Multiples Myelom: Zellen in der Zange

11. September 2015
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In monoklonalen Antikörpern stecken große Potenziale zur Behandlung des multiplen Myeloms. Forscher haben Daratumumab und Elotuzumab erfolgreich getestet. Sie rechnen schon in Kürze mit der Zulassung neuer Arzneimittel. Bis dahin greifen Härtefallprogramme.

Müdigkeit, Knochenschmerzen oder Infektanfälligkeit sind die unspezifischen Symptome eines multiplen Myeloms. Im Knochenmark kommt es zur Vermehrung von Plasmazellen. Ärzte setzen bei fortgeschrittenen Stadien auf eine Chemotherapie mit Melphalan und Prednison. Alte Arzneistoffe wie Thalidomid oder Arsentrioxid gewinnen auch an Bedeutung. Die Situation bleibt trotzdem unbefriedigend. Grund genug für Forscher, neue Targets zu suchen.

Neue Achillesferse

Tumorzellen tragen auf ihrer Oberfläche zahlreiche spezifische Strukturen, die sich als Antigene für Antikörper eignen. An erster Stelle ist hier CD38 zu nennen – ein Protein, das besonders stark exprimiert wird. Antikörper binden und führen anschließend den Untergang der Zelle herbei. In einer von Janssen Research & Development gesponserten Studie erhielten 72 Patienten mit therapieresistentem multiplem Myelom Daratumumab. Jetzt haben Forscher die Resultate veröffentlicht. In der Gruppe mit höherer Dosierung kam es bei 15 von 42 Patienten zur teilweisen bis vollständigen Remission. Hier lag das progressionsfreie Überleben bei 5,6 Monaten. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Deshalb starten Janssen und Genmab mehrere Phase-III-Studien. Vor mehr als zwei Jahren hat die FDA Daratumumab bereits als „Breakthrough Therapy“ eingestuft und damit viele Hürden für die Zulassung verringert.

Auf der Zielgeraden

Daratumumab hat längst Konkurrenz bekommen. Der monoklonale Antikörper Elotuzumab richtet sich gegen SLAMF7, das Signaling Lymphocytic Activation Molecule F7. Nach dem Andocken schädigt er Zellen direkt, lockt aber auch natürliche Killerzellen an. Entsprechende Strukturen kommen auf Krebszellen vor, aber nicht in normalen Geweben. Jetzt liegen Daten aus der Phase-III-Studie „Eloquent-2“ mit 646 Patienten vor. Alle Teilnehmer litten an rezidivierten multiplen Myelomen. Sie erhielten entweder Elotuzumab plus Lenalidomid plus Dexamethason oder nur die Standardtherapie. In der Antikörper-Gruppe lag die Rate an Patienten mit progressionsfreiem Überleben nach einem Jahr bei 68 Prozent (Vergleich: 57 Prozent) und nach zwei Jahren bei 41 Prozent (Vergleich: 27 Prozent). Alle Beteiligten hoffen auf eine schnelle Zulassung in Europa und in den USA. Bis es soweit ist, stellt Bristol-Myers Squibb den Wirkstoff beteiligten Kliniken zur Verfügung, berichtet die Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Das ist gesetzlich über Härtefallprogramme („Compassionate Use“) möglich.

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Forschung, Pharmazie

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