Antibiotika: Auf Europas Schulbank

4. September 2015
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Apotheker und Ärzte könnten hierzulande viel von anderen EU-Staaten, wie zum Beispiel von Großbritannien, lernen, um gegen Antibiotikaresistenzen vorzugehen. Politiker üben sich einmal mehr in vornehmer Zurückhaltung – auf Kosten des Gesundheitssystems.

Multiresistente Erreger (MRE) führen bundesweit zu Ausgaben in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro. Jetzt liegen präzise Zahlen aus der Versorgungsforschung vor: Experten am Wissenschaftlichen Institut der Techniker Krankenkasse (WINEG) rechnen pro Infektion mit Mehrkosten von 17.500 Euro – größtenteils durch stationäre Aufenthalte. Ärzte behandeln Infizierte im Schnitt 27 Tage, also dreimal so lange wie Patienten ohne MRE. Medikamente kommen noch mit hinzu. Als Basis dienten anonymisierte Daten von 11.000 Versicherten der TK. Doch es gibt mehrere Lösungen – rein theoretisch.

Patienten screenen…

Ärzte plädieren schon lange dafür, alle Patienten direkt bei der stationären Aufnahme zu untersuchen. Sollten Mediziner multiresistente Erreger nachweisen, müssen Betroffene umgehend isoliert und saniert werden. Andere europäische Länder, beispielsweise die Niederlande, arbeiten seit Jahren mit Erfolg nach diesem Prinzip. Hermann Gröhes (CDU) Zehn-Punkte-Plan sieht vor, erst weitere Analysen abzuwarten, bevor die Regierung vielleicht eine Empfehlung ausspricht. Darüber hinaus muss es Heilberuflern gelingen, Verordnungen auf ein sinnvolles Maß zu reduzieren.

… und Antibiotika gezielt verschreiben

Gesundheitsexperten aus Großbritannien haben ein neues Konzept entwickelt. Hintergrund ist, dass Patienten viele Ärzte unter Druck setzen, wider besseres Wissen Antibiotika zu verordnen. Eine Leitlinie hatte im Vereinigten Königreich nicht zum erhofften Rückgang derartiger Verschreibungen geführt. Jetzt plant das National Institute of Health and Care Excellence (NICE), Teams aus Ärzten, Zahnärzten und Apothekern einzusetzen. Sie werden gemeinsam Rezeptdaten analysieren und ihre Resultate an den individuellen Verordner kommunizieren. Patienten müssten ihre Einstellung ebenfalls ändern – gerade Eltern fordern von Pädiatern häufig Antibiotika, sollten Sprösslinge an Infektionen der oberen Atemwege leiden.

3 Wertungen (3.67 ø)

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5 Kommentare:

Arzt
Arzt

@Silvia Hain bitte hier keine Schauermärchen erzählen!

#5 |
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Heilpraktikerin

Solange
1. die Reinigungskräfte im Wahnsinnstempo arbeiten müssen und solange die Schulungen anscheindend so mangelhaft sein müssen – sonst könnten Patienten nicht immer wieder berichten, dass mit dem gleichen Lappen Klo und Tische abgewischt werden (habe ich übrigens selbst auch schon mal gesehen!) und
2. solange Patienten mit Entzündungswerten, die nach Ende einer Antibiose kurz vor der Entlassung wieder hochgehen, ohne weiteren Kommentar oder Abklärung wieder entlassen werden –
wird sich wohl nicht viel ändern.

#4 |
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staatl. gepr. Desinfektor
staatl. gepr. Desinfektor

wer solche einseitigen Beiträge schreibt muss selbst erst mal auf die Schulbank.
Politiker fragen erstmal beim RKI, bevor sie auf eine Krankenkasse oder die Laienpresse höhrt. Man sollte eher mal ausrechnen was die eingeschleppte Masernepidemie in Berlin gekostet hat, ein Drittel davon war ja im Krankenhaus.
Bei den “Experten” befindet sich kein einziger richtiger Dr., lauter nichtsnutzige Sesselpupser!

#3 |
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staatl. gepr. Desinfektor
staatl. gepr. Desinfektor

Bitte keine Panik gegen Einrichtungen für kranke Menschen! Es gibt keine keimfreie Welt!
Mit dem Screening muss man auf dem Bauernhof und in den Supermärkten beginnen. Was die wenigsten wissen, ist, dass es z.B. kein keimfreies frisches Fleisch gibt!!! Bei Gemüse ist das selbstverständlich nicht anders, die Pflanzen erhalten allerdings weniger Antibiotika wie die Tiere.
“Screening” kostet erst mal Geld! Bei den besonders nützlichen Operationen gibt es Fallpauschalen, die müssten dann alle einen Screening-Zuschlag bekommen.
Wo fängt man an, wo hört man auf? Muss der Krankenhausbesucher auch “gescreent” werden?
Das mit dem Isolieren und “Sanieren” sagt sich auch nur so leicht, nicht nur aus Kostengründen. Ein Keimträger (“Kolonisierung”) ist noch kein Infizierter, bitte beachten, dann wünsch ich mal viel Spass beim “Sanieren”.

#2 |
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Gast
Gast

Schon wieder dieser Quatsch! Wer normal denken kann, fällt nicht auf diese schwachsinnigen TK-Rechnungen herein,
die noch nicht einmal Ursache und Wirkung auseinander halten können.
Der Patient auf der Intensivstation bekommt Antibiotika, weil er so krank ist
und er ist nicht krank, weil er Antibiotika bekommt.

#1 |
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