Arzt und Patient: Eine schwierige Beziehung

1. Oktober 2015
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Die Begegnung zwischen Arzt und Patient gestaltet sich nicht immer einfach. Auf der einen Seite der Arzt, dessen Aufgabe es ist, vielen Patienten zu helfen. Auf der anderen Seite der Patient, der zum Arzt geht, in der Hoffnung, dass sein Problem dort behandelt werden kann. Schwierig wird es, wenn einer das Gefühl hat, dass es nicht rund läuft.

Früher, so sagt man gerne, war alles einfacher. Selbst der Gang zum Arzt. Der Patient kam und schilderte seine Beschwerden, der Arzt fand die richtige Behandlung, teilte dies dem Patienten mit und führte die Therapie dann durch. Heute, so scheint es, kommt es sowohl bei den Ärzten als auch bei den Patienten häufiger zu Irritationen. Der Patient geht zum Arzt, erhält eine Diagnose – und widerspricht vehement. Schließlich weiß er genau, was er hat, denn er hat zuvor im Internet recherchiert. Der Kollege Dr. Google lässt freundlich grüßen.

Die Spreu vom Weizen zu trennen ist schwierig

Wer sich im Krankheitsfall über Symptome informieren möchte, der bemüht zumeist das Internet. Das Problem: Eine Suchmaschine liefert eine Ergebnisliste sortiert nach Stichwörtern und geht nicht danach, wie seriös eine Information ist. Darüber hinaus kann ein Symptom, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, viele verschiedene Ursachen haben, von Stress bis hin zu einem Hirntumor. Ohne genaue Diagnostik helfen die Informationen den Patienten deshalb meist gar nicht weiter. Wer sicher sein möchte, dass die Website zumindest auf verlässlichen Informationen beruht, kann sich zwar zum Beispiel am HON-Code der Health on the Net Foundation orientieren oder die Websites von Patientenstellen abrufen. Deren Linklisten sind in der Regel geprüft und führen auf seriöse Seiten. Ein wirklicher Informationsgewinn ist jedoch meist nur gegeben, wenn man die Rechercheergebnisse mit einem Fachmann bespricht. Und das bleibt weiterhin der jeweilige Facharzt.

Foto: Lächelnde rothaarige Frau - Christiane Lange

Christiane Lange, Expertin Gesundheitsmarkt; © Verbraucherzentrale NRW

Patient oder Kunde?

Erschwert wird die Beziehung zwischen Arzt und Patient dadurch, dass verschiedene Leistungen in den Praxen mittlerweile als Selbstzahlerleistungen angeboten werden, die sogenannten IGeL. Oft sind sie der Grund für Ärger. Das bestätigt Christiane Lange von der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf: „Die Verbraucherzentrale hat immer wieder Beschwerden von Patienten zum Thema IGeL erhalten. Doch es fehlte an einer systematischen Erfassung. Deshalb haben wir 2012 eine Umfrage zu diesem Thema gestartet. Das Ergebnis war, dass viele Patienten sich schlecht beraten fühlen.“ Weiter führt sie aus: „Manche Patienten erhalten direkt am Empfang Flyer oder Listen. Die sollen sie sich dann im Wartezimmer durchlesen und ankreuzen, welche Behandlung gewünscht ist. Das ersetzt aber nicht das gesetzlich vorgeschriebene ärztliche Beratungsgespräch, in dem ich als Patient ausführlich informiert werde.“

Foto: Patient spricht mit einem Arzt

Schenkst du mir deine Zeit, schenke ich dir mein Vertrauen. So könnte man einen Aspekt einer guten Patienten-Arzt-Beziehung zusammenfassen. Die Realität sieht leider oft anders aus. Wer als Patient seine Beschwerden schildern will muss flott sein, denn nach durchschnittlich 15 Sekunden fällt ihm der Arzt ins Wort; © panthermedia.net/ ximagination

Eine ungleiche Beziehung

Aber auch wenn der Patient „richtig“ informiert ist – einige Ärzte haben Probleme damit, Gespräche auf Augenhöhe zu führen. Die Frage nach dem „Warum“ ist schwer zu beantworten. Eine Erklärung wäre, dass manche Ärzte zwischen dem Patienten als Person und dem Patienten als Laien nicht unterscheiden. Sicherlich kann man einem herzkranken Menschen nicht aufbürden, zwischen verschiedenen Herzklappen zu wählen oder zu bestimmen, welche Operationsmethode die beste ist. Andererseits kann ein an Prostatakrebs erkrankter Mann sehr wohl entscheiden, ob er zum Beispiel lieber eine Totaloperation oder eine Bestrahlung wünscht. Häufig kommt im Gespräch das Zwischenmenschliche zu kurz. Patienten möchten mit ihren Sorgen ernst genommen werden, selbst wenn sich herausstellt, dass es für Ängste gar keinen Grund gibt. Im Gegensatz zu Medizinern haben sie keine Routine im Umgang mit Krankheiten. Manchmal braucht es deshalb für Gespräche etwas mehr Zeit. Die aber haben viele Ärzte nicht mehr. Eine Studie hat aufgezeigt, dass Ärzte ihre Patienten bereits nach circa 11-241 Sekunden zum ersten Mal unterbrechen. Bei chronisch Kranken geht es sogar noch schneller. Betroffen von dem Problem sind in der Regel Kassenpatienten. Anders als bei Privatpatienten bezahlen die gesetzlichen Versicherungen Besuche beziehungsweise Gespräche nur pauschal. Das führt dazu, dass für Ärzte tatsächlich Zeit Geld ist. Würden sie sich für jeden Patienten die Zeit nehmen, die der einzelne verdient, könnten sie wohl die Praxis dichtmachen. Ein Dilemma also, das beide Seiten unglücklich zurücklässt.

Foto: Igel mit Blättern und Fünfzig-Euro-Schein

IGeL im Schafspelz? Individuelle Gesundheitsleistungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt, da ihre Wirkung zweifelhaft oder noch nicht eindeutig geklärt ist, und nicht, weil die Krankenkassen mangels Geld Therapien nicht bezahlen wollen; © panthermedia.net / Oleksii Akhrimenk

Grund genug für die Verbraucherschützer, eine Internetseite zu gestalten, die Patienten als Beschwerdeanlaufstelle nutzen können. Auf www.igel-ärger.de kann man seine Erlebnisse an eine Pinnwand posten, einige der Kommentare werden von der Redaktion auch beantwortet. Der Tenor der meisten Einträge: Es wird nicht ausreichend informiert, die Terminvergabe hängt davon ab, ob gleichzeitig eine IGeL-Leistung gebucht wird, oder es wird gesagt, eine IGeL-Untersuchung sei dringend nötig für die Diagnostik. Den Einwand von Ärztevertretern, es handele sich dabei durchweg um schwarze Schafe, lässt Lange so nicht gelten: „Das Argument seitens der Ärzte, es handelt sich um Einzelfälle, kann ich nach der nunmehr tausendsten Beschwerde auf unserer Seite nicht nachvollziehen.“ Den Patienten empfiehlt sie, um Ärger zu vermeiden, sich gut zu informieren. Allerdings räumt sie ein, dass dies offenbar nicht immer ausreicht. „Viele Patienten berichten, dass sie, obwohl sie sich informiert haben, keinen Vorteil daraus ziehen können, da der Arzt sehr kritisch darauf reagiert und seine medizinische Kompetenz infrage gestellt sieht. Das bewirkt, dass man den Patienten nicht als Gesprächspartner sieht, mit dem man Informationen austauscht. Es findet zwar mittlerweile ein Umdenken statt, aber Patienten haben noch viele Hürden zu meistern, die es so nicht mehr geben müsste.“

Wer sich als Patient nicht ernst genommen oder schlecht behandelt fühlt, dem bleibt in der Regel nur die erneute Arztsuche. Die kann sich lohnen, denn es geht zum einen um die eigene Gesundheit und, wenn die Chemie stimmt, nicht selten um eine lebenslange Beziehung. Die ist dann ein Gewinn für beide Seiten.

[1] Wilm S, Knauf A, Peters T, Bahrs O. Wann unterbricht der Hausarzt seine Patienten zu Beginn der Konsultation? Z Allg Med 2004; 80: 53–57

siehe auch: Quarks & Co – Folgenschwere Missverständnisse: Wenn Arzt und Patientin zu Gegnern werden

Redaktioneller Beitrag von Simone Ernst, MEDICA.de

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17 Kommentare:

Dipl. Sozialökonom Olaf Steinke
Dipl. Sozialökonom Olaf Steinke

zu 11:
…. und so festig sich der Grundsatz, dass Patienten immer lügen (das House-Syndrom). Das erinnert mich an einen Bekannten, der bei der GKV Betrugsfällen nachgeht. Frage ich ihn, sind alle Ärzte Betrüger. Frage ich einen Polizisten, fahren alle bei einer roten Ampel weiter. Das ist nicht ungefährlich und mit eine wesentliche Ursache für Fehldiagnosen. Das Patienten alles nochmal erklärt haben wollen oder Arztberichte bewusst nicht vorlegen, ist teilweise ein Glück! Ich beschäftige mich beruflich u.a. genau damit. Hier ein Beispiel: Ein Patient hat seit 40 Jahren einen Typ I Diabetes und wird seit Kindesalter sofort mit Insulin behandelt. Nun kam er aufgrund einer anderen Sache zu einen Arzt, der ihm dann mitteilte: “Sie sind nun über 40 Jahre alt. Damit haben Sie keinen Typ I Diabetes, sondern einen Typ II Diabetes.” Der Versuch, dem Arzt ´den Unterschied zw. einem Typ I und einem Typ II Diabetes zu erklären, schlug fehl. In dem Arztbericht stand die Diagnose Typ II Diabetes. Versuche des Patienten und seines Hausarztes, von dem o.g. Arzt einen korrigierten Bericht zu bekommen, schlugen auch fehl. Rein theoretisch wäre nun folgendes denkbar: Da die Diagnose Typ II Diabetes gestellt wurde, bekommt der Patient kein Insulin mehr und keine Blutzuckerteststreifen. Das ist natürlich alles so nicht gekommen, da zu offensichtlich. Kritisch wird es aber dann, wenn der Sachverhalt nicht so offensichtlich ist. Auch hier meine Berufserfahrungen: Patienten werden aufgrund sich widersprechender medizinischer Unterlagen nicht oder erheblich zeitverzögert mit Medikamenten, Hilfs- und Heilmitteln versorgt. Die damit verbundenen körperlichen Schäden sind nicht zu unterschätzen, die finanzielle Schäden erheblich. In einigen Fällen ist dies auch das “i-Tüpfelchen” zu Früh- und Zwangsverrentung. Wie hoch diese Rentenzahlungen sind, wissen wir alle. Zu 14: Die allgemeinen Lebenshaltungskosten sind erheblich und steigen ständig. Es ist eine Tatsache, dass die Kluft zwischen des sehr gut verdienenden und den nicht so gut verdienenden Menschen immer weiter auseinander geht. Traktiert man dann die nicht so gut verdienenden mit Rechnungen aus dem Gesundheitswesen, wird dies nicht zur Verbesserung der Situation führen (ich kenne z.B. niemanden, der es sich leisten kann, diese Summen für Wohnen und Auto auszugeben, es sei denn, es ist incl. aller Nebenkosten, wie Heizung, Strom, etc. für die Wohnung und Rücklagen für eine PKW, wenn´s der Alt nicht mehr tut). Um die o.g. Sache zum Abschluss zu bringen: Der Hausarzt des Patienten hat den Arztbericht mit der Diagnose Typ II Diabetes feierlich verbrannt und seinen Patienten zu einem anderen Arzt gesendet. Das auch nochmal zum Thema “Doc-Hopping”……

#17 |
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Gast
Gast

Es ist eigentlich ganz einfach : Viele Ärzte verfügen zwar über einen angemessenen IQ, während ihr EQ in keinem Verhältnis steht. Daher wird schon einmal das Wort Hornochse verloren, obwohl es ja eigentlich Menschen sind. Es ist eine natürliche, emotionale Reaktion, aber man könnte natürlich vom Riesenroß sprechen.

#16 |
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Gast
Gast

und beim Niederknüppeln von Ärzten hilft docccheck kräftig mit,
das erkennt man am Löschen von Beiträgen.

#15 |
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Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

Da ist was wahres dran. Die Bundesbürger geben im Schnitt fürs Wohnen im Vierteljahr 3000 € aus, fürs Auto 2000 € , für den Frisör 100 € und für den Besuch beim Facharzt 20 €. Was soll dabei Gutes rauskommen? Gute Leistung muss auch entsprechend honoriert werden und Zeit kostet nun mal Geld. Mein Steuerberater, EDV- Systemberater und Rechtsanwalt haben Stundensätze um die 200 €. Also: alle Patienten bekommen für die von Ihnen abgerufene Leistung eine angemessene und transparente Rechnung, auf der Berechnungsbasis für Beratungsleistung 100 € je angefangenen halbe Stunde plus technische Leistungen und Materialverbrauch. Sofort stimmt die Welt wieder und der Arzt hat Zeit und nimmt sich diese auch. Betrug geht nicht mehr und ist auch nicht nötig um zu überleben. Übrigens lägen wir dann auf einem Niveau mit Arztkosten in der Schweiz oder USA. Und in etwa den was einem ein Heilpraktiker in Rechnung stellt, ebenso Geistheiler und Gesundbeter. Vielleicht kapiert es die Bevölkerung endlich mal das das nicht für 20 € in 3 Monaten geht und das Krankheitsrisiko beim Arzt abgegeben werden kann, inklusive Regresskosten für zu viele/teure Medikamente, KG und und und…..

#14 |
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Arzt
Arzt

Hallo, Herr Dr. med Herbert Hagen, der Phsychologenkram ist doch deshalb so wichtig,
dass man dazu befähigt wird, den Patienten zu erklären, dass man ihnen nicht helfen darf, obwohl man könnte,
ohne dass sie böse werden.

#13 |
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Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

zu 10: von wegen psychologisch ungenügende Ausbildung: 4 Semester Grundlagen mit anschließender schriftlicher und mündlicher Prüfung. Optional weitere klinische Seminare mit Praktika. Als Facharzt Zusatzweiterbildung mit 2x 80 Stunden und anschließender Prüfung. Monatliche Gruppensitzung. Gespräche mit dem Patienten dann für Lau. Was hat da der Heilpraktiker der für die Gespräche heftigst Kohle absahnt entgegenzusetzen?

#12 |
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Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

Das ist ja mal wider starker Tobak bzgl. der Ärzteschelte. Herr Kneubühler ich kenne aus meiner Praxis viele Patienten die Lügen dass sich die Balken biegen. Teils um etwas zu bekommen was ihnen laut Leistungskatalog der Krankenkasse nicht zusteht ( GKV oder PKV), teils einem Befunde vorenthalten um von einem 5. Arzt das gleiche Problem nochmal diagnostiziert und erklärt zu bekommen, weil einem das Ergebnis einfach nicht passt und unglaublich viele unverschämte Menschen die trotz vollem Wartezimmer einen privaten völlig irrelevanten Schmarrn erzählen nur um ihre Sorgen los zu werden bei denen die eigene Familie nicht mehr zuhört weil die es einfach nicht mehr hören kann. Das Ding hat immer 2 Seiten. Trotzdem habe ich zu der ganz überwiegenden Mehrheit meiner Patienten ein hoher Vertrauen weil die ein ernsthaftes Problem haben und fair mit mir und ihren Mitmenschen umgehen, Was nützt den eine Verallgemeinerung? Es trifft wie immer die Falschen. Man kennt ja seine Leute mit den Jahren. Wenn man offen und ehrlich miteinander umgeht findet man fast immer eine Lösung für schwierig zu führende Patienten mit denen man dann einfach einen Kompromiss finden muss und wenn es nicht klappt sich am Besten von Ihnen trennt in dem man sie zu einen ganz großen Spezialisten weiter schickt. Igelleistungen werden bei uns angeboten wenn sie medizinisch einen wenn auch oft geringen Zusatznutzen bringen, fair geschildert und nie aufgedrängelt. Einfluss auf die weiteren Behandlungsmöglichkeiten hat das nicht. Ich möchte den Patienten als Kunden ja nicht verlieren, so oder so nicht. Und das Problem mit dem nicht reden auf Augenhöhe löst man ganz einfach dadurch dass man den Patienten zuerst mit einer erfahrenen und geschulten MFA ins Zimmer schickt und diese die ausführliche Anamnese in den Worten des Patienten aufnehmen lässt, unterstützt durch einen Fragenkatalog den sie abzuarbeiten hat der von den Ärzten unserer Praxis selbst entwickelt wurde für jedes einzelne vorliegende gesundheitliche Problem. Erst zu diesem Zeitpunkt steige ich als Arzt ein und vertiefe und ergänze, korrigiere wo nötig. Wenn es gar nicht klappt fange ich nochmal von vorne an. Das alles kostet allerdings Personal, Zeit und Geld. Für diesen Luxusservice muss am Schluss irgendwer bezahlen. Die gesetzliche Krankenkasse tut es nicht. Die Gesprächsziffer 18220 wurde nach nur einem guten Jahr wieder aus dem EBM gestrichen. Warum? Als es bezahlt wurde haben alle Ärzte plötzlich geredet oder es zumindest abgerechnet. Die Guten haben beides getan-> exorbitante Kosten und die Wartezeiten für Patienten beim Facharzt sind dramatisch gestiegen. Das war dann so von Politik und Krankenkassen doch so nicht gewünscht. Sind wir daran Schuld? Also bitte weniger Polemik. Die ganz überwiegende Mehrheit der niedergelassenen Ärzte macht einen fantastischen Job für eine relativ schwache Vergütung. Mit Internetvorgebildeten Patienten habe ich kein Problem. Das lässt sich in der Regel mit 1 bis 2 Sätzen gerade Rücken. Viel schlimmer ist der Schmarrn den Sachbearbeiter der GKV von sich geben und aus Unwissen bzw. politischem Kalkül wirksame, teils sanfteren Behandlungsmethoden, die halt gerade von ihrer Kasse nicht bezahlt werden verunglimpfen und dabei ihre Position als Vertrauensperson für die Versicherten missbrauchen. Das geht teilweise in juristisch relevante Tatbestände hinein.

#11 |
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Gast
Gast

# 8 : Da merkt man wieder einmal die unzureichende psychologische ärztliche Ausbildung, zu deren Inhalten dann allerdings auch ein Zugang bestehen müßte..

#10 |
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Gast
Gast

@Daniel Kneubühler,
was man an Ihrem Fall gut sehen kann, sind die zu hohen Hürden für eine Operation,
Chirurgie ist bei uns offiziell strafbare Körperverletzung, egal mit welcher Absicht oder Ziel.
Und es ist gut erkennbar, als Trend, dass diese Hürden noch höher werden.
Es geht in Richtung Mittelalter, wo das ganz verboten war.
Der Lebertransplanteur in Göttingen saß ja 2 Jahre in Untersuchungshaft weil man ihm Totschlag (unbekannter Menschen) vorgeworfen hat, dadurch, dass er in 11 Fällen Menschen durch Lebertransplantation das Leben gerettet hat, die er selbst nicht ausgesucht hatte. Sie waren zwar korrekt auf der Transplantationswarteliste, angeblich aber nicht an richtiger Stelle.
Folge:
in Göttingen werden jetzt überhaupt keine Lebertransplantationen mehr durchgeführt, damit es noch mehr Tote gibt und alle sind wieder zufrieden. Der Chirurg ist natürlich beruflich und privat ruiniert.

#9 |
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Verständigungsprobleme zwischen Arzt und Patient gab es schon immer. War die Lingua Latina einst der Zugang zum Arzt in einer multinationalen Kultur, so ist inzwischen das Fachchinesisch zur Barriere geworden. Probleme der Fremdsprachen werden augenscheinlich durch mehrsprachige Fragebogen der Kammern, mit Anzahl und Ausarbeitungsqualität durch Baden-Würtemberg geführt, aufgefagen.

Was bleibt ist die Wahrnehmung des Verstandenwerdens. Dabei nimmt auf beiden Seiten die Unzufriedenheit zu. Arztportale spieglen wieder, daß sowohl “Nicht-zuhören” als auch “noch mal Nachfragen” mitunter in der gleichen Sitzung beim gleichen Arzt kritisiert werden. Sollte der Arzt also lieber Schweigen und Klagemauer der Leiden sein. Die Lehre fordert die Erschließung des Falles durch kundige Fragen. Die Praxis setzt Zeitgrenzen.

Den Arzt befriedigt die von Zeitmangel und Controlling geprägte neue Arbeitsumgebung wohl auch nicht. Er möchte sinnieren, bestmögliches Fachwissen vermitteln, den guten Weg aufzeigen und mit einem guten Gefühl dem nächsten Patienten gegenübertreten. “Zur Ausübung der ärztlichen Tätigkeit gehört eine ernste Heiterkeit. Das Mitgefühl mit dem Leiden des Kranken darf den Arzt nicht in seiner professionellen Haltung beeinträchtigen. >>Was geschehen muß, soll man mit freundlicher und heiterer Miene anordnen. Von seinen Gedanken mache man sich frei, den Kranken mache man aber teils mit Bitterkeit und Strenge Vorhaltungen, teils ermuntere man ihn durch Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit [Fußnote 26].

#8 |
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Daniel Kneubühler
Daniel Kneubühler

@ #4 Was aber, wenn der Arzt NICHT effektiv Krankheiten behandelt? Oder einen sogar als “Psychofall” abstempelt?

Aus welchem Grunde suchen denn Patienten noch zusätzlichen Rat im Internet? Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, daß sich ein Arzt erst einmal mein Vertrauen verdienen muß, da ich viel zu viele inkompetente Halbgötter kennenlernen mußte. Hier nur ein klitzekleiner Auszug aus meiner Krankengeschichte:

Nach meiner ersten Herz-OP hatte ich fortan Schmerzen an der Herzspitze und Sehstörungen. Innerhalb von 7 Monaten war ich zigfach deswegen bei meinem Kardiologen. Bei den ersten Terminen wurde noch gnädigerweise jeweils ein Echo durchgeführt; jedesmal mit der Aussage, daß “dort” nicht sei. Im weiteren Verlauf der Wochen und Monate dann die Aussage, daß es wohl muskulo-skelettal sei und mit Physio bekommt man das schon hin. Aber es veränderte sich nichts. Zum Schluß dann so nebenbei ein Seitenhieb des Arztes, daß ich mir ja psychologischen Rat einholen könne.
Da der Herr Kardiologe nicht bereit war ein CT oder MRT anzuordnen, bin ich zu einem Lungenarzt und habe über diesen ein CT verordnet bekommen, das ich mit Nachdruck gefordert hatte.
Der Radiologe eröffnete mir nach diesem, daß die Lunge unauffällig sei, aber ich im Bereich der Herzspitze eine Aussackung habe, die dringend näher untersucht werden sollte. Mit diesem Befund bin ich wieder bei meinem Kardiologen gelandet, der diesmal innerhalb von Sekunden die Stelle bei einem neuerlichen Echo ausfindig machen konnte und anstatt sich zu entschuldigen meinte: “Das ist ja soooo klein, das kann ja keine Probleme bereiten.”
Danach war ich an 8 kardiologischen Kliniken in Süddeutschland. Jeder Arzt hat etwas anderes daher gefaselt: Aneurysma, Pseudoaneurysma, Divertikel … Die einen Professoren waren der Überzeugung, daß es eindeutig erworben ist und für die anderen war es eindeutig angeboren. Aber KEINER der Halbgötter wollte etwas unternehmen.
Wie schrieb mir einer dieser hochangesehenen Koryphäen nachdem mein Fall auf dem Kardiologenkongreß in San Francisco vorgestellt wurde: Sie sollten lernen mit ihrer Besonderheit zu leben! Aha, der gnädige Herr Doktor hat ja leicht reden, denn dieser hat nicht meine Schmerzen und Sehstörungen, die dazu geführt haben, daß ich nicht mehr arbeitsfähig war und nur noch maximal 5 Stunden geschlafen habe, da ich dann durch die Herzstiche erwacht bin.

Neben all der Unfähigkeit ging und geht mir auch die Lügerei dieser Damen und Herren gegen den Strich. Seit einem Vorfall sammle ich alle Befunde und kann sagen, daß die meisten eklatante Fehler enthalten – oder um es besser zu formulieren – erstunken und erlogen sind! Wenn z. B. ein Neurologe behauptet, daß er zig Reflex- und Muskeltest durchgeführt haben will, dies aber nicht getan hat, dann ist das für mich Betrug! Der nächste Arzt verläßt sich auf den Befund und schon haben wir eine Kette von Fehlinterpretationen.

Im weiteren Verlauf der Kliniken wurde ich zweifach vergiftet; zuerst wurde mir ein Mittel verabreicht, das ich niemals eingenommen hätte, wenn ich korrekt aufgeklärt worden wäre und am 3. Tag der Einnahme bekam ich ein anderes Medikament – auf meine Frage bei der Austeilung der Medikation, warum ich denn plötzlich ein anderes Medikament erhalte, wurde mir von der Schwester gesagt, daß dies schon in Ordnung gehen würde, das sei das, was die Frau Oberärztin angeordnet habe. Gutgläubig habe ich es eingenommen und später die Ärztin befragt, die aber nichts davon wußte – ich hätte immer das gleiche Mittel bekommen! Klar, der Patient kann rote Dragees nicht von einer rosa Kapsel unterscheiden.

Und mein Co-Hausarzt wollte mich gar umbringen. Nein, das schreibe ich nicht einfach so daher. Er wollte “einen Test” durchführen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch meine Sehstörungen und er meinte, daß es da ein Migränemittel geben würde, das ich ja mal testen könne. Ich habe ihm mitgeteilt, daß ich nicht einfach etwas testen wolle und zudem war keine Migräne diagnostiziert worden. Da ich aber ob der Monate, in denen sich nichts geändert hatte, so genervt war, hörte ich mir den Vorschlag an. Die “Nebenwirkungen” wurden mit einer Handgeste als unbedeutend abgetan. In der Apotheke wurde ich mit großen Augen mitleidig angeschaut, daß ich ein solches Mittel hoffentlich nicht zu oft brauchen werde. Daheim las ich mir in aller Ruhe den Beipackzettel durch, holte mir danach im Internet die Fachinformationen zu dem Mittel und bemühte letztlich auch noch die Rote Liste. Überall stand zu lesen, daß dieses Mittel nur eingenommen werden darf, wenn ZWEIFELSFREI feststeht, daß man unter der speziellen Migräneform leidet, gegen die dieses Medikament gedacht ist, da es ansonsten zu schwersten Nebenwirkungen wie z. B. Hirn- oder Herzinfarkt (Bezeichnung nicht ganz korrekt, da es sich eher um einen Spasmus handelt) führen kann.
Es hat meinen Co-Hausarzt nicht interessiert, daß bei mir nie eine Migräne diagnostiziert wurde (ich war bei einigen Neurologen) und ich zudem das Mittel auch wegen meiner Herzproblematik nicht hätte bekommen dürfen, da dies ebenfalls ein Ausschluß darstellte.

Schriftverkehr um Schriftverkehr führte ich mit den Kliniken und niemand wollte mich und meine Probleme ernst nehmen. Grotesk waren hierbei auch die Begründungen; so könne ich ja wegen meiner Sehstörungen lebenslang Gerinnungshemmer einnehmen. Das schreibt mir ein Klinikchef und angesehener Professor, der auf angehende Ärzte losgelassen wird, der selbst erkennen müßte, was er für einen Schmarrn schreibt, wenn er nachgedacht hätte – ich hatte ja über 4 Monate Gerinnungshemmer nach meiner Herz-OP eingenommen und meine Sehstörung war trotzdem vorhanden!

Letztlich hatte ich genug von diesem Leben und habe in einem letzten Aufbäumen den Herren geschrieben, daß ich mir vor ihrem Laden das Leben nehme (natürlich würde ich die Presse dazu einladen), wenn ich nicht endlich (nach 3, 5 Jahren) operiert würde.
Plötzlich wurde ich noch einmal eingeladen und wurde dann auch tatsächlich operiert und oh Wunder, seither keine Schmerzen mehr und keine Sehstörungen!

3,5 Jahre meine Lebens sind mir durch unfähige Ärzte gestohlen worden. Tagtägliche Schmerzen bis hin zur Stufe 8 bei der gebräuchlichen 10er-Skala. Sehstörungen von teilweise 2,5 Stunden am Stück in denen ich nichts tun konnte. Zusammenbruch des Freundeskreises, Abstieg in Hartz-IV, Privatinsolvenz usw.

In den USA würde ich eine Zeitungsanzeige schalten, welche Kanzlei mich vertreten möchte, und ich wüßte, daß mir die Türe eingerannt wird und mein Lebensabend gesichert ist. In Deutschland schreibt mir eine Staatsanwaltschaft nach meiner Anzeige zu den Vergiftungen nur, daß sie kein Interesse an einer Strafverfolgung haben …

Mein “Vertrauen” in die Schulmedizin hält eigentlich nur ein Arzt aufrecht, der leider “nur” Orthopäde ist. Er nimmt sich Zeit, gibt von sich aus zu, wenn er bei etwas überfragt ist und seine Befunde sind nicht so restlos erlogen, wie ich es inzwischen 100-fach bei anderen Ärzten erleben mußte.

Daß es nicht nur mir so ergeht, konnte ich bei meinen Rehas feststellen und auch leidvoll in meinem Freundes-, Familien- und Partnerkreis. Meine Lebensabschnittsgefährtin verstarb in einer Notoperation während meiner letzten Herz-OP-Reha. In einem Zeitraum von über 6 Wochen war sie wegen Bauchschmerzen bei ihrer Hausärztin, ihrem Gynäkologen und mehrfach in der Chirurgie des Landeskrankenhauses, in der sie wegen eines Tumors des Enddarmes operiert wurde. Wiederholt wurden ihr Schmerzmittel in die Hand gedrückt und sie nach Hause geschickt, daß das schon wieder vergehen würde. Sie hat immer wieder danach gefragt, ob das einen Zusammenhang mit ihrer damaligen OP haben könnte, was immer verneint wurde.
Verstorben ist sie nach einer Not-OP; der Bauchraum voll mit Metastasen, die keiner gesehen haben will bei all den vergangenen Untersuchungen mit Bauchecho und trallalla … Wenn die Familie nicht dagegen wäre, würde ich diese Kurpfuscher in Grund und Boden klagen.

Mein Fazit ist, daß es viel zu viele unfähige Ärzte gibt, die der Zeit hinterher weinen, als der Patient noch brav das gemacht hat, was der Arzt sagte und als Halbgott galt. Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, daß viele Ärzte nur auf Zeit spielen. Es wird einem rotzfrech ins Gesicht gelogen und Befunde entsprechen reihenweise nicht den Tatsachen – wunderbar sind hierbei Formulierungen, daß der Aufenthalt in der Klinik und der Heilungsprozeß reibungslos verlaufen sei – seltsam, daß die ganzen Antibiotikagaben wegen Keimbesiedlung oder die Synkopen gänzlich nicht angegeben werden (Beispiele könnte ich beliebig fortführen).
Oder Behauptungen der Fachärzte, man hätte einen Termin nicht wahrgenommen – nur zu dumm, daß man bei direkter Nachfrage bei dem “beauftragten” Institut herausfindet, daß von dem Facharzt nie ein Termin vereinbart wurde usw.

Nun aber genug – werde meinen Frust irgendwann noch in Buchformat von der Seele schreiben.

Ich weiß, daß es auch wirklich gute Ärzte gibt, die leider sehr rar gesät sind. Ich hoffe jedoch, daß sich meine Restwehwehchen bald verabschieden und ich dann nie wieder zu einem Arzt muß, da ich aufgrund meiner reichlichen Erfahrungen mit dieser Berufsgruppe keinerlei Vertrauen in diese mehr habe (ausgenommen obiger Orthopäde).

Grundsätzlich muß auch das System geändert werden, so daß Ärzte wieder mehr ihrem Kerngeschäft nachgehen können und sich nicht mit Behördenirrsinn etc. aufreiben müssen. Das ausgiebige Patientengespräch ist der Grundpfeiler um Vertrauen überhaupt aufbauen zu können.

Für alle, die bis zum Schluß mitgelesen haben: Respekt ;-)

#7 |
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Gast
Gast

Das mit der Augehöhe ist doch anders gemeint.
Der Arzt weis mehr als der Patient,
das ist das große Problem
und das muss geändert werden.

#6 |
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Gast
Gast

das mit der Augenhöhe ist wichtig für Ophtalmologen.
Proktologen, müssen selbstverständlich unterhalb der Augenhöhe tätig werden.

#5 |
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Gast
Gast

wenn der Arzt effektiv Krankheit behandelt,
was soll dann so schwierig sein?

Oder möchte hier jemand das “Krankheitsproblem” auf den Arzt abwälzen?

#4 |
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Weitere medizinische Berufe

Die Ursache für diese Misere liegt in der finanziell nicht genügend berücksichtigten “sprechenden” Medizin. Ein Arzt muss genügend Patienten in der Praxis durchschleusen, sonst kann er sie selbst nicht halten. Mir tun die Damen und Herrens Leid, die wirklich oft sich intensiv um Patienten kümmern, auch noch lange nach dem Ende der Sprechstunde, und die dann aber von einem unzufriedenen Teil der PatientInnen verbal geprügelt und an den Pranger gestellt werden. Verständnis auf beiden Seiten könnte viel helfen.

#3 |
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Gast
Gast

Wir haben nach Mamma-Karzinom-OP, Bestrahlung und nunmehriger Antihormon-Therapie Monate damit verbracht, selbst alle möglichen Informationsquellen anzuzapfen, weil die behandelnden Ärzte sich als begrenzt kenntnisreich erwiesen, darüberhinaus auch nicht sonderlich engagiert. Es geht um gleichzeitige Therapiemaßnahmen – nicht komplementär – wegen anderer Krankheitsbilder bzw. Vorbeugung der zu erwartenden Nebenwirkungen.
Diese Monate hätten völlig anders verbracht werden müssen.
Zwischen aktuellem Kenntnis- u. Forschungsstand – und nur darum kann es gehen – und Arztpraxis scheint ein gewaltiger Spalt zu klaffen. Ein Unding…

#2 |
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Dipl. Sozialökonom Olaf Steinke
Dipl. Sozialökonom Olaf Steinke

Die Ausführungen kann ich nur unterstützen. Insbesondere, was Informationen aus dem Internet. Problem: Bei nicht alltäglichen gesundheitlichen Beschwerden, greifen viele Patienten auf Veröffentlichungen zurück, die alles andere als seriös sind. Mit Veröffentlichungen meine ich nicht nur Informationen, die alternativ als Printmedien zu beziehen wären, sondern auch Mitmenschen, die glauben, eine Antwort auf das individuelle Problem zu haben. Eine weite Herausforderungen für Ärzte sind sicherlich Patienten, die z.B. schwerhörig sind. Damit meine ich auch junge Menschen, die z.B. schwerhörig sind. Den Ärzten bleibt oft nicht die nötige Zeit, bzw. es geht im Strudel der Praxisdynamik schnell unter. Wer sich dann als Patient nicht richtig verstanden hat, oder sich nicht richtig verstanden fühlt, versucht dann über das Internet auf Informationen zu stoßen, um dieses Informationsdelta auszugleichen…..

#1 |
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