Apoplex: Vesikel mit Heilungspotential?

8. September 2015
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Die Behandlung mit extrazellulären Vesikeln ist ein möglicher, neuer Therapieansatz für die Regeneration des Gehirns nach einem Schlaganfall. Sie sind ähnlich wirksam wie adulte Stammzellen. Im Vergleich zu diesen sind sie weniger riskant, da sie sich nicht unkontrolliert vermehren.

In den westlichen Industrieländern ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache und meist auch der Grund für schwere Behinderungen. Die zugrunde liegenden Mechanismen der Hirnschädigung und deren Behandlungsmöglichkeiten sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Große therapeutische Hoffnungen verknüpfen sich mit dem regenerativen Potenzial von Stammzellen – sie können sich nach einer Transplantation allerdings auch unkontrolliert verhalten und beispielsweise Tumore bilden.

Extrazellulären Vesikeln fehlt genau dieser Nachteil. Ihre mikroskopisch kleinen Strukturen sind von einer Membran umschlossen. Sie übertragen biologische Signale zwischen den Zellen und lenken viele Prozesse im menschlichen Körper. Abhängig von ihrem Ursprung und gezielt eingesetzt, können sie möglicherweise auch bei Krebs, schweren Infektionen und neurologischen Erkrankungen neue Behandlungsoptionen eröffnen.

Hirnstrukturen vor weiteren Schäden schützen

Nun haben Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen im Tierversuch herausgefunden, dass die extrazellulären Vesikel – unter anderem die Exosomen – nach einem Schlaganfall vergleichbar wirksam sind wie adulte Stammzellen, von denen sie synthetisiert wurden. Beide Therapieformen aktivieren die Reparatur von neurologischen Schäden im Gehirn vergleichbar effizient und nachhaltig. Die motorischen Leistungen der betroffenen Versuchstiere verbesserten sich deutlich. Dies geht vermutlich darauf zurück, dass die extrazellulären Vesikel kurzfristig Reaktionen des Immunsystems verändern. So können die Hirnstrukturen vor weiteren Schädigungen geschützt und die gehirneigene Regeneration gefördert werden.

Die Vorteile liegen auf der Hand: „Die Behandlung mit extrazellulären Vesikeln ist weniger riskant, weil sie sich nicht vermehren können und einfacher zu handhaben sind“, erläutern Dr. Thorsten R. Döppner und  Dr. Bernd Giebel vom Universitätsklinikum Essen. Die Wissenschaftler forschen nun daran, wie sich die Erkenntnisse auf den klinischen Alltag übertragen lassen.

Originalpublikation:

Extracellular Vesicles Improve Post-Stroke Neuroregeneration and Prevent Postischemic Immunosuppression
Thorsten R. Döppner et al.; Stem Cells Trans Med, doi:10.5966/sctm.2015-0078; 2015

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Medizin, Neurologie

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