MERS-CoV: Impfstoffkandidat besteht Feuerprobe

15. September 2015
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Auf der Basis eines Masern-Impfvirus wurde ein Impfstoff gegen das MERS-Coronavirus entwickelt, der im Mausmodell hoch immunogen und protektiv ist. Dieser Vektorimpfstoff ist ein vielversprechender Kandidat für eine klinische Prüfung auf dem Weg zum MERS-Impfstoff.

Im Rahmen der Entwicklung von „Impfstoffplattformen“ gegen neuartige Erreger wie dem MERS-Coronavirus (MERS-CoV) werden ausgewählte genetische Sequenzen von Erregern in einen Impfvektor eingebaut, für den bereits umfangreiche klinische Erfahrungen vorliegen. Nach der Impfung wird eine Immunreaktion sowohl gegen den Impfvektor als auch gegen den in der genetischen Sequenz kodierten Erregerbestandteil erzeugt. Der so hergestellte Vektorimpfstoff kann charakterisiert werden und als Modell oder Plattform für weitere Vektorimpfstoffe dienen. Auf Basis dieses ersten Vektorimpfstoffs können weitere Impfstoffe gegen andere Erreger hergestellt werden.

An einer solchen Impfstoffplattform arbeiten Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts um Dr. Michael Mühlebach, Leiter des Fachgebiets „Produktprüfung immunologischer Tierarzneimittel“ der Abteilung Veterinärmedizin und der Forschungsgruppe „Onkolytische Masernviren und Impfvektoren“ des Präsidenten. Als Impfvektor oder Trägerimpfstoff verwenden die Wissenschaftler abgeschwächte Masern-Impfviren, in die gezielt diejenigen Erregergene eingebaut werden, gegen die eine Immunreaktion erzeugt werden soll.

Transmissionselektronenmikroskopische Aufnahme (TEM) von MERS-CoV-Viruspartikeln außerhalb der Zelle (Virionen). © National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)

Transmissionselektronenmikroskopische Aufnahme (TEM) von MERS-CoV-Viruspartikeln außerhalb der Zelle (Virionen). © National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)

Nach der Identifikation des MERS-CoV als Ursache des im Jahr 2012 erstmals beim Menschen beschriebenen Syndroms vorwiegend respiratorischer Krankheiten wurde die Entwicklung eines Impfstoffs gegen MERS auf Basis von Masern-Impfviren begonnen. Dazu wurde das Gen des MERS-CoV-Hüllproteins in das Genom des Masern-Impfvirus eingebaut. Der so veränderte Virus wurde charakterisiert, seine Identität und Stabilität wurden nachgewiesen. Mit ihrem neuen Impfstoff erzeugten die Forscher in Mäusen eine starke Immunantwort, die die geimpften Tiere vor der nachfolgenden Infektion mit dem MERS-CoV schützte.

Wirksame Impfstoffe zur Bekämpfung entwickeln

„Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die von uns entwickelten rekombinanten Masernviren als Impfstoffplattform für die Entwicklung von Impfstoffen gegen neu auftretende Krankheitserreger geeignet sind“, erläutert Mühlebach. Der entwickelte Vektorimpfstoff ist ein vielversprechender Kandidat für eine klinische Prüfung auf dem Weg zu einem MERS-Impfstoff.

„Diese erfolgreiche Forschungsarbeit zeigt die Bedeutung solcher Forschungsverbünde, in die sich ergänzende Expertisen einfließen. Wir versprechen uns davon, dass beim Auftreten neuer Infektionskrankheiten Methoden für eine schnelle Diagnose der Infektionskrankheit ad hoc bereitgestellt und schnell wirksame Impfstoffe zur Bekämpfung entwickelt werden können“, betont Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts.

Originalpublikation:

A highly immunogenic and protective MERS-Coronavirus vaccine based on recombinant MV vaccine platform
Michael Mühlebach et al.; Journal of Virology, doi: 10.1128/JVI.01815-15; 2015

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