Sklerostin-Antikörper: Ein harter Knochen

14. Februar 2013
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Bei Diabetikern heilen Knochenverletzungen schlecht, auch Osteoporose ist nicht selten. Bisphosphonate bringen keine gewünschten Erfolge oder werden schlecht vertragen. Eine Behandlung mit Antikörpern gegen Sklerostin scheint vielversprechend.

Osteoporose kann im Prinzip auf zwei mögliche Weisen entstehen. Entweder gibt es zu wenige Osteoblasten, oder aber die Osteoklasten, die knochenabbauenden Zellen, sind zu zahlreich oder zu aktiv. Im letzteren Fall ist die Standardtherapie die Behandlung mit Bisphosphonaten, welche die Aktivität der Osteoklasten bremsen.

Doch konnte in der Vergangenheit gezeigt werden, dass bei gestörter Knochenregeneration, wie sie beispielsweise bei Diabetes-Patienten auftritt, Bisphosphonate nicht den gewünschten Erfolg bringen, da hier die verminderte Osteoblastenaktivität nicht ausreicht, die Knochenmasse deutlich zu steigern. Auch vertragen manche Patienten diese Medikamente schlecht. Doch wie kann diesen Patienten geholfen werden? Hier kommt eine Erbkrankheit ins Spiel, die Licht ins Dunkel der Knochenbildung gebracht hat. Menschen mit dem Van-Buchem-Syndrom haben extrem stabile Knochen, die praktisch nicht brechen. Ursache ist, dass den Betroffenen das Knochenprotein Sklerostin fehlt.

Sklerostin hemmt die Osteoblastenbildung

Sklerostin greift in den Wnt-Signaltransduktionsweg ein. Während Wnt die Differenzierung und Aktivierung von Osteoblasten fördert, bewirkt Sklerostin eine Hemmung von Wnt und führt damit zu einer verringerten Bildung von Osteoblasten. Professor Lorenz Hofbauer vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden (UKD) drückt es folgendermaßen aus: “Sklerostin ist offenbar ein Bremssignal für die Regeneration des Knochens. Fehlt die “Bremse” Sklerostin wie bei der Van-Buchem-Krankheit, wird vermehrt Knochen aufgebaut und damit die Knochenstabilität verbessert.”

Sehr wirksam bei gestörter Knochenregeneration

Eine Möglichkeit, Sklerostin zu inaktivieren, funktioniert über einen Antikörper gegen das Protein. Diese Idee ist nicht neu und es wurde bereits in ersten Untersuchungen gezeigt, dass eine Behandlung mit Sklerostin-Antikörpern die Knochenbildung fördert. Prof. Hofbauer und sein Team der UKD und dem Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) konnten nun zeigen, dass auch bei Ratten, die aufgrund eines schweren Diabetes mellitus unter gestörter Knochenregeneration leiden, die Knochenmasse und die –festigkeit deutlich gesteigert wird. Die Ratten erhielten über einen Zeitraum von 12 Wochen zweimal wöchentlich eine Sklerostin-Antikörper-Injektion. “Die Antikörpertherapie steigerte die Masse und Festigkeit des gesamten Skeletts sowohl bei den diabetischen Tieren, also auch bei den gesunden Ratten um bis zu 86 Prozent. Für mich als Orthopädin war vor allem die beschleunigte Knochenheilung nach einem Knochenbruch faszinierend”, erklärt Dr. Christine Hamann, Projektleiterin der Studie aus der Klinik für Orthopädie und Leiterin der Tumororthopädie begeistert. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Journal of Bone and Mineral Research publiziert. Nebenwirkungen traten bei der Behandlung keine auf. Ob es langfristige unerwünschte Wirkungen geben kann, ist noch nicht bekannt und muss in den folgenden Studien geprüft werden. Doch aus den bisherigen Untersuchungen scheint sich abzuzeichnen, dass die Behandlung sehr gut vertragen wird. Nebenwirkungen wie beispielsweise bei einer osteoanabolen, also knochenaufbauenden, Therapie mit Parathormon, scheint es nicht zu geben.

Prüfung in einer Phase-III-Studie

Im Februar 2013 soll nun eine Phase-III-Studie mit dem von Amgen in Zusammenarbeit mit UCB entwickelten Sklerostin-Antikörper beginnen. Novartis entwickelt ebenfalls ein entsprechendes Medikament. In die Studie eingeschlossen werden postmenopausale Frauen mit primärer Osteoporose. Die Behandlung soll einmal monatlich über ein Jahr mit subkutaner Injektion erfolgen. Wie schnell nach dem Absetzen der Therapie der Knochenabbau wieder einsetzt, ist derzeit noch unklar. Doch eine Untersuchung an Mäusen, denen das Sklerostin-Gen fehlt, kam zu dem Ergebnis, dass Knochenstruktur, die als Folge der Blockierung von Sklerostin gebildet wurde, möglicherweise nicht so schnell wieder abgebaut wird, wie gesunder Knochen. Das könnte besonders für Diabetes- und Osteoporose-Patienten interessant sein, die lange bettlägerig sind und bei denen sich die Knochenmasse zusätzlich reduziert.

Wie erfolgreich eine Behandlung mit Sklerostin-Antikörpern beim Menschen ist, wird sich in der Studie zeigen. Für bestimmte Patienten könnte der Antikörper ein gutes Mittel sein, um die Knochensubstanz zu steigern; inwiefern dieser etablierten Osteoporosemedikamenten Konkurrenz machen wird, bleibt vorerst abzuwarten.

58 Wertungen (4.31 ø)

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3 Kommentare:

Ein sehr interessanter und viel versprechender Artikel,ist doch die Osteoporose häufig ein Problem bei älteren Frauen.

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Es wäre eine gute Therapiemöglichkeit, wenn das beim Menschen wie bei Ratten funktionieren würde. Die Bisphosphonattherapie ist m.E. nicht das Gelbe vom Ei. Die Therapie ist langwierig und nicht von wünschenwertem Erfolg.
Abgesehen von o.g. Komplikationen, die vermeidbar sind, ist die Verträglichkeit nicht immer befriedigend. Im Zusammenhang mit der Diskussion um Kalziumsupplemantation und Gefäßveränderungen scheint mir diese Therapie immer fraglicher

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Dr. Martin Kauer
Dr. Martin Kauer

Leider “wie Immer”:
Besprechung der Bisphosphonate ohne Hinweis auf die “Bisphosphonat-induzierte Nekrose des Kieferknochens” (Osteonekrosis of the Jaw = “ONJ”)!
Hier spielt sich ein echtes Drama in der Hunanmedizin mit geradezu desaströsesn Folgen und erheblichem Verlust von Lebensqualität für die betroffenen Patienten ab, die den Verlust von Lebensqualität durch Osteonekrose in erheblichem Ausmaß übersteigen dürfte! Und zwar im hohen zweistelligen Prozentbereich nach bereits einmaliger Bisphosphonattherapie – lebenslang! Trotzdem wird das Medikament beinahe schon “unkritisch” verabreicht; meiner persönlichen Erfahrung nach leider sogar so, dass die behandelnden Ärzte noch nicht einmal um diesen Tatbestand wussten, geschweige denn eine rechtferdigende Indikation in Erwägung zogen!

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