Mammakarzinom: Kein Schwellenwert bei Alkohol

11. September 2015
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Statistisch betrachtet steigern Alkoholkonsumenten ihr Risiko, an Krebs zu erkranken. Studien zur Verteilung von Krebserkrankungen in der Bevölkerung konnten zeigen, dass bereits ein täglicher Konsum von 5 bis 15 Gramm Alkohol das Brustkrebsrisiko deutlich erhöht.

Wie viel ist zu viel? Für einige alkoholbedingte Krebserkrankungen lässt sich ein Zusammenhang erst ab einer höheren Dosis Alkohol feststellen. Frauen sollten jedoch wissen: Für das Brustkrebsrisiko lässt sich kein Schwellenwert ausmachen. Jeden Tag ein Glas Wein ist demnach schon zu viel. Zu diesem Ergebnis kamen jüngst auch Forscher aus Boston, die Daten einer großen U.S.-amerikanischen Gesundheitsstudie auswerteten.

Risiko bei täglichem Konsum deutlich erhöht

Die sogenannte Nurses’ Health Study erfasst seit Jahrzehnten den Gesundheitszustand von über 80.000 Krankenschwestern in den USA. Das ermöglicht es, die Risikofaktoren für einzelne Erkrankungen zu ermitteln. Anhand der Angaben der Frauen zu ihrem durchschnittlichen Alkoholkonsum konnten die Forscher nun das alkoholbedingte Risiko für Brustkrebs neu berechnen. Gegenüber Frauen, die auf Alkohol verzichten, ist das Brustkrebsrisiko bereits ab einem täglichen Konsum von 5 bis 15 Gramm Alkohol deutlich erhöht. Bei stärkerem Konsum steigt das Risiko weiter an.

Die Ergebnisse bekräftigen, dass die deutschen Empfehlungen für den maximalen Konsum von zehn Gramm Alkohol am Tag für Frauen keineswegs zu niedrig angesetzt sind. Schon bei einem leichten Wein enthält ein Achtelliter etwas mehr als zehn Gramm Alkohol. Für das individuelle Risiko, tatsächlich an Brustkrebs zu erkranken, spielen neben dem Alkoholkonsum aber noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle.

Originalpublikation:

Light to moderate intake of alcohol, drinking patterns, and risk of cancer: results from two prospective US cohort studies
Yin Cao et al.; British Medical Journal, doi: 10.1136/bmj.h4238; 2015

22 Wertungen (2.77 ø)
Gynäkologie, Medizin, Onkologie

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7 Kommentare:

Gast
Gast

” Hohe Dosis = krebshemmend, niedrige Dosis = krebsfördernd “. Zumindest die Vermutung aus 3 Fachartikeln Mammakarzinom und überraschend ( leider im Moment weder Quellenangabe noch die der infrage stehenden Substanz möglich, vermutlich Bereich Phytoöstrogene ).

#7 |
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Arzt
Arzt

Schon Anfang der 70er Jahre konnte gezeigt werden, das REGELMÄßIGER Alkohol stoffwechselschädlich ist, auch in geringen Mengen, wie ein einziges Glas Wein pro Tag bzw. entsprechend mehr Bier, was besonders die Leber betrifft. Lebeschäden sind ja soooo häufig geworden, dass sie schon als normal gelten (übliche PE: “kleintropfiger Leberzellverfettung”), das gilt auch für “gesunde Studenten”, eine uralte schwedische Untersuchung, die ich nicht mehr präsent habe. Desgleichen ist seit dieser Zeit der erhebliche Unterschied zwischen Mann und Frau bekannt, was aber sozusagen nicht für die einzelne Zelle gilt, denn der Unterschied der Geschlechter liegt nun mal auch in der Zahl der stoffwechselaktiven Zellen, also Größe und Muskelmasse.
Dieser zitirte REGELMÄßIGE Alkoholkonsum ist also schlimmer, als ein gelegentlicher Rausch wie beim “Quartalssäufer”, dessen Leber sich in in 3 Monaten längst wieder erholt hat.
In Deutschland spielt Bier traditionell eine größere Rolle.
Ich habe genügend Lebercirrhosen damit gesehen, ohne dass diese Patienten betrunken waren, oder als Alkoholiker galten.
Brustkrebs ist nun mal der häufigste Tumor bei Frauen, multifaktoriell wie immer biologisch, damit kann man wegen der hohen Zahl tolle Korrelationen errechnen,
Rauchen im Wachstumsalter gehört übrigens auch dazu.
Das muss keineswegs falsch sein. Wer nicht betroffen ist, wird das nicht gerne hören.

#6 |
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@ Gast # 3 und # 4: “Zu diesem Ergebnis kamen jüngst auch Forscher aus Boston, die Daten einer großen U.S.-amerikanischen Gesundheitsstudie auswerteten” heißt es aus dem DKFZ Heidelberg.
Tatsache ist, dass es k e i n e “Gesundheitsstudie”, sondern “Krebsstudien” waren. Weitere Tatsache ist, dass es sich um z w e i Studien handelt, davon eine explizit eine Follow-up-study (HPFS). Die Tumor-Inzidenzen waren bei den Frauen offenkundig derart hoch, dass der extrem niedrige Alkohol-Konsum schon aus logischen Gründen gar keinen relevanten Einfluss mehr ausüben konnte. D a s ist Gender-spezifisch. MfG

#5 |
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Gast
Gast

Das Krebsforschungsinstitut in Heidelberg ist seriös.

#4 |
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Gast
Gast

Fängt dieser Dr. Schätzler doch schon wieder mit seinem Vergleich mit Männern an.
Die haben in der Tat weniger Mama-Ca, dafür mehr Prostata-Ca.
Meinen Sie jetzt das wäre gendermäßig nicht erlaubt?

#3 |
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Heilpraktikerin

Schwachsinn!

#2 |
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Diese Auffassung des DKFZ Heidelberg ist nicht haltbar. Denn aufgrund von bis zu 30 Jahre alten Befragungen zum Alkoholkonsum schlussfolgerten Forscher, dass moderater Alkoholkonsum das Risiko für eine Krebserkrankung bei nicht rauchenden Männern nur minimal erhöht. Nichtraucherinnen hätten bereits ab einem Drink pro Tag erhöhte Brustkrebsrisiken.

Die Auswertung ist gar nicht prospektiv und wissenschaftlich völlig unbrauchbar. Denn Cao Y et al. wollten mit “Light to moderate intake of alcohol, drinking patterns, and risk of cancer: results from two prospective US cohort studies. BMJ 2015; 351: h4238” beweisen, dass bereits ganz geringe Mengen von Alkohol Risiken und Erkrankungshäufigkeiten an Krebs erhöhen könnten. Dazu benutzten Sie zwei voneinander unabhängige Großstudien, bei denen diese Fragestellung als Ausgangshypothese gar nicht vorkam: Datenmaterial aus der Nurses’ Health Study (NHS) und der Health Professionals Follow-up Study (HPFS).

Im chaotischen Strudel ihrer Schlussfolgerungen bemerkten sie gar nicht, dass etwas nicht stimmte: Wenn bei 88.084 Frauen 19.269 Krebsfälle und bei 47.881 Männern nur 7.571 Krebsfälle aufgetreten waren, beträgt die Krebshäufigkeit (Inzidenz) bei den Frauen im Beobachtungszeitraum 21,88 Prozent und bei den Männern dagegen nur 15,81 Prozent.

Ein Unterschied des relativen Krebserkrankungs-Risikos (relative risk (RR)) von Männern zu Frauen von 38,4 Prozent macht jegliche krankheitsepidemiologische Aussage unmöglich.

Hinzu kommt, dass der erhebliche und über dreifach höhere Alkoholkonsum bei Männern [„Median consumption of alcohol was 1.8 g/day in women and 5.6 g/day in men at baseline“] von 5,6 Gramm/Tag gegenüber nur 1,8 Gramm/Tag bei Frauen einen massiven protektiven Effekt auf Krebserkrankungen bei Männern gehabt haben müsste. Deren Krebsinzidenz lag um 27,74 Prozent niedriger! An die absurde Schlussfolgerung, dass 3-fach höherer Alkoholkonsum bei Männern hochsignifikant vor Krebserkrankungen s c h ü t z e n könnte, wollten sich die Studienautoren allerdings gar nicht erst heranwagen.

Unter ‚rapid responses‘ habe ich dazu einen Kommentar im British Medical Journal publiziert:
“Concerns about Light to moderate intake of alcohol, drinking patterns, and risk of cancer: results from two prospective US cohort studies:
The publication of Cao Y et al. is not at all a prospective study. Even the authors themselves consider their investigations as a follow-up study: „Results – During up to 30 years of follow-up of 88 084 women and 47 881 men, 19 269 and 7 571 incident cancers were diagnosed, respectively“.
Their methodology is weak. They seem not to have noticed that in their female population 21.88 percent incident cancers were diagnosed whereas only 15.81 percent incident cancers occurred in their male population. This is an increasing relative risk (RR) of 38.4 percent between men and women.
On the contrary, more than three times higher alcohol consumption [„Median consumption of alcohol was 1.8 g/day in women and 5.6 g/day in men at baseline“] lead to 27.74 percent lower incident cancer in men.
Participants of the Nurses’ Health Study (NHS) and the Health Professionals Follow-up Study (HPFS) had been interrogated about their alcohol consumption up to 30 years ago. Their cancer incidence had been continuously studied but their further habits of drinking alcohol was not accurately controlled. This should not lead to the absurd conclusion that three times higher intake of alcohol is followed by a significantly lower incidence of cancer in men. But it demonstrates quite clearly the gap between fact and fiction in this BMJ-publication.”

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