Wearables: Die smarte Art zu wachen

1. Oktober 2015
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Tragbaren Minicomputern, sprich Wearables, gehört die Zukunft. Sie erfassen Vitalparameter beim Sport, schützen vor Sonnenbrand oder warnen vor Fieber beim Nachwuchs. Auch in unser Liebesleben halten Gadgets Einzug. Ärztlicher Rat wird trotzdem nicht überflüssig.

Laufdaten per Turnschuh, Pulsmessung per Smartwatch oder der Kalorienverbrauch per T-Shirt – im Fitnessmarkt sind Wearables längst angekommen. PricewaterhouseCoopers (PwC) zufolge wird der weltweite Markt bis Ende 2015 einen Wert von 6,3 Milliarden Euro erreichen und bis 2018 um jährlich 21 Prozent weiter wachsen. „Die Connectivity nistet sich mehr und mehr in ganz gewöhnliche Dinge ein“, sagt Thomas Kiessling, Chief Product & Innovation Officer der Deutschen Telekom AG. Getrennte Anwendungsbereiche verschmelzen mehr und mehr zu einem „Internet der Dinge“. Und so manches Lifestyle-Gadget mausert sich über Nacht zum Helfer für Health Professionals. Einige Innovationen der letzten Monate:

Fit auf vier Rädern

Für Menschen in der Reha ist Bewegung lebenswichtig. Chaotic Moon hat einen Tracker für Menschen mit Querschnittslähmung vorgestellt. Das neue Tool, Freewheel genannt, lässt sich am Rollstuhl montieren und bestimmt Geschwindigkeit, Beschleunigung, Entfernung, Höhe, Steigung sowie die Bodenbeschaffenheit. Während der Hersteller plant, Geländekarten zu entwickeln, sehen Ärzte neue Möglichkeiten, um Patienten zu mobilisieren.

In der Hitze der Nacht

Bei kleinen Patienten stehen andere Sorgen im Mittelpunkt. Hat der Nachwuchs einen grippalen Infekt, würden Eltern am liebsten stündlich Fieber messen. Sie rauben Kindern die wohlverdiente Nachtruhe. TempTraq von Blue Spark Technologies gibt Sicherheit und Ruhe zugleich: Das intelligente Pflaster kann bis zu 24 Stunden am Körper eines Patienten bleiben. Per Bluetooth überträgt ein Sender Temperaturwerte an ein Smartphone. Eltern oder Babysitter benötigen nur noch eine App, um die Körpertemperatur zu überwachen. Sproutling wiederum erfasst über ein Band am Knöchel Herzfrequenz, Hauttemperatur, Bewegung und Liegeposition. Auch hier reicht ein Blick auf die App, um zu sehen, wie es dem Nachwuchs geht. Das kleine Programm gibt Empfehlungen zur besseren Schlafposition. Pädiater sehen Einsatzmöglichkeiten, um dem plötzlichen Kindstod vorzubeugen. Eine Bauchlage gilt als möglicher Risikofaktor.

Heile Haut bewahren

Erwachsene profitieren ebenfalls von Wearables. Die Designerin Marie Spinali stattet Bademoden mit kleinen, wasserfesten Sensoren aus. Chips erfassen Temperaturwerte und die UV-Strahlung. Weiter geht es an eine App zur Auswertung. User geben zu Beginn ihren Hauttyp und sonstige Gewohnheiten ein. Und prompt warnt ihr Bikini vor zu viel UV-Strahlung und vor zu langen Sonnenbädern – inklusive Erinnerung, regelmäßig Sonnenschutz aufzutragen. Jetzt will sich Spinali der Kindermode widmen. Sie denkt an GPS-Sensoren, damit Eltern ihren Nachwuchs gleich orten und eincremen können.

Leidenschaft 4.0

Nach einem entspannten Tag am Strand schlägt die Stunde der Erotik – natürlich nicht ohne Wearables. Ein Startup aus San Francisco hat „Lovely“ speziell für Männer entwickelt. Das Gadget wird wie ein Penisring getragen und erfasst beim Liebesakt vielfältige Daten. Per Bluetooth gehen Bits und Bytes an ein Smartphone. Statt der „Zigarette danach“ gibt es vielleicht schon bald den „Tipp danach“ – „Lovely“ empfiehlt auch verschiedene Stellungen. Was auf den ersten Blick obskur anmutet, hat einen ernsten Hintergrund. Programmierer verfolgen das Ziel, Paaren zu einem erfüllteren Sexualleben zu verhelfen. Denkbar wäre auch, dass spätere Versionen Hinweise geben, wann Männer ärztlichen Rat einholen sollten.

Daten auf großer Fahrt

Viele Ideen, doch ist es mit der Hardware nicht getan. Schließlich tauschen Wearables Daten mit anderen Geräten aus oder senden Bits und Bytes an eine Cloud. Die Bandbreite gilt als limitierender Faktor. Deshalb arbeitet Teraki aus Berlin an schlanken Dateien für das Internet der Dinge – von der Grundidee her mit komprimierten Formaten wie JPEG oder MP3 vergleichbar. Künftig könnte jeder Sensor mit einem Encoder zum platzsparenden und sicheren Verpacken von Daten ausgestattet werden. Der Decoder entpackt und entschlüsselt alle Informationen wieder. Bleiben Patienten trotzdem skeptisch, lohnt sich ein Blick auf Lösungen von ReVault. Das Start-up aus Schweden hat „wearable Clouds“ entwickelt. Anhänger, Uhren oder Halsketten speichern und übertragen bis zu 128 Gigabyte gut verschlüsselter Informationen beispielsweise an Health Professionals. Doch so mancher Kollege steht Wearables ablehnend gegenüber.

Ran an den Arzt

Die zentrale Frage: Machen intelligente Lösungen künftig ärztliche Diagnosen überflüssig? Zwar bewerten 68 Prozent der im Auftrag von Invensity befragten Experten Wearables als entscheidende technologische Entwicklung der Zukunft. Laien sind jedoch oft überfordert, passende Tools auszuwählen und Messwerte korrekt zu interpretieren. „Eine Selbstdiagnose durch eine Fehlinterpretation dieser Daten kann schlimme Folgen haben“, gibt Paul Arndt, Leiter CoE Software Engineering bei Invensity, zu bedenken. „Im Ernstfall gilt es nach wie vor, zuerst einen Arzt aufzusuchen.“

Doch auch hier herrscht durchaus noch Informationsbedarf. Laut der neuen Studie „Share for Care“ von DocCheck Research zum Thema Self-Tracking gibt gut die Hälfte der Ärzte an, dass sie mit den heutigen Möglichkeiten des Self-Trackings noch nicht beziehungsweise gar nicht vertraut sind.

40 Wertungen (3.58 ø)
Medizin

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5 Kommentare:

Elvira Braukmann
Elvira Braukmann

Lieber Herr van-den-heuvel,
sind diese miserables nicht etwas zu klein gegen einen Sonnenbrand?

#5 |
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Gast
Gast

Als Forschrittsfan und technik-affiner Mensch kommt mir der hype um “wearables” so sinnlos vor, wie der Kühlschrank, der Milch bestellt, wenn sie zur Neige geht.
Sich eincremen sollte man auch so hinkriegen. Das Beispiel mit dem Bluetooth – Aufklebethermometer für Prenzlauer Berger Helicopter Eltern (Kostenpunkt wahrscheinlich >=40€) kann ich aus ärztlicher Sicht auch nicht ernst nehmen.

#4 |
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Simone Pfaue
Simone Pfaue

Freiwillige Selbstversklavung durch selftracking! Lassen wir derartigen Quatsch gar nicht erst aufkommen; der gesunde Menschenverstand wird mehr und mehr außer Kraft gesetzt.
Als Eltern sollte man wissen, dass sich die Kinder nicht ungeschützt in der prallen Sonne aufhalten sollen, dazu brauchen wir keine elektronischen Anweisungen. Und das Kind tracken um es einzucremen? WER lässt seine Kids denn unbeaufsichtigt am Strand spielen, schließlich gibt es dort noch ganz andere Gefahren als zu viel Sonne?
Desweiteren kenne ich keine Mutter, die ihr Kind um den “wohlverdienten Nachtschlaf bringt um stündlich Fieber zu messen”, jedenfalls nicht bei einem simplen grippalen Infekt! Unser Messinstrument in der Nacht ist die mütterliche Hand auf der Stirn und falls unser gesunder Instinkt Alarm schlägt, kann immer noch die moderne Technik bemüht werden!
Emotionale Wärme und Zuwendung sind im service-pack serienmäßig gratis
enthalten; hilft nämlich heilen! ;-)

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