STEMI: Temperatur niedrig, Risiko hoch

4. September 2015
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Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und dem Risiko von St-Hebungsinfarkten (STEMI). Besonders bei kalten Temperaturen steigt das Risiko um sieben Prozent an. Allerdings kann es auch bis zu zwei Tage vor dem Herzinfarkt vorhergesagt werden.

Kaltes Wetter korreliert mit einem höheren Risiko für schweren Herzinfarkt. Je zehn Grad Celsius Temperaturabfall steigt das Risiko für einen ST-Hebungs-Infarkt (STEMI) um sieben Prozent an. Das zeigt eine neue Studie der Universität von Manitoba in Winnipeg, Kanada.

Zusammenhang zwischen Außentemperaturen und STEMI

Der ST-Hebungsinfarkt (STEMI), die schwerwiegendste Form des Herzinfarktes, wird meist durch „Plaques“ in einer Koronararterie und dem daraus resultierenden Gefäßverschluss verursacht. Beim STEMI handelt es sich um die Form des Herzinfarktes mit der höchsten Sterblichkeit.

Studienautorin Dr. Shuangbo Liu: „Wir konnten zeigen, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen den Außentemperaturen und dem STEMI-Risiko gibt. Dieses Risiko kann bis zu zwei Tage vor dem Herzinfarkt vorhergesagt werden. Wenn es dafür ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit und ausreichende Ressourcen gibt, könnten wir in Zukunft dieses vorhersehbare saisonale Herzinfarkt-Risiko besser managen.“

Tageshöchsttemperatur als bester Prognosefaktor

Winnipeg, Manitoba, ist der geografische Mittelpunkt Kanadas und bekannt für seine heißen und trockenen Sommer und besonders kalten Winter. Das Studienteam wertete in einer retrospektiven Analyse die Daten über alle ST-Hebungsinfarkte der vergangenen sechs Jahre aus. Diese wurden mit Wetterdaten, insbesondere der höchsten, mittleren und niedrigsten Tagestemperatur, korreliert. Im Beobachtungszeitraum gab es 1.817 STEMI. Die Tageshöchsttemperatur erwies sich als bester prognostischer Faktor. An Tagen mit einer Höchsttemperatur unter 0 Grad Celsius gab es 0,94 STEMI pro Tag, an Tagen mit Höchsttemperaturen über dem Nullpunkt lag die Ereignisrate bei 0,78. Die Tageshöchsttemperaturen der beiden Tage vor dem Infarkt waren ebenso von prognostischer Relevanz.

„Unsere Daten belegen den großen Einfluss von Umweltfaktoren auf das Auftreten eines ST-Hebungsinfarkts“, so Dr. Liu. „Es wird Gegenstand weiterer Untersuchungen sein, herauszufinden, ob spezifische Behandlungsstrategien diesen Klima-Effekt beeinflussen können.“

Originalpublikation:

How cold is too cold: the effect of seasonal temperature variation on risk of STEMI
Shuangbo Liu et al.; Abstract ESC 2015, London

10 Wertungen (4.2 ø)

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8 Kommentare:

Andi Moltgerer
Andi Moltgerer

Man kann allerdings aus dem Nachteil der Kälte (Winter) auch einen Vorteil machen, nämlich durch körperliche Bewegung (Sport), die führt nicht nur zur peripheren Gefäßerweiterung sondern vor allem auch zu höherem Kalorienverbrauch verglichen mit dem Sommer. Was gibt es nichts schöneres als Wintersport im Freien.

#8 |
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Gast
Gast

Tolle Info, aber wenig hilfreich, ausser dass manche Leute jetzt auch Angst vorm Rausgehen im Winter bekommen. Vielleicht könnte man damit die Wettervorhersage verbessern, wenn mehr Herzinfarkte einen Kälteeinbruch anzeigen – aber dasselbe könnte man ja auch von Beinbrüchen bei Skifahrern sagen…

#7 |
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Dr. Martin P. Wedig
Dr. Martin P. Wedig

Vergleich hierzu die aus Vorlesungen wohlbekannte Darstellung eines Mannes mit Herzinfarkt (Raucher, Tasche tragend, Laternenlicht, Winter) beim Herzinfarkt.

#6 |
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Daß sich die Gefäße insgesamt bei Kälte kontrahieren und dadurch Gefäß-Engstellen gefährlich werden können und zu Angina pectoris Beschwerden führen, weiß man auch schon. Das hat mit psychischen Gründen gar nichts zu tun. Man muss gefährdeten Patienten zur Vorsicht raten, bei Kälte längere Spaziergänge oder Wanderung zu machen, denn da kann es dann zu den befürchteten Angina pectoris Anfällen bis zum Herzinfarkt kommen- so wie bei Udo Jürgens…..

#5 |
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Gast
Gast

P.S. Interessant wäre jetzt noch zu untersuchen, welchen Einfluss der Faktor Angst hätte. Wenn nämlcih bekannt würde, dass das Infarktrisiko erhöht ist bei Temperaturen unter null Grad, könnte sich das Infarktrisiko noch einmal steigern, weil sobald die Temperatur unter Null fällt, alle Risikogruppen buchstäblich kalte Füße bekommen…

#4 |
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Gast
Gast

Spannend…. aber… was hilft es dem Patienten, wenn er weiß, dass allgemein mehr Herzinfarkte auftreten, wenn es kalt ist? Er kann die Kälte weder vermeiden noch sagt ihm das etwas über sein persönliches Risiko und insofern ist die “Voraussage” irgendwie ein bisschen gesprahlt ;) Wenn der Patient jetzt irgendwas tun könnte, um bei einer niedrigen Temperatur sein Risiko zu kontrollieren, würde diese Information nützlich sein, aber so?

Das einzige, was hier sinnvoll sein könnte, wäre dass sich Rettungsdienste auf vermehrte Einsätze vorbereiten könnten, jedoch wird auch das wohl nicht passieren, jedenfalls sehe ich keinen Kostenträger, der wegen der Wahrscheinlichkeit, dass statistisch gesehen etwas mehr derartige Notfälle auftreten könnten, diesen Dienst doppelt besetzt.

#3 |
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Gast
Gast

generell gibt es in der Kälte eine Übersterblichkeit.

#2 |
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Bürgerin Marina Bausmer
Bürgerin Marina Bausmer

An der Wetterfühligkeit ist doch was dran, gilt auch für andere Temperaturen und Auswirkungen auf den Organismus.

#1 |
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