Östrogen: Zyklus beeinflusst Teilungsbereitschaft

17. September 2015
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Der Östrogenspiegel beeinflusst das Sozialverhalten der Frauen: Während der Menstruation zeigen sie eine erhöhte Kooperationsbereitschaft. Diese nimmt jedoch einige Tage nach dem Eisprung wieder ab. Studien zu den Auswirkungen auf das alltägliche Leben müssen folgen.

Hormonschwankungen tragen dazu bei, dass sich das sozialen Verhalten einer Frau im Laufe des Menstruationszyklus ändert. Bekannt sind Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit vor der Regelblutung, aber auch eine mitunter stärker ausgeprägte Libido um die Zeit des Eissprungs. Jetzt haben Psychologen der Goethe-Universität herausgefunden, dass auch die Bereitschaft, eigene Ressourcen mit Fremden zu teilen mit dem Hormonspiegel schwankt. Während und kurz nach der Menstruation sind Frauen eher bereit zur Kooperation – so das Ergebnis von zwei Internet-Studien, an denen mehr als 400 deutsche und US-amerikanische Frauen teilnahmen.

Voraussetzung für die Probandinnen war, dass sie einen natürlichen Menstruationszyklus hatten, also keine hormonellen Verhütungsmittel anwendeten, nicht schwanger und noch nicht in den Wechseljahren waren. Die Forscher untersuchten die Kooperationsbereitschaft der Frauen in der Zeit während und kurz nach der Menstruation (frühe Follikularphase), also dann wenn die Konzentration der Hormone Östrogen und Progesteron niedrig ist. Außerdem wurden die Tage kurz nach dem Eisprung (mittlere Lutealphase), in denen der Östrogen- und Progesteronspiegel besonders hoch ist, bewertet. Der Hormonspiegel wurde aufgrund der Angabe des Zyklustags geschätzt.

Hormonhaushalt beeinflusst soziales Verhalten

Die individuelle Kooperationsbereitschaft der Teilnehmerinnen bestimmten die Psychologen mithilfe einer bewährten psychologischen Skala, der „sozialen Wertorientierung“. Dazu baten sie die Frauen, fiktiv Geld zwischen sich selbst und einer anderen, ihnen völlig unbekannten Person aufzuteilen. „Durch eine Vielzahl an Studien ist belegt, dass Menschen, die bei diesem Test eine hohe Bereitschaft zum Teilen zeigen, auch im echten Leben häufiger und mehr Geld für einen guten Zweck spenden, öfter mit der Bahn statt mit dem Auto zur Arbeit fahren und in Verhandlungen kompromissbereiter sind als Menschen mit einer weniger stark ausgeprägten prosozialen Wertorientierung“, erklärt Christine Anderl, Erstautorin der Studie.

In beiden Studien zeigte sich, dass die Frauen während und kurz nach der Menstruation deutlich eher bereit waren, ihre eigenen Ressourcen mit einer fremden Person zu teilen, als Frauen einige Tage nach dem Eisprung. Je höher der Zyklus abhängige Spiegel des „weiblichen“ Geschlechtshormons Östrogen, desto geringer war – rein statistisch gesehen – die Teilungsbereitschaft der Frauen. „Wir sind zwar stark davon überzeugt, dass es sich bei der Schwankung der Teilungsbereitschaft über den Zyklus um einen echten und systematischen Effekt handelt, aber ob er wirklich allein von Östrogen verursacht wird, wie wir auf Basis der Daten vermuten, müssen wir noch prüfen“, so Anderl.

Frühere Studien legen Zusammenhang nahe

„Das passt zu früheren Befunden anderer Forschergruppen, die zeigen konnten, dass auch Hormone wie Oxytocin und das ‚männliche‘ Geschlechtshormon Testosteron die menschliche Kooperationsbereitschaft beeinflussen“, kommentiert Prof. Sabine Windmann vom Institut für Allgemeine Psychologie 2 der Goethe-Universität. Wie stark sich die zyklusbedingten Schwankungen in der Kooperationsbereitschaft auf das alltägliche Leben von Frauen auswirken und welche Lebensbereiche dadurch besonders betroffen sind, muss in weiteren Studien untersucht werden. Allerdings haben die Forscher bereits erste Hinweise darauf, dass die beschriebenen Effekte auch auftreten, wenn es für die Probandinnen um echtes Geld geht. Interessant sind diese Ergebnisse auch im Hinblick auf die hormonelle Verhütung. Bisher weiß man noch wenig darüber, wie synthetische Hormone auf die Rezeptoren im Gehirn wirken und welchen Einfluss sie auf das Verhalten von Frauen haben.

Originalpublikation:

Cooperative preferences fluctuate across the menstrual cycle
Christine Anderl et al.; Judgment and Decision Making; 2015

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1 Kommentar:

Studentin

“Studien zu den Auswirkungen auf das alltägliche Leben müssen folgen.” – müssen sie? Damit man ein Medikament entwickeln kann, das Frauen 28 Tage im Monat berechenbar und immer gleich funktionieren lässt? Echt jetzt? Was für ein Krampf!

#1 |
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