Borreliose: Effektive Impfung ist möglich

14. Mai 2013
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Die Borreliose kann mit einer Antibiotikatherapie gut behandelt werden, eine prophylaktische Impfung ist aber nicht verfügbar. In einer Studie wurde nun die Wirksamkeit eines möglichen Impfstoffs gegen Borreliose nachgewiesen.

Die Ergebnisse der Studie, die Hoffnung auf die Entwicklung eines präventiv einsetzbaren Impfstoffs gegen Borreliose machen, wurden nun im Top-Magazin „Lancet Infectious Diseases“ veröffentlicht. Beteiligt daran war ein Team der MedUni Wien von der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie unter der Leitung von Markus Müller und vom Institut für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin unter der Leitung von Herwig Kollaritsch gemeinsam mit Studienzentren in New York, Mainz und Tübingen. 

In einer klinischen Phase I/II-Studie wurde die Sicherheit und Wirksamkeit des neuen, multivalenten, rekombinant hergestellten Wirkstoffs OspA getestet.

Kollaritsch: „Die Studienergebnisse zeigen, dass der Impfstoff einen effektiven Schutz gegen Borreliose bieten könnte und zwar erstmals auch gegen die in Europa vorherrschenden Stämme.“ 

OspA (outer surface protein A) ist ein Eiweißmolekül, das auf der Oberfläche der Borrelien sitzt. Wird OspA injiziert, wird es vom Immunsystem als körperfremde Struktur entdeckt und löst eine Immunreaktion aus. Kollaritsch: „Es werden Abwehrmoleküle gebildet, die schützend wirken – spezifischerweise direkt in der Zecke, von der sie während der Blutmahlzeit aufgenommen werden.“

Borreliose – begleitet von teilweise schweren Symptomen

Bisher wird Borreliose mit einer systematischen Antibiotikatherapie behandelt – allerdings erst beim Auftreten der ersten Symptome wie Kopf– und Gelenkschmerzen, Abgeschlagenheit, erhöhte Temperatur, oder aber in einem späteren Stadium auch Krämpfe oder Lähmungen sowie Herzmuskelentzündungen. 

„Die Borreliose ist keine virale Erkrankung, sondern eine bakterielle, daher kann die Krankheit mit Antibiotika völlig ausgeheilt werden“, erklärt der MedUni Wien-Forscher. Daher muss die Borreliose auch ganz klar von der viralen Erkrankung „FSME“ unterschieden werden, gegen die bekanntlich schon lange eine wirksame Impfung verfügbar ist.

Originalpublikation:

Safety and immunogenicity of a novel multivalent OspA vaccine against Lyme borreliosis in healthy adults: a double-blind, randomised, dose-escalation phase 1/2 trial

Herwig Kollaritsch et al.; The Lancet Infectious Diseases, doi: 10.1016/S1473-3099(13)70110-5; 2013

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Innere Medizin, Medizin

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8 Kommentare:

Hausmann
Hausmann

Sehr geehrte Frau Heilpraktikerin Staar: Betroffenheitsbekundungen und Erfahrungsberichten von Heilpraktikern und Privatärzten misstraue ich grundsätzlich. Behandeln Sie Syphilis auch mit Naturheilkunde?

#8 |
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Hausmann
Hausmann

Herrr Dr. Christoph Truckenbrodt, es gibt keinen Borreliose-Impfstoff für Menschen. Bis 2002 gabs den mal in Amerika.

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Dr. Christoph Truckenbrodt
Dr. Christoph Truckenbrodt

Ich dachte immer von RM gibt es einen zugelassenen stammübergreifenden Impfstoff in Frankreich. War ich da falsch informiert??

#6 |
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Heilpraktikerin

wie einfach!!! Es wäre schön, wenn die Borreliose mit Antibiotika ausgeheilt werden könnte. Ich bin selbst betroffen und habe mehrere Freunde, die Borreliose haben. Ohne diem Naturheilkunde wäre ich verloren gewesen, denn ich hatte auch nach langer Antibiotikaeinnahme noch viele Jahre lang Probleme, jede andere Infektion dauerte länger als normal, und es traten immer wieder Gelenkschmerzen und Lähmungen auf. Meinen Freunden ging es auch so, ganz zu schweigen von der depressiven Stimmungslage und der kaum noch vorhandenen nervlichen Belastbarkeit. Es macht mich furchtbar würtend, wenn ich solche Aussagen lese, die wahrscheinlich von Leuten stammen, die nie eine Borreliose hatten.

#5 |
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Hausmann
Hausmann

Tja, das ist weiterhin von einiger Brisanz. Denn die Infectious Diseases Society of America ist der Meinung, dass es keine biologische Evidenz für eine Erregerpersistenz bei einer Borreliose-Erkrankung gibt, wenn diese nach ihren Behandlungsempfehlungen therapiert wurde.

The Clinical Assessment, Treatment, and Prevention of Lyme Disease, Human Granulocytic Anaplasmosis, and Babesiosis: Clinical Practice Guidelines by the Infectious Diseases Society of America 2008
http://cid.oxfordjournals.org/content/43/9/1089.full

Chronic Lyme disease: in defense of the scientific enterprise
http://www.fasebj.org/content/24/11/4175.long

Wenn dem so wäre, ist ein Impfstoff überflüssig. Denn Impfstoffe werden gesunden Menschen verabreicht, weshalb eine besonders gründliche Prüfung der Notwendigkeit, Wirksamkeit und Nebenwirkungen erfolgen muss.

Wenn Borreliose doch nicht unkompliziert festgestellt und mit Antibiotika geheilt werden kann, müsste den Patienten jetzt plausibel erklärt werden, warum ihnen seit Jahren etwas anderes erzählt wird, längere Antibiotikatherapien abgelehnt und auch Ansprüche gegen Unfallkassen und Berufsgenossenschaften in der Regel abgewiegelt werden.

Die Autoimmunitätstheorie kann nicht als geklärt angesehen werden. Falls sie stimmt, sie auch nur eine mögliche Erklärung für Patienten mit einer bestimmten genetischen Disposition.

Wenn es nicht möglich ist, zuverlässig Patienten mit einer chronisch-persistierenden Borreliose von denjenigen zu unterscheiden, die geheilt sind, wird das unweigerlich Fragen bei einer Impfung aufwerfen.

#4 |
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Karl-Heinz Brillinger
Karl-Heinz Brillinger

Die Borreliose kann mit einer Antibiotikatherapie gut behandelt werden????

Ich staune!!!
Monatelanges erfolgloses infundieren von verschiedenen Antibiotika
bei nicht wenigen Patienten wird als gut behandelbar dargestellt.
Da werden sich die chronisch Borreliose Erkrankten aber freuen.

Karl-Heinz Brillinger
Heilpraktiker

#3 |
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Zahnarzt

Leider ist die Borreliose nicht ganz so einfach zu behandeln, denn die Borrelien setzen sich gern in Gelenken fest, die nicht gerade gut von Antibiotika erreicht werden. Da muß schon mit ordentlichem “Hammer” über längere Zeit behandelt werden, damit alles beseitigt wird. (Selbst betroffen)

#2 |
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Mit LYMErix(R) gab es ja schon einmal einen auf dem selben Prinzip aufbauenden (OspA) und wirksamen Impfstoff für die US-Stämme (witzigerweise eine Deutsche Entwicklung). Der wurde dann durch gezielte Diffamierung in den Medien abgeschossen, so dass die Umsätze einbrachen und GSK aus Angst vor den Schadensersatzforderungsprozessen in den USA den Impfstoff (medizinisch grundlos) vom Markt nahm.
http://laborjournal.de/editorials/50.lasso
Hoffen wir, das es diesmal besser läuft

PS: Dieses Posting ist meine private Meinung und stellt nicht die Meinung meines Arbeitgebers dar.

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