Typ-2-Diabetes: Vernachlässigter Bluthochdruck

4. September 2015
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Typ-2-Diabetiker unterliegen einem sehr hohen kardiovaskulären Risiko, sind aber oft unterbehandelt. Dabei könnte eine leitliniengerechte Anti-Bluthochdruck-Therapie mit dem Ziel der Blutdrucknormalisierung das Risiko von Hypertonikern mit Typ-2-Diabetes stark reduzieren.

Das Herz-Kreislauf-Risiko von Typ-2-Diabetikern mit Bluthochdruck wird nach Blutdruckmessungen bei Allgemeinmedizinern und Internisten sehr oft unterschätzt und Bluthochdruck wird häufig unterbehandelt. In den untersuchten Praxen der Registerstudie wurde bei nur elf Prozent von 919 Untersuchungspersonen das 10-Jahres-Risiko als sehr hoch klassifiziert. Eine nachträgliche unabhängige Analyse des 10-Jahres Risikos gemäß den geltenden Leitlinien der europäischen Fachgesellschaften ergab jedoch ein sehr hohes Risiko bei 97 Prozent der untersuchten Patienten. Das zeigt die Auswertung der Daten aus dem deutschen T2TARGET Register, in das 919 Typ-2-Diabetiker mit behandeltem arteriellem Bluthochdruck eingeschlossen wurden.

Der „Weißkittel-Effekt“

Obwohl in der Gesamtgruppe 784 Patienten gemäß dem ambulanten 24-Stunden Blutdruck-Monitoring-Profil (ABDM) einen nicht kontrollierten Bluthochdruck aufwiesen, wurde bei nur 59 Prozent der Patienten eine Therapie-Steigerung vorgenommen, berichtet Erstautor Prof. Dr. Thomas Mengden.

Die Leitlinien der Fachgesellschaften empfehlen die Durchführung einer ambulanten 24-Stunden-Blutdruckmessung zur Therapiekontrolle. Die prognostische Aussagekraft so einer Blutdruckmessung ist der Praxis-Blutdruckmessung deutlich überlegen, da nur mit der Langzeit-Blutdruckmessung „Weißkittel-Effekte“, eine versteckte Hypertonie oder eine isolierte nächtliche Hypertonie, ausgeschlossen bzw. diagnostiziert werden können.

Überprüfung therapeutischer Ziele

„Mittels Langzeit-Blutdruckmessung konnte unter Praxisbedingungen im Rahmen unserer Registerstudie ein hoher Prozentsatz von unkontrollierten Hypertonikern mit Typ-2-Diabetes identifiziert werden. 15 Prozent hatten eine isolierte nächtliche Hypertonie, 14 Prozent eine Praxisnormotonie und acht Prozent eine Praxishypertonie – Diagnosen, die nur durch die ABDM gesichert werden können“, so der Erstautor.

Die Zielbereiche für Hypertoniker mit Typ-2-Diabetes orientieren sich immer noch an der Praxis-Blutdruckmessung, die aufgrund verschiedener Limitationen eine nur eingeschränkte prognostische Bedeutung hat. „Es gibt bislang noch keine Empfehlungen welchem ABDM-Wert der Zielwert <140/85 mmHg Praxisblutdruck entspricht. Aus diesem Grunde werden wir in dem T2TARGET Register für die Praxisblutdruckwerte entsprechende Äquivalenzwerte für die Langzeit-Blutdruckmessung berechnen. Dies sollte es den hypertensiologisch tätigen Ärzten ermöglichen, ihre therapeutischen Ziele auch mittels Langzeit-Blutdruckmessung zu überprüfen. Des Weiteren schließt sich an die aktuelle Studie eine Langzeitbeobachtung unseres Registers an, um das errechnete kardiovaskuläre Risiko mit den tatsächlichen Ereignisraten zu vergleichen“ erklärt Mengden.

Originalpublikation:

ESC 2015 Abstract Classification of blood pressure by office and ambulatory readings in hypertensive type 2 diabetic patients- results of the German T2Target registry in primary care.
Thomas Mengden et al.; Abstract ESC 2015, London

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