Muttermilch-Börsen: Riskante Panscherei

17. September 2015
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Können Frauen ihre Kinder nicht stillen, so bieten sich im Internet diverse Muttermilch-Quellen. Doch ob private Spenden den Hygienevorschriften medizinischer Anbieter entsprechen, ist zu bezweifeln. Neuere Untersuchungen bestätigen die Vermutung.

Wer sein Kind stillt, leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit. Milch enthält neben Nährstoffen vor allem Antikörper des mütterlichen Immunsystems als Schutz vor zahlreichen Krankheiten und Allergien. Müttern, die ihrem Nachwuchs nicht die Brust geben können, bleiben noch Internetportale als vermeintlicher Ausweg. Spenderinnen mit Milchüberschuss verlangen drei bis vier Euro für 100 Milliliter. Je nach Alter und Gewicht benötigt der Nachwuchs 400 bis 1.000 Milliliter am Tag. Kein Wunder, dass sich entsprechende Portale auch wirtschaftlich einer großen Beliebtheit erfreuen.

Gut gepanscht

Da verwundert es kaum, dass das begehrte Gut manchmal etwas gestreckt wird. Sarah A. Keim aus Columbus, Ohio, hat zusammen mit Kollegen 102 Proben untersucht. Dabei handelte es sich um Muttermilch aus privaten, US-amerikanischen Banken. Bei molekularbiologischen Untersuchungen entdeckten Wissenschaftler in elf Fällen Rinder-DNA. Der Anteil an Kuhmilch lag größtenteils bei zehn oder mehr Prozent. Grund genug, Ärzte und Eltern stärker für das Thema zu sensibilisieren.

Hygienevorschriften wie beim Blutspenden

In Deutschland warnen Behörden vor viralen Infektionen, etwa Hepatitis oder HIV. Gleichzeitig könnten Medikamente in die Muttermilch übergehen. Hygienische Kriterien beim Abpumpen, bei der Lagerung und beim Transport kommen erschwerend mit hinzu. „Die Nationale Stillkommission spricht sich gegen die private Vermittlung und Abgabe von Muttermilch aus – wie sie zum Beispiel durch Kontaktaufnahme zu anderen Müttern im Internet erfolgen kann, da die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken nicht kontrollierbar und insgesamt zu groß sind“, heißt es in einer Stellungnahme. Experten fordern „vergleichbar strenge Hygienevorschriften wie beim Blutspenden“.

Offizielle Quellen

Hier lohnt sich der Hinweis auf offizielle Muttermilchbanken an Kliniken. Bundesweit haben sich 13 Einrichtungen unter dem Dach der European Milk Bank Association (EMBA) organisiert. Frauen können ansonsten Proben in Eigenregie untersuchen lassen. Das Institut für Milchuntersuchung (IfM) bietet Tests auf Streckung, bakterielle Verunreinigungen oder Antibiotika an, nicht aber auf HIV oder Hepatitis. Private Portalbertreiber raten Käuferinnen deshalb, sich einen Test der Spenderin zeigen zu lassen oder die Milch zu pasteurisieren. Ein Risiko bleibt dennoch.

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Forschung, Gynäkologie, Medizin

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