Gefährliche Hausmittelchen

28. September 2011
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Eine Therapieempfehlung, die mit "Meine Oma hat da immer…" eingeleitet wird, verspricht Linderung. Was über Generationen als Hausmittel angewendet wurde, muss gut sein. Doch sind Omas Tricks wirklich noch empfehlenswert?

„Sport ist Mord!“

Das wusste angeblich schon Winston Churchill. Auch wenn dies kein Arzt unterschreiben würde, stimmt immerhin, dass dabei einiges schief gehen kann. Eine der häufigsten Sportverletzungen ist die Verstauchung, die meist durch ein Umknicken auftritt und sich durch Schwellung und Schmerzen des betroffenen Gelenks auszeichnet. Die Bänder werden dabei überdehnt oder reißen sogar ein. Auch Blutungen sind möglich.

Im Akutfall benutzen viele Sportler so genannte Eissprays zur Kühlung. Leider haben diese aber keine große Tiefenwirkung, sodass sie vergleichsweise ineffektiv sind. Schlimmer noch: Durch die direkte Kälte kann es zu Hautschäden kommen. Um dies zu vermeiden, raten Sportmediziner zu PECH!

PECH steht dabei für:
-Pause : Das betroffene Gelenk sollte, bis die Beschwerden nachlassen, ruhig gestellt und geschont werden
-Eis: Statt Eisspray sollte man mit Leitungswasser (ca.16 Grad) oder mit Kryopacks, die in ein Handtuch o.ä. eingeschlagen sind, kühlen.
-C(K)ompression: ein elastischer Verband verhindert das Anschwellen, weitere Einblutung und mildert so den Schmerz
-Hochlagern: Am besten über Herzhöhe, damit der Blutrückfluss verbessert und die Schwellung verringert wird.

Zum Arzt sollte man, wenn ein Auftreten unmöglich ist oder die Beschwerden (Schmerz, Schwellung, Hämatom) nach einigen Tagen Ruhigstellung nicht abklingen, da dann eine Fraktur ausgeschlossen werden muss.

Vor? Zurück? Was denn nun?

Eine andere Szene, die uns täglich begegnen kann: Ein Kind hat Nasenbluten, die Mutter lässt es zur Linderung den Kopf nach hinten beugen – doch genau das ist falsch. Auf diese Weise läuft das Blut in den Magen und die Blutungsmenge kann nicht ausreichend gut beurteilt werden. Außerdem ist Blut ein prima Emetikum, wenn es geschluckt wird. Im schlimmsten Fall kann es in zurückgebeugter Kopfhaltung sogar zur Blutaspiration kommen.

Daher gilt die Empfehlung, sich nach vorne gebeugt hinzusetzen, damit das Blut aus der Nase laufen kann. Hilfreich hat sich auch die Kühlung von Nacken oder Stirn erwiesen.
Mit Nasenbluten sollte man zum Arzt, wenn keine Besserung eintritt, ein großer Blutverlust auftritt oder die Blutung länger als 10 Minuten andauert. Außerdem bei bekannter Gerinnungsstörung oder beginnender Bewusstseinseintrübung.

Cola und Salzstangen – Medizin oder Partyspaß?

Nicht nur Nasenbluten ist unangenehm. Auch wenn man von einer Magen-Darm-Grippe mit Durchfall danieder gerafft wird, wünscht man sich schnelle Linderung und die am besten so angenehm wie möglich. Unwillkürlich fällt einem da die altbekannte Behandlung mit Cola und Salzstangen ein, doch leider haben Gastroenterologen diese Therapie nicht in ihrem Empfehlungsrepertoire.

Zwar werden Zucker, Wasser und Elektrolyte benötigt, doch Cola enthält Saccharose und nicht Glukose, allerdings wird genau diese für den Transport der Elektrolyte durch die Darmwand benötigt. Im Gegenteil: Die Cola schadet sogar, da die enthaltene Kohlen- und Phosphorsäure den Darm nur noch mehr reizen und das Koffein die Peristaltik weiter anregt.

Wenn doch wenigstens die Salzstangen gut wären. Doch auch die sind nicht zu empfehlen, denn sie enthalten zu viel Natrium und zu wenig Kalium. Also besser Finger weg vom Partybüffet.

Besser man nimmt fertige Rehydratationslösungen aus der Apotheke oder mischt sich diese näherungsweise selbst zusammen.
In 1Liter abgekochtem Wasser ohne Kohlensäure werden
• 1/4Teelöffel Salz (Natriumchlorid)
• 2Esslöffel Zucker (Glukose) und
• ¼ Teelöffel Backpulver (Bikarbonat) aufgelöst und eine
• halbe Tasse Orangensaft oder 2 zerdrückten Bananen (Kalium) beigefügt.

Antibiotika und Antidiarrhoika (z.B. Loperamid) sollten in der Hausapotheke verbleiben solange unklar ist, woher der Durchfall kommt. Sollte es sich um eine bakterielle Infektion handeln, würde die Gabe von einem Antidiarrhoikum die Bakterien- und Toxinausscheidung unterdrücken, was mehr schadet als hilft. Zum Arzt sollte man gehen, wenn gleichzeitig Fieber auftritt, der Stuhl blutig oder schleimig ist oder nach 3 Tagen keine Besserung eintritt.

Die Sonne lacht, die Haut leuchtet

Wenn schon der Klassiker „Salzstangen-Cola“ nicht hilft, dann sollte doch wenigstens an dem Gerücht was dran sein, dass bei Sonnenbrand Quark hilft – hat man immer im Haus und kühlt die Haut. Doch leider ist auch dieses alte Hausrezept nicht wirklich zu empfehlen. Um die Haut bei Sonnenbrand zu kühlen und die Schmerzen zu lindern, sollte man eine kühlende Dusche (ca. 25Grad) der Quarkpackung vorziehen.

Durch im Quark enthaltene Bakterien kann es zu Infektionen kommen. Auch können die enthaltenen Proteine allergische Reaktionen auslösen. Empfohlen werden hingegen Aprés-Sun-Lotions aus der Drogerie und viel zu trinken (z.B. Apfelsaftschorle), da dem Körper bei Sonnenbrand viel Flüssigkeit verloren geht.

Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn es zu starker Rötung, starken Schmerzen oder Brandblasen kommt. Diese sollten nie selbst geöffnet werden, da sonst Infektionsgefahr besteht. Außerdem muss immer auch auf Anzeichen eines Sonnenstichs, wie Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit geachtet werden, da dieser Zustand lebensbedrohlich werden kann.

Fazit

Der Spruch „Früher war alles besser!“ wird oft zitiert und trifft sicher ein ums andere Mal zu. Bei Krankheit und Unfällen kann man sich aber gern auf neue Erkenntnisse verlassen, denn die Forscher und Ärzte arbeiten ja nicht nur aus Langeweile an neuen Therapieempfehlungen.

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