Studium: Rheuma-Lehrstühle braucht das Land

16. September 2015
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Viele Medizinstudenten sehen während ihrer Zeit an der Universität keinen einzigen Patienten mit entzündlichem Rheuma. Dabei sind 1,5 Millionen Erwachsene und etwa 20.000 Kinder betroffen. Das Problem: Es gibt nur sechs rheumatologische Lehrstühle.

In Deutschland fehlen internistische Rheumatologen. Das ist vor allem für Patienten von Nachteil, die an einem der 100 rheumatischen Krankheitsbilder leiden. Viele erreichen den Facharzt zu spät. So vergehen etwa bei Patienten mit rheumatoider Arthritis rund 11 Monate bis zum ersten Rheumatologenkontakt, wie die Daten der Kerndokumentation der Arbeitsgemeinschaft Regionaler Kooperativer Rheumazentren im Jahr 2013 gezeigt haben. „Dabei können wir den Krankheitsverlauf mit einer frühen Therapie in den ersten drei Monaten entscheidend verbessern – sogar ein Symptomstillstand ist möglich“, so Professorin Dr. med. Gabriele Riemekasten, Sprecherin der Kommission für studentische Ausbildung der DGRh.

„Während sich die Therapie rheumatisch entzündlicher Erkrankungen in den letzten 20 Jahren entscheidend verbessert hat, hat sich in der universitären Ausbildung nichts getan“, kritisiert Riemekasten auf der Kongress-Pressekonferenz der DGRh. Den Nachholbedarf zeigten zudem die aktuellen Ergebnisse der RISA-Studie (Rheumatologie: Integration in die Studentische Ausbildung).

Geringe Anzahl an Lehrstühlen

„Bei weniger als der Hälfte der 37 untersuchten medizinischen Fakultäten existieren notwendige Strukturen, um die Studenten im Fach Rheumatologie ausreichend zu unterrichten“, so Riemekasten, Leiterin der RISA-Studie. Aktuell gibt es in Deutschland sechs Professuren, die einen eigenständigen Lehrstuhl für internistische Rheumatologie (IR) leiten sowie eine Professur, die mit der Leitung einer eigenständigen Klinik an der Universität verbunden ist. „Alle anderen IR-Abteilungen sind einem nicht-rheumatologischen Lehrstuhl untergeordnet, was sich entscheidend auf das Vorlesungsverzeichnis auswirkt“, so die Studienleiterin. Die Stundenzahl für Pflichtvorlesungen und praktische Übungen schwankt demnach. Die Hälfte der medizinischen Fakultäten bietet, den Studiendaten zufolge, weniger als zehn Pflichtvorlesungsstunden an, drei haben gar keine. An 9 von 27 medizinischen Fakultäten verbrachten die Studenten weiterhin maximal drei Stunden am Krankenbett eines Rheuma-Patienten.

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Lehrstuhl für internistische Rheumatologie (IR) in Deutschland

Absagen an interessierte Bewerber

„Das Interesse für die Rheumatologie ist in jedem Fall vorhanden, das zeigen uns die Studenten deutlich“, sagt Riemekasten. Jedoch müsste man aufgrund der geringen Anzahl an Lehrstühlen und, resultierend daraus, auch an Weiterbildungsstellen, derzeit vielen Bewerbern absagen. Um für Medizinstudenten wie auch für Patienten bessere Voraussetzungen zu schaffen, will die DGRh erreichen, dass die Zahl der Professuren auf dem Gebiet der internistischen Rheumatologie steigt. Denn nur, wenn schon im Studium das Interesse für das Fach geweckt würde, ließe sich das Nachwuchsproblem lösen.

Originalpublikation:

Rheumatologie: Integration in die studentische Ausbildung—die RISA-Studie
G. Keyßer 
et al.; Zeitschrift für Rheumatologie, doi: 10.1007/s00393-004-0577-4; 2015

7 Wertungen (5 ø)
Humanmedizin, Studium

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2 Kommentare:

Student der Humanmedizin

In gewissem Rahmen ist die Rheumatologie Teil der Immunologie. Grundlagen der Rheumatologie können sinnvoll im Rahmen des Faches Immunologie gelehrt werden – allerdings gibt es das gar nicht an allen Fakultäten im Land eigenständig. So wird es z.T. mit der Mikrobiologie als ein Querschnittsfach gelehrt – da gehen immunologische Fragestellungen internistischer Erkrankungen dann sicherlich auch unter.

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Rheumatologie ist ein wichtiges Fach mit vielen Querschnitten innerhalb der Inneren Medizin (V. a. Nephrologie, Hämatologie) und auch außerhalb (Orthopädie, Traumatologie, Dermatologie).

Hier ist tatsächlich viel Arbeit und auch Zusammenarbeit in Deutschland notwendig um dieses unterrepräsentierte Fach weiter zu propagieren.

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