Influenza: Das Virus ist zurück

25. September 2015
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The same procedure as every year: Kaum naht die nächste Grippewelle, zeigen sich völlig überraschende Defizite beim Impfschutz. Behörden lancieren erneut eine Kampagne – mit ungewissem Erfolg. Öffentliche Apotheken haben sie kaum im Blick.

Bekanntlich führen Influenza-Infektionen bei Schwangeren, Senioren und Menschen mit chronischen Erkrankungen zu den schwersten Komplikationen. Die Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut berichtet von 6,2 Millionen zusätzlichen Arztbesuchen und 31.000 Krankenhauseinweisungen – ein vermeidbares Übel, sollten sich Menschen impfen lassen.

WHO-Ziele in weiter Ferne

Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO fordern speziell für Risikogruppen eine Durchimpfung von mindestens 75 Prozent. Davon ist Deutschland weit entfernt, wie aktuelle Zahlen des Robert Koch-Instituts zeigen. So waren in 2013/14 nur 49 Prozent aller Menschen über 60 geschützt. Bei chronisch Kranken zwischen 18 und 59 Jahren lag die Quote im gleichen Zeitraum bei 23 Prozent. Zu den Gründen selbst: Viele Risikopatienten sind misstrauisch hinsichtlich der Impfung. Jeder zweite Befragte befürchtete sogar Erkrankungen durch die Vakzine. Gleichzeitig unterschätzten Bürger mögliche Folgen einer Influenza-Infektion – sie denken eher an grippale Infekte als an schwerwiegende Symptome.

„Wir kommen der Grippe zuvor“

Derart eklatante Wissenslücken lassen sich nicht von heute auf morgen schließen. Groß angelegte Kampagnen sind zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Unter dem Motto „Wir kommen der Grippe zuvor“ informieren die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und das RKI Bürger, wie wichtig Influenza-Schutzimpfungen sind. BZgA-Chefin Dr. Heidrun Thaiss: „Der wichtigste Ansprechpartner bei der Impfaufklärung ist das medizinische Personal.“ Hat sie da nicht jemanden vergessen?

Apotheken stärker einbinden

Tatsächlich eignen sich öffentliche Apotheken besser, um viele Menschen zu erreichen. Ihre Leistungen sind deutlich niedrigschwelliger als bei Arztpraxen – kein Termin, kaum Wartezeit. Und mit einer Milliarde Patientenkontakte (2014) stellen pharmazeutische Teams wichtige Multiplikatoren dar. Grund genug für Schweizer Gesundheitsbehörden, Apothekern im Kanton Zürich die Möglichkeit zu geben, selbst Grippeschutzimpfungen durchzuführen: ein Modell auch für Deutschland.

10 Wertungen (4.8 ø)

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9 Kommentare:

Apotheker

Zu #8 Gast

Der Apotheker hat ja ein “breites” Studium hinter sich und könnte z.B. sich regelmässig die “Bulletin zur Arzneimittelsicherheit” des BfArM zumailen lassen.
In Ausgabe 3 vom September 2015 finden sich folgende Themen:

-Erythropoietin – zusätzliches Risiko einer Retinopathie bei Frühgeborenen
nicht auszuschließen
-Sicherheitsbewertung von Aluminium in Impfstoffen
-Antibiotikaresistenz – wenn Antibiotika nicht mehr wirken
-Datenschutz in der Pharmakovigilanz aus Sicht der Behörden: Was geschieht
mit den Patienteninitialen?
-Retrospektive Fall-Kontroll-Studie zu Risikofaktoren für Invagination bei
Kindern unter einem Jahr
-Meldungen aus BfArM und PEI
-Hinweise auf Rote-Hand-Briefe und Sicherheitsinformationen

Der Artikel zur “Sicherheitsbewertung von Aluminium in Impfstoffen” ist übrigens wirklich interessant.

Niemand kann alles wissen und parat haben. Aber man kann sich zumindest um fundierte Information bemühen und diese dann kommunizieren – der Kunde oder anfragende Arzt weiss dies in der Regel zu schätzen!

#9 |
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Gast
Gast

Was soll der Apotheker zu Quecksilber, Aluminium, Squalen und anderen Bestandteilen die er nichteinmal kennt denn sagen ? Impfen ist gut, notwendig und vermutlich relativ sicher aber etwas mehr Transparenz wäre hilfreich…..

#8 |
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Gast
Gast

zu#6 Zustimmung, neben dem Dauerbrenner Impfen sind auch Antibiotika heute ein laienhaft emmotionalisiertes Thema,
deshalb sollten Ärzte und Apotheker hier unbedingt mit einer Stimme sprechen.
Es kann nicht jeder alle Medikamente kennen
und die “Waschzettel” sind auch nicht mehr, was sie einmal waren.
Vernünftige Dosisangaben fehlen heute und werden stereotyp durch “nur nach Angabe des Arztes” ersetzt.
Leider gehen auch manche Ärzte(innen) zunehmend “nach der Mode” und unterstützen “Pseudomedizin”, die der Laie vielleicht lieber hört; ich habe da meine Zweifel.

#7 |
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Gast(Arzt)
Gast(Arzt)

Liebe Apotheker, der Beitrag#1 war eine Replik auf die Überschrift, als ob Apotheker die Impfverweigerer-Problematik bessern könnten.
Die oder eine “Grippewelle” rollt tatsächlich zur Zeit Ende September 2015, sicher regional unterschiedlich.
Gestern bin ich in eine mir vorher unbekannte Samstag-Bereitschaftsapotheke gegangen um ein (einfaches) orales Caphalotin für eine sekundäre eitrige Rhinosinusitis + Bronchitis zu kaufen und habe mich auch als Arzt ausgewiesen, sogar mit Privatrezept.
Ich bekam ohne Kommentar sofort Ciprofloxazin und fragte noch mit größtmöglicher Höflichkeit und Geduld, ob sie nicht wüsste was Cephalotin wäre. Dann fing ein langes suchen an und natürlich von einer Apothekerin die mehr als überflüssige Bemerkung, nachdem sie mir vorher Ciprofloxazin andrehen wollte, dass Ärzte heute zu schnell zum Antibiotikum greifen würden.
Nun, damit war meine Geduld dann am Ende und ich erzählte ihr von einem dauerhaften Mittelohrschaden und einer überflüssigen Adenektomie wegen Verweigerung eines Antibiotikums als Folge der beschämenden Journalisten-Medizin.
Eine zweite Fachkraft und schließlich die (freundliche) Apothekerin selbst fanden schließlich noch eine Packung des uralten cefalexin, das glücklicherweise noch nicht verfallen war. Für die vermuteten Keime genau das richtige.
Bereits heute nachmittag ist das schlimmste schon überstanden.

Mein politisches facit ist allerdings, denn ich schätze Apotheker generell, sie sind einfach unentbehrlich:
Bitte zusammenhalten, wir haben gemeinsame Feinde, anders kann man das leider nicht nennen, die freuen sich nur wenn wir uns gegenseitig kritisieren.
doccheck bietet hier genügend Beispiele.
Ärzte werden auch hier gerne als Idioten dargestellt.

mfG

#6 |
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Erwin Müller
Erwin Müller

Lieber Gast1, “total versagt” haben hier lediglich kranke Kassen mit ihrer Rabattgeilheit (der Hersteller mit dem billigsten Angebot oder dem dicksten schwarzen Koffer gewinnt…), die Politik, die dieses Vorgehen verteidigt&unterstützt und zum Teil die Hersteller (wobei man ganz sicher verstehen kann, dass wo kein Gewinn erzielt werden kann, auch kein Produkt hergestellt wird)…
Apotheker (und Ärzte!) weisen schon lange darauf hin, dass Rabattverträge bei Impfstoffen unverantwortlich sind – aber KEINEN interessierts. Für Lieferversagen und Rabattgeilheit der Kassen können Sie übrigens nüscht.

#5 |
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Apotheker

@#1 Was kann denn bitte die Apotheke für.die Lieferschwierigkeiten der Hersteller ? Allerdings halte ich auch Impfungen in der Apotheke für kein brauchbares Modell für Deutschland. Injektionen sollten dem Arzt vorbehalten bleiben.

#4 |
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Arzt
Arzt

Ich denke auch, dass die Apotheken eher schlecht dazu geeignet sind,
bei ihren gigantischen Angebot an “Pflegemittel” und Alternativmedizin, wenn ich nur an die Homöopathie denke.

#3 |
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Gast
Gast

Vielleicht sollte Apotheker auch lernen Blinddarm zu operieren.

#2 |
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Gast
Gast

Liebe Doccheck, was machen Sie immer für fragwürdige Reklame für Apotheken.
Ich wollte dort diese Woche Fluenz tetra für meine kleinen Sohn kaufen:
Nicht lieferbar für ca. 6 Wochen.
Wieder ein Totalversagen der Apotheken???

#1 |
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