Hirnstimuli: Jedes Strömchen gibt ein Tönchen

23. September 2015
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Was auf den ersten Blick aussieht wie weit entfernte Sterne und Galaxien, ist in Wahrheit eine visuelle Darstellung von Hirnströmen, die auf Musik reagieren. Ein englischer Videokünstler hat sie mithilfe eines handelsüblichen EEG-Headsets erschaffen und filmisch festgehalten.

Wie verarbeitet das Gehirn akustische Reize? Das hat sich auch Peter Crnokrak gefragt. Deshalb hat der Londoner Videokünstler mehrere Elektroden am Kopf eines fünfjährigen Jungen befestigt und mittels EEG aufgezeichnet. Die verwendete Musik stammt dabei vom Dubstep-Musiker Burial.

Crnokrak maß zuerst die Reaktionen des Gehirns in einem abgedunkelten Raum. In einem folgenden Experiment setzte er den Jungen mehreren aneinandergereihten visuellen Reizen aus, die aus kräftigen Farbtönen, Farbverläufen und animierten geometrischen Formen bestanden. Die neuralen Reaktionen zu den visuellen Stimuli wurden mit den Audio-Hirnstromreaktionen verglichen und quasi übereinander gelegt, um eine Architektur für die visuelle Transkription des Musikhörens zu entwickeln.

Herausgekommen ist ein kurzes Video, das die Gehirnströme des Jungen auf künstlerische Art widerspiegelt. Dabei war es Peter Crnokrak wichtig, für das Projekt eine systematische Methodik zu entwickeln, die es erlaubt, grundlegende, biologische Erfahrungen zu visualisieren, um die emotionalen Reaktionen auf Stimulanzien besser verstehen zu können.

Das am Computer berechnete Video benutzt dynamische, animierte Teilchen-Segmente, die zusammengelegt wurden. Sie bilden eine nahtlose, obwohl manchmal holprige Reflektion von der Erfahrung, Musik zu hören. Das Verhalten der einzelnen Teilchen, wie Größe, Geschwindigkeit, Farbe und Bewegungsrichtung, ist dabei fest an die passiven Gehirnstrom-Reaktionen angelegt. Vielleicht hat das Video keine wirkliche wissenschaftliche Relevanz, aber Peter Crnokrak hat ein Kunstprojekt geschaffen, das die faszinierende, für uns alltägliche Arbeit des Gehirns visuell darstellt.

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