizt mich zum Widerspruch.
Seit jeher gab es Menschen, die sich bei Beschwerden nicht nur auf “den Arzt” verließen, sondern vor und nach der Konsultation Erkundigungen bei Freunden und Bekannten einzogen, oder “Ärztliche Ratgeber” studierten.
Daran hat sich nichts geändert – außer der Technik, und ob die klassische Methode tatsächlich besser war als die heutige Googelei, erscheint mir mindestens fraglich.
Die Antwort ist irrelevant: In einer freien Gesellschaft kann niemand (auch nicht der Arzt) dem Bürger vorschreiben, auf welchem Wege er sich zu informieren hat.
Die kluge Mediziner wird daher keine Abwehrhaltung einnehmen, sondern das offensichtliche Interesse seines Patienten aktiv unterstützen, indem er ihm z. B. geeignete Websites nennt (dass es in der Medizin keine gibt, kann mir aufgrund der Erfahrungen in meinem Fach niemand erzählen.)
Von dem Arzt meines Vertrauens erwarte ich, dass er den mit Fragezeichen versehenen printout beim nächsten Besuch mit mir durchsieht und erläutert; die naturgemäß allgemein gehaltenen Ausführungen für meinen Fall präzisiert, mir erklärt, welche der genannten Therapieformen für mich infrage kommt usw.
Anders herum formuliert: Einen Arzt, der diese meine Unterlagen nicht einmal anzusehen geruht, sondern wie Teufelszeug vom Tisch wischt, würde ich freiwillig kein zweites Mal aufsuchen.

#18 |
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Lieber Herr Höhl (#7),
herrlich Ihre Feststellung “Angebet und Nachfrage”, paßt gerade für die aktuelle Synode.

#17 |
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@ Gast 5
Ich schätze gut informierte Patienten sehr. Meiner Meinung nach ist es ein wichtiger Teil der ärztlichen Arbeit, dem Patienten die Informationen zugänglich zu machen, die er für einen eigenverantwortlichen Umgang mit seiner Gesundheit benötigt. Das Internet ist aber (noch) nicht der Ort, an dem man medizinische Informationen mit hinreichender Qualität, bzw Erkennbarkeit der Qualität findet. Das liegt möglicherweise zum Teil an einer gewissen Trägheit der Medizin, sicher aber auch an der Struktur des Wissenschaftsystems mit Journals, peer review etc.
Zu Ihrem Zitat “weil Ihnen sämtliche Quellen, die Fachmedizinern zur Verfügung stehen, ebenfalls zur Vefügung stehen”
Einen Großteil seiner Informationen bekommt ein Arzt eben aus nicht allgemein zugänglichen Quellen wie Studium, Fortbildungen und Tagungen. Dort werden die unterschiedlichen Einzelquellen dann in einen Zusammenhang gebracht und bewertet. Diese Möglichkeiten stehen einem interessierten Patienten kaum zur Verfügung.

#16 |
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Dieter Grotjahn
Dieter Grotjahn

“Die Qualität kann man doch als Suchender recht einfach erkennen” — in diese Richtung gehen einige Kommentare. Bitte, dann sollte man auch in der Lage sein zu erkennen, dass Hr. v.d. Heuvel hier NICHT seine persönliche Meinung publiziert und auch NICHT stellvertretend für die Ärzteschaft hier ein bestimmtes Bild zeichnet.

#15 |
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Arzt
Arzt

zu#12 Man muss schon ein bischen trennen zwischen ungesunder Lebensführung und der Therapie der “Krankheit”, auch wenn die gesunde Lebensführung sie wahrscheinlich (nicht immer) verhindert hätte.
Und selbstverständlich kann der Arzt mit seiner Therapie die gesunde Lebensführung des Erkrankten NICHT ersetzen.
Hier ist die “Mitarbeit” des Patienten duch nichts zu ersetzen. In USA, wo der Zugang zum Dr. entschieden teurer ist als bei uns ist das viel selbstverständlicher.
Wenn nun ein Übergewichtiger eine Hypertonie und einen Diabetes entwickelt hat muss man halt trotzdem behandeln, auch wenn er es nicht schafft deutlich abzunehmen, was tatsächlich unglaublich wirksam ist.
Die Alternative Arzt ODER Eigeninitiative ist also falsch, ohne Kooperation geht gar nichts.
Im übrigen ist der “Stoffwechsel” eines normal-gewichtigen Couchpotatoe schlechter als der eines wirklich aktiven Übergewichtigen.

#14 |
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Gast
Gast

Es muss noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen werden,
dass der Mensch kein Kunstprodukt wie ein Auto ist.
Das bedeutet, auch “Standards und Zertifikate” sind noch keine angemessene Lösung für den Einzelfall,
das gilt auch für Ärzte.

#13 |
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Gast
Gast

Ja, letzte Woche waren Heilpraktiker eine Bedrohung und diese Woche sind es Gesundheitsseiten im Internet…

Ich finde es sehr gut, daß jeder sich informieren kann. Viele Gesundheitsseiten haben überdurchschnittlich gute Informationsmöglichkeiten und verweisen auch auf weitere Quellen. Die Qualität kann man doch als Suchender recht einfach erkennen, wenn man sieht, wie der Inhalt der Seiten präsentiert wird. Auch Ortographie und die Anzahl der Seiten einer Homepage lassen Rückschlüsse auf die Qualität zu.

Seiten, die von Betroffenen ins Netz gestellt werden natürlich eine “kleine Katastrophe” sein. Dies fällt dem durchschnittlichen mündigen Bürger dann aber auch durch geringe Seitenzahl, Tippfehler und schwachen Inhalt auf.

Sie vergessen, Herr van den Heuvel, daß Patienten auch in der Lage sind, sich selber Gedanken zu machen und Informationen zu filtern.

Ich mag es, wenn Patienten sich alleine informieren können. Viele sind sehr gut informiert und auch bereit z.B. zuerst diätische Maßnahmen und Sport zu akzeptieren, wenn sie sich selber in das Thema Stoffwechsel und Diabetes eingelesen haben. Früher wurden weiter Eisbein und Pralinen gegessen und nach Insulin verlangt.

Besonders freut es mich immer, wenn meine älteren Patienten (70+) extrem gut informiert zu mir kommen, weil sie sich schon im Internet einiges an Wissen angelesen haben.

Gesundheitsseiten bergen auch große Chancen und nicht nur Risiken.

#12 |
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Rettungsassistent

Ein toller Beitrag! Halten Sie uns darüber auf dem laufenden. …Bitte!

#11 |
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Gast
Gast

Das “Patient” immer nur für unfähig gehalten wird,wenn es um seine eigene Gesundheit geht.Natürlich darf man sich nicht verrückt machen mit schlimmen Diagnosen welche man im Internet gesucht oder gefunden hat.Aber bitte was muss denn nun “zertifiziert” sein,wenn man sich als Diabetiker im Netz umschaut und sich in diesem Zusammenhang zum Beispiel Bilder eines diabetischen Fußsyndroms anschaut bzw. das,was da so zu sehen ist. Ausserdem ist Laie gar nicht so doof,dass er nicht unterscheiden kann,was nun eine seriöse Seite ist.Man kann ja zum Beispiel auch hier schauen,bei DockCheck.Das mach ich immer,wenn ich nicht so recht weiss,wo ich dran bin.Jedenfalls hat mir das Internet in Sachen gesund werden schon so manches Mal geholfen.

#10 |
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Rolf Höhl
Rolf Höhl

Wurde auch erhoben, warum die Menschen zu “Dr. Internet” gehen?
Wir sind doch begeisterte Marktwirtschaftler und kennen das Gesetz von
Angebet und Nachfrage. Vielleicht ist Dr. Internet nicht so ungeduldig und besteht auf seinen 7 Minuten Limit. Vielleicht ist auch die Erfolgsrate aus vorhergehenden Konsultationen nicht so begeisternd gewesen. Die aktuelle schulmedizinische
Palette und Qualität ist vielleicht auch nicht so sehr begeisternd. Stichwörter:
Igel Leistungen, Professionelle Zahnreinigung, MRSA , Bericht Plus/Minus: von 1000 überprüften Kassenabrechnungen 500 falsch und alle zur Seite “mehr”.
Hat die Medizin denn nicht gemerkt, dass der Glaube der Bevölkerung ähnlichen Schwund aufweist wie der an die Amtskirche. Wollen wir überhaupt das Problem ernsthaft diskutieren? Oder nach dem Grundsatz : Apres nous le deluge.

#9 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Das Internet ist ein Segen für Menschen mit sehr seltenen Krankheiten.
Die Diagnose des Radiologen: Raumforderung im Abdomen. Ich schaute mir die Raumforderung auf der CD vom Radiologen genau und ausgiebig an. Darüber hinaus gab es keine Diagnose. Mein Hausarzt war ratlos. Coloskopie: Kein path. Befund.
Im Internet fand ich eine Diagnose die zu meinen Symptomen passte. Ich brauchte zwei Laborwerte um meinen Verdacht zu erhärten. Ich brauchte eine Klinik die diese Krankheit als Zentrum mit einem Fachübergreifenden Ärzteteam behandeln konnte.
2009 gab es nur 3 davon in Deutschland. Ich habe alles im Internet gefunden. Wurde sehr gut behandelt.
Ärzte sollten anerkennen, dass Laien, wenn sie betroffen sind, einen enormen Drang nach Erkenntnis entwickeln. Und dafür war das Internet mit seinen Möglichkeiten, für mich Lebensrettend.

#8 |
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Patient
Patient

Kleiner Nachtrag: Ich weiß nicht, ob der Autor sich schon mal auf Geundheitsinformation.de umgetan hat. Falls nicht, sollte er das vielleicht mal tun. Wenn man dort mal nach allgemeinen verschiedenen nicht wirklich alltäglichen Dingen sucht: Gähnende Leere. Dafür gibt es dann wieder einige wenige ganz spezielle Dinge, die für einige ganz wenige Betroffene interessant sein könnten, etwas zur Frühbewertung von sehr speziellen neuen Therapien, nur die sind dann in der Regel wegen ihrer Ausnahmesituation bereits aus anderen Quellen gut informiert.

Dass es zum Beispiel wirklich sehr gute (und natürlich auch weniger gute) Seiten von Betroffenenorganisationen gibt, wird im Artikel verschwiegen. Woran man die guten (meistens) erkennen kann, wird ebenfalls nicht gesagt.

UNd was die “Qualitätssiegel” angeht: Honcode haben viele, ist auch nicht schwierig zu bekommen und sagt wenig über die tatsächliche Qualität aus, denn die Vergabe beruht im wesentlichen auf den Angaben der Betreiber. Bei afgis ist in erster Linie mal teuer, für non profit Organisationen und sagt per se z.B. zunächst mal nichts über wirtschaftliche Abhängigkeiten und Interessen der Betreiber mit diesem Siegel. Und Medisuch? Da erscheint auf Suchanfragen ein wüstes Durcheinenander von Links zu einigermaßen seriösen Informationen, von denen wiederum viele ehr für medizinische Fachleute als für Laien gedacht sind, über Apothekenumschau bis zu miserabel recherchierten Spiegelartikeln, pharmafinanzierte Seiten sind als solche für den Laien nicht zu erkennen.

Wirklich verlässliche Siegel gibt es nicht, und alle Portale haben Schwächen.

Inwiefern ist also der Artikel hilfreich und für wen? Haben interessiert Laien, von denen sich ja doch der ein oder andere Leser hier findet, einen wesentlichen Benefit, indem sie etwa erfahren, wie sie die Spreu vom Weizen trennen können?
Erhalten aufgeschlossene Mediziner Informationen, wie sie ihren Patienten im Dschungel der vielen schlechten und wenigen guten Informationen einen gangbaren Pfad zeigen können?

#7 |
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Sonja Weiss
Sonja Weiss

achja, dieser bericht ist mal wieder ein echter witz in tüten… man frage sich doch einfach mal, warum patienten das internet zu rate ziehen und siehe da: so lange man noch mit gesundem menschenverstand (also ohne von ach-so-tollem, lateinischen trallalla verklärten und verstörten medizinischen sachverstand!) dieser frage auf den grund geht, wird man ganz schnell die gründe erfassen können. 1.) weil die arztpraxen hoffnungslos überfüllt sind, man monatelang auf termine warten muss und aus diesem grund viele schon keine lust mehr haben, überhaupt noch zum arzt zu gehen. so lange es noch geht, werden diese art patienten sich selbst helfen oder anderweitig helfen lassen 2.) wie patient aus kommentar #5 schon sehr richtig benennt, wird man als patient (übrigens auch OHNE vorwissen von woher auch immer!) von ärzten als unmündig erklärkt. wie kann es denn schließlich sein, das man sich als patient auch nur wagt, auszusprechen, das man sich nach einer behandlung eigentlich ganz anders fühlt, als vom arzt höchst medizinisch und in hochtrabenden worten vorgeschrieben? geht ja wohl gar nicht!!! 3.) in diesem artikel, bzw. in dieser untersuchung der internetseiten, werden auch zig seiten eingeflossen sein, die alternative therapien anbieten, die ja mal grundsätzlich bei der holden ärzteschaft als no-go angesehen werden. zu blöd nur, das sowas unwissenschaftliches auch noch funktioniert… kurz gesagt: das internet birgt natürlich gefahren, genau wie bücher oder der straßenverkehr. es bietet aber klar und differenziert denkenden menschen genauso viele nützliche informationen. und mal ehrlich: es ist unmöglich jeden menschen vor der eigenen dummheit zu bewahren, oder?

#6 |
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Patient
Patient

Na klar, das böse Internet.
Kommen sie als Diplompatient mit einer seltenen Erkrankung, in der, und nur in der(!), sie selbst gezwungenermaßen Experte auf Facharztniveau geworden sind. Mit einem Wissen, dass *unvoreingenomme* Ärzte als wirklich ausgezeichnet werten, zu einem neuen Arzt und präsentieren ihm eine vielleicht neue Erkenntnis, die noch so gut belegt sein kann, weil Ihnen sämtliche Quellen, die Fachmediinern zur Verfügung stehen, ebenfalls zur Vefügung stehen, und wagen sie dann zuzugeben, dass das Erkenntnisse aus einer Internetrecherche sind. 80% aller Ärzte werden schlagartig dicht machen, sobald sie nur dieses Stichwort hören.

Ich lese “Verbindliche Standards gibt es bislang nicht – HONcode, afgis oder MediSuch kennen nur wenige Laien. Auch der Bekanntheitsgrad von gesundheitsinformation.de, einem Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), hält sich in Grenzen.”

Ach was? Vielleicht wäre es ja eine gute Idee, statt Patienten sofort abzubügeln, ihnen einfach mal zu erklären, wo sie denn gute Infomationen her bekommen.
Aber liebe Ärzte, WISSEN SIE denn das überhaupt selbst? Sind SIE denn überhaupt informiert, wo man gute Informationen bekommt? WOLLEN sie denn überhaupt den sachgerecht informierten Patienten?

#5 |
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Gast
Gast

Dass Patienten das Internet – und andere Informationsquellen – nutzen, um sich zu informieren, kann für den Arzt auch eine sehr große Hilfe sein, denke ich. Ich jedenfalls wurde von meinen Ärzten schon häufiger zum Googeln aufgefordert. Die Qualität der Informationsquelle musste schon immer überprüft werden, ob es nun ein gedruckter Ratgeber oder eine Website ist.

#4 |
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Margret Budde
Margret Budde

Das Suchen nach Gesundheits/Medizindaten im Netz nimmt verständlicherweise immer weiter zu. Ich stimme dem zu, dass man bei den Beiträgen sehr genau differenzieren muss. Aber nicht immer ist es jedem Laien möglich, richtig von falsch zu unterscheiden. Daher ist es nur zu begrüßen, dass sich eine zentrale Stelle dieses Themas annimmt.
Kritisch bei der Suche scheint mir auch das Nutzerverhalten zu sein. Es gibt nun mal gewisse Regeln im Internet, 1. mit welchen Suchkriterien man im Netz sucht und 2. wie man nach Eingabe eines Suchbegriffs auch die Suchergebnisse bewerten sollte. Schaut man nach dem Lesen des gesuchten Begriffs als Erstes ins Impressum, weiß man sofort, wer hinter der Seite steht. Das ist nur ein Beispiel.
Gute Informationsportale gibt es inzwischen in großer Anzahl. Nur nicht jeder kennt diese und weiß sie noch weniger zu finden.
Zu diesen fehlenden Informationen in einer Zusammenstellung bauen wir für unsere Leser seit gut einem Jahr in Eigeninitiative eine eigene Extraseite zu Gesundheitsinformationen namens “Moment mal – Mach mit!” [Link wurde von der Redaktion entfernt] mit verschiedenen Unterseiten auf. Wir bieten keine Infos zu einer Krankheit, sondern wir stellen nach und nach die einzelnen Institutionen mit deren fachl. Hintergrund vor. Somit ist inzwischen in einer großen Liste für fast alle Bereiche eine weiterführende Adresse zu finden.

#3 |
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“Nur per EDV – ist viel zu ungenau”!
Vor dem Hintergrund, dass auch ein Forscherteam aus Harvard Diagnostik-Tools im Internet als sogenannte Symptom-Checker geprüft hat: H. L. Semigran et al. “Research – Evaluation of symptom checkers for self diagnosis and triage: audit study” (BMJ 2015;351:h3480) vom 8.7.2015.
http://dx.doi.org/10.1136/bmj.h3480
lagen die Internet-Symptom-Checker in zwei Drittel aller Fälle daneben. Bei häufigen Krankheitsbildern lag die Erfolgsrate mit der richtigen Diagnose an erster Stelle bei 38 Prozent; bei den selteneren Erkrankungen nur bei 28 Prozent.

Die medizinisch-ärztliche Welt der Krankheiten, Anamnesen, Untersuchungen, Beratungen, der Differenzialdiagnostik und multidimensionalen Therapien ist eben n i c h t digital, sondern analog. Sogar digitale Palpationstechniken und Untersuchungen sind analog. Und es geht auch nicht um Gesundheits- sondern um K r a n k h e i t s-Expertisen. Insofern ist die Begrifflichkeit “digital health” als “digitale Gesundheit” irreführend.

Unsere medizinisch-ärztliche Kernkompetenz sind die Zehntausenden von Krankheits-Entitäten, die ambulanten/stationären Pharmako- und Physiotherapien, Heilbehandlungen, Operationen, Injektionen/Infusionen, Kuren, Minimalinterventionen oder Hybrid-OPs: Bei Herz- und Hirn-Infarkten, ACS, Herzfehlern, Aneurysma, Asthma/COPD, Miss- und Fehlbildungen, Lungenembolien, akutem Abdomen, eingeklemmten Hernien, KHK, systolischer/diastolischer/pulmonaler Hypertonie, Hyperlipidämien, PAVK, Mesenterialinfarkten, Carotisstenosen, Tumorkrankheiten, Kachexie und Marasmus, zerebralen Krampfanfällen, Gallenstein- und Nierensteinkoliken, entgleisten Typ-1 und 2-Diabetes Krankheiten mit Komplikationen, Addison-Krisen, Thyreotoxikosen, Rheuma, Kollagenosen, endokrinen Störungen, Nierenversagen, Neuropathien, Systemerkrankungen, dekompensierter Herzinsuffizienz, Infektionen mit Viren/Bakterien/Pilzen/Parasiten, chronischen Schmerzen usw. usf.

Medizinische “Gesundheits”-Apps, E-Health und Telemedizin bzw. die gesamte Digitalisierung des Gesundheitswesens sind nur notwendige Hilfsmittel und erleichtern Prozess-, Ablauf- und Ergebnis-Dokumentation. Untersuchungs-Prozesse und Ergebnisqualitäten in der Humanmedizin werden mehr durch analoge Kommunikations-, Interaktions-, Kontemplations-, Empathie-, Lern- und Reflexionsfähigkeit bzw. selbstkritische Wahrnehmungsfähigkeit bei Ärzten und Patienten definiert.

“Durchs Telefon und durch die Hose – stellt man keine Diagnose” hieß es zu meiner Uni-, Klinik- und ambulanten Ausbildungs-Zeit bei Siegenthaler, Schliack, Bücherl, Alexander, Saling, Waldschmidt, Hammerstein, Sigusch etc. “Nur per EDV ist viel zu ungenau” müsste man heute ergänzen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

#2 |
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Nichtmedizinische Berufe

…Daß Laien googlen, ist ja Nix Neues; früher blätterte man in Doktorbüchern…:-) Aber wenigstens sind etliche dieser Bücher sauber recherchiert, aber durch eine zu starke Vereinfachung wird die Darstellung zu leicht verzerrt…;-)
Neulich habe ich im plattdeutschen Theater ein Stück “Dat Dokterbook” gesehen, in dem der “typische” Doktorbuchleser überzeichnet dargestellt wird….;-)

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