Versorgung: Beim Flüchtling lieber flüchtig?

1. September 2015
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Notleidende Menschen, die bei uns Asyl suchen, gelten für Politiker derzeit als große Herausforderung. Ärzte sind ebenfalls gefragt, um Menschen schnell zu helfen. Doch die Schwächen im System sind für ein medizinisch hoch entwickeltes Land wenig rühmlich.

Eine Flüchtlings-Zeltstadt in Dresden, überforderte Behörden in Berlin, marode Unterkünfte in vielen Kommunen, rechtsradikaler Krawall: Deutschland zeigt sich nicht gerade von seiner besten Seite. Immer wichtiger wird auch die Frage nach einer angebrachten medizinischen Versorgung der eintreffenden Menschen.

Wenn Körper und Seele leiden

Krieg, Vergewaltigungen oder Folter fordern ihren Tribut. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) haben 40 Prozent aller Asylsuchenden seelisch belastende Situationen hinter sich gebracht. Wenig überraschend: Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) kommen zehn Mal häufiger vor als bei der Bevölkerung. Werden Traumafolgestörungen nicht frühzeitig behandelt, kommt es mitunter zur Chronifizierung. Gleichzeitig wächst die Gefahr für Depressionen oder Suchterkrankungen. Darüber hinaus leiden viele Menschen an Mangelerkrankungen, an schlecht verheilten Wunden oder an kariösen Zähnen. Die katastrophale hygienische Situation zieht häufig Magen-Darm-Erkrankungen nach sich. Chronische Erkrankungen haben sich vor allem während der Flucht verschlimmert. Um die Prophylaxe ist es ebenfalls schlecht bestellt – Impfungen liegen Jahre zurück. Für viele Menschen kommt nach ihrer Ankunft das böse Erwachen.

Medizinische Minimalversorgung

Im Rahmen ihres Asylverfahrens haben sie unter anderem das Recht auf eine Erstuntersuchung. Ziel ist, neben akuten Krankheiten mögliche Infektionen zu erkennen und deren Übertragungen zu vermeiden. Anschließend geht es weiter in die Unterkunft einer Kommune. Laut Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) müssen sich Flüchtlinge in den meisten Bundesländern erst einen Behandlungsschein ausstellen lassen, um medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Zur Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzustände sind die erforderliche ärztliche und zahnärztliche Behandlung einschließlich der Versorgung mit Arznei- und Verbandmitteln sowie sonstiger zur Genesung, zur Besserung oder zur Linderung von Krankheiten oder Krankheitsfolgen erforderlichen Leistungen zu gewähren“, heißt es in Paragraph 4 AsylbLG. Durch das umstrittene Regelwerk sollen Gesundheitsausgaben augenscheinlich gering gehalten werden, um keine Anreize für die Asylsuche in Deutschland zu schaffen, vermuten NGOs. Gelingt es Behörden nicht, alle Eintreffenden rasch zu registrieren, bleiben sie unversorgt – wie Mitte August in Berlin geschehen. Oppositionsvertreter sprachen in diesem Zusammenhang mehrfach von Diskriminierung. Es geht aber nicht nur um ethische Fragen.

Besser verarztet – trotzdem gespart

Eine kürzlich veröffentlichte Studie befasst sich mit ökonomischen Aspekten der aktuellen Flüchtlingspolitik. Wissenschaftler aus Bielefeld und Heidelberg haben repräsentative Daten des statistischen Bundesamtes von 1994 bis 2013 analysiert. Ihr Ergebnis: Dürfen Asylsuchende ohne bürokratische Hürden und ohne Leistungseinschränkungen Allgemein-, Haus- sowie Kinderärzte aufsuchen, sind die Gesundheitsausgaben deutlich niedriger. Erst nach längerem Aufenthalt in Deutschland – derzeit 15 Monate, früher länger – bestehen entsprechende Möglichkeiten. Unter den Bedingungen eines gleichen Zugangs hätten Kosten um zirka 22 Prozent gesenkt werden können. Im Berichtszeitraum waren die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben für medizinische Versorgung bei Asylsuchenden mit eingeschränktem Zugang um zirka 40 Prozent (376 Euro) höher als bei Personengruppen mit Anspruch auf GKV-Leistungen. „Rationale, gesundheitswissenschaftliche Erkenntnisse und ethische Grundsätze müssen dringend stärker berücksichtigt werden“, kommentiert Dr. Kayvan Bozorgmehr, Autor der Publikation, seine Resultate.

Schnelle Hilfe statt Politik-Palaver

Dass der Gesetzgeber Flüchtlingen nur eine Minimalversorgung zuteil werden lässt, stört Politiker, aber auch NGOs, schon seit Jahren. In Thüringen arbeiten SPD, Grüne und Linke an einem Vorschlag, um die – wie es heißt – diskriminierenden Praktiken zu beenden. Bis zur Umsetzung kann es aber dauern. Deshalb fordern Ärzte und Wissenschaftler pragmatische Lösungen. In Dresden versorgen nach anfänglichen Engpässen 200 freiwillige Helfer, darunter Ärzte, Medizinstudenten, Pflegekräfte und Hebammen, Menschen im Erstaufnahmelager. Bremen und Hamburg haben einen eigenen Weg gefunden. In den Stadtstaaten erhalten Asylsuchende ohne Wartezeit ihre Gesundheitskarte, und damit besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung. „Wir verlangen, dass jeder Mensch gleich und gleich gut behandelt wird“, so Professor Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer. „Wir behandeln alle Menschen nach den gleichen Kriterien, und wir wollen allen die gleiche Qualität zukommen lassen.“ Bereits im Januar sagte eine Sprecherin von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), Bund und Länder prüften, ob sich das „Bremer Modells“ ausweiten lasse. Passiert ist seitdem recht wenig.

Originalpublikation:

Effect of Restricting Access to Health Care on Health Expenditures among Asylum-Seekers and Refugees: A Quasi-Experimental Study in Germany, 1994–2013
Kayvan Bozorgmehr et al.; PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0131483; 2015

97 Wertungen (3.65 ø)

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29 Kommentare:

Ich distanziere mich klar und deutlich von der “Ratten-und Schmeißfliegen”-Diktion einiger Kommentatoren.
Allerdings scheint auch bei den Äußerungen von Herrn Winter über die “gescheiterten Existenzen” eine gewisse Ignoranz durchzuschimmern. Ich weiß nicht, was Herr Winter beruflich macht, deshalb ist er jetzt auch nicht persönlich gemeint. Deshalb ganz allgemein: vom sicheren und warmen Pöstchen mit Pensionsanspruch aus oder aus der von Vati/Mutti übernommenen, gut etablierten Praxis heraus lässt sich trefflich über die Lebensleistungen anderer urteilen. Das nur aktiv zu gebrauchende Verbum “scheitern” impliziert ja die Eigenverantwortlichkeit für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Abstieg bis hin zur Obdachlosigkeit. Folglich: bei uns in Deutschland wird niemand gescheitert, er tut es immer selbst(-verschuldet). Die Erwerbsbiografien zahlloser Kleinselbstständiger lassen jedoch einen ganz anderen Schluss zu.
Man fragt sich sowieso, ob sich hinter dieser scheinbaren Selbstsicherheit (“Gott sei Dank, ich bin nicht so”) lediglich die Angst der Davongekommenen verbirgt. Die Furcht und das Grausen vor dem sozialen Abstieg greift ja längst in der Mittelschicht um sich. Umso stärker wird das Bedürfnis sein, sich von den “auf die Nase gefallenen” abzugrenzen (eine Verniedlichung, die mir auch nicht gefällt).
Da läuft etwas gewaltig schief in Deutschland, und das nachweisbar seit 1982. Die Folgen spüren wir jetzt u.a. auch im Gesundheitswesen. Das sind aber Probleme, die die deutsche Politik lösen muss. Dafür können die Flüchtlinge nichts, die im übrigen oft weit besser ausgebildet sind als mancher Schreihals bei den sog. Demonstrationen gegen Asylmissbrauch. Die Armen sind zu einer Flucht nach Europa gar nicht in der Lage. Die sitzen zu hunderttausenden im Libanon oder in Jordanien unter menschenunwürdigen Bedingungen fest und warten darauf, dass sie in die Ruinen ihrer Behausungen zurückkehren dürfen. Von Wirtschaftsflüchtlingen, die uns etwas wegnehmen, kann also meist keine Rede sein.
Nach der Verfassung, nach den christlich-ethischen Grundsätzen und nach dem gesunden Menschenverstand müssen wir Kriegsflüchtlinge aufnehmen. Für alle anderen gibt es klare Regelungen. Jetzt ist Europa als Ganzes gefragt. Schließlich sind wir Europäer an all den Konflikten, die die Massenflucht ausgelöst haben, nicht unschuldig und haben zudem unanständig viel daran verdient.

#29 |
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Jürgen Winter
Jürgen Winter

An #27
Zu Herrn Schuster ist genug gesagt; aber ich befürchte, dass seine Worte von Ihnen vielleicht nicht richtig verstanden wurden. Wer die Flüchtlinge “ins Land einfallen” sieht, passt mit seiner Diktion nicht in den Staat, der durch unser Grundgesetz geprägt wurde.
Übrigens: es mag sein, dass einige Freiberufler wirklich unglücklich auf die Nase gefallen sind; ansonsten haben sie wahrscheinlich in guten die falschen Entscheidungen getroffen!
Niemand muss als Minirentner 800,- € Krankenversicherung bezahlen! Es gibt spezielle Rentnertarife, die gedeckelt sind – dann natürlich ohne Chefarzt und Einbettzimmer.
Aber was können die bedauernswerten Kriegsflüchtlinge dafür, dass es in unserem so reichen Land gescheiterte Existenzen gibt?

#28 |
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Gast
Gast

Es geht hier nicht um Parolen und auch nicht um Menschen aus Krisengebieten. Es geht, so ich das richtig verstanden habe, um den ÜBEREIFER, sich zu als Gutmensch zu präsentieren, und dabei zu verdrängen, dass es auch bei uns Menschen gibt, die unsere Hilfe benötigen. Die Tafeln haben mancherorts inzwischen übrigens auch Engpässe zu vermelden.
@ Herr Winter, es gibt wirklich so einige, die von Grundsicherung (880€, Miete und sonstiges geht noch davon ab) leben müssen, mir wurde ebenso von einem ehemaligen Freiberufler berichtet, der als OBDACHLOSER leben muss. 1000€ Rente, Krankenkassenbeitrag um die 800€, Amt zahlt dies nicht.
Entsetzlich, warum wird so etwas negiert?
Es wird doch etwas getan, aber dann noch Kritik in der Form zu bekommen, dass Karies und PTBS nicht sofort angegangen werden und das mal wieder total unrühmlich für unser Land wäre, ist demotivierend und unfair.
Unser aller Tag hat nur 24h.

#27 |
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Gast
Gast

Bitte den Beitrag von Dr. Schuster #21 entfernen, dies sollte kein Forum für rechtsradikale Parolen sein.

#26 |
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Gast
Gast

Was Dr. S. schreibt, ist der “Hammer”. Fluechtlinge auf eine Stufe mit z. B. Heuschrecken zu stellen, ist sehr gewagt. Eine Ehrenmitgliedschaft bei Pegida oder anderen Idioten ist ihm sicher.

#25 |
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Jürgen Winter
Jürgen Winter

Zu #21
Lieber Herr Schuster,
was Sie da zum Durchschnittsrentner schreiben, ist blanker Unsinn. Entweder war Mathematik nicht Ihr starkes Fach oder Sie sind der böswilligen “Reklame” rechtsradikaler Gesinnungsgenossen auf den Leim gegangen!
Und Ihre Äußerung, dass die Leute ungebeten und unerwünscht in breiter Masse ins Land ” e i n f a l l e n ” zeugt von einer Gesinnung, die ganz weit von der Beachtung der Menschenwürde entfernt ist. Derartige intellektuelle Fehlleistungen oder anders gesagt “sprachliche Inkontinenz” ist eines Akademikers nicht würdig!
Bedauerlich ist, dass sich die beiden folgenden Kommentatoren da noch mit identifizieren, statt sich zu distanzieren. Wie weit ist es in unserer Republik schon gekommen, wenn Menschen aus der Oberschickt solch einen Schwachsinn von sich geben. Glauben Sie wirklich, dass die syrischen Flüchtlinge ohne Not zu uns kommen, um die “Armen” in unserem Lande “in den Dreck trampeln zu lassen”?
“Si tacuisses, philosophus mansisses” o. ä.

#24 |
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Gast
Gast

Eines noch: Zu Ihrer Aufzählung gehören noch 143€ Taschengeld pro Person und Monat.

#23 |
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Gast
Gast

Respekt und Zustimmung zu Ihren offenen Worten, Herr Dr. Schuster. Vergessen wir auch nicht, was innerhalb der nächsten Jahre auf uns noch zukommt, wenn jetzt unsere einheimischen Fachkräfte mit 450€ Jobs abgespeist werden. Da insbesondere der weibliche Teil der Bevölkerung, Stichwort “Niedriglohnjobs”. Rente ist SO nicht zu erwirtschaften!
PS: Habe am Wochenende eine Rentnerin “containern” gesehen. Na, vielleicht hat sie ja nur vergessen, fürs Wochenende einzukaufen, oder?

#22 |
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Dr.med Friedrich Schuster
Dr.med Friedrich Schuster

[Kommentar von der Redaktion entfernt.]

#21 |
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#20 |
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#18 sollte nicht anonym sein, ich war nicht eingeloggt

#19 |
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Gast
Gast

@ Herr Sabbagh
Meine volle Zustimmung zu allen Punkten. Wo kann man sich melden, wenn man Übersetzter sucht? Meine betroffenen Patienten wissen das natürlich nicht, und institutionell gibt es diesbezüglich leider keinerlei Unterstützung. Wir- Meine Patienten und ich – sind auf Hände und Füße angewiesen.

#18 |
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Mitarbeiter von DocCheck

Liebe Leser,

vielen Dank für Ihre zahlreichen Kommentare.

Bitte beachten Sie in Ihren Beiträgen jedoch die Netiquette und diskutieren Sie sachlich und themenbezogen.

Ihre DocCheck News Redaktion

#17 |
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Dr. med. Regine Pabst
Dr. med. Regine Pabst

In der Studie (habe mir die Mühe gemacht, den link zu lesen) zu den angeblich niedrigeren Kosten bei unlimitiertem Zugang der Flüchtlinge werden “Äpfel mit Birnen” verglichen. Die seit Längerem med. unversorgten Flüchtlinge sind teils von der Reise krank, aber es gibt auch nicht wenige, die gezielt zur Behandlung nach Deutschland kommen. Das sind nicht die Syrer, sondern die “Wirtschafts”flüchtlinge aus den Balkanstaaten, die dort z.B. zu. B. keine wirksame Krebstherapie oder OP bei Herzfehlern usw. bekommen. Die Kommunen ächtzen unter dieser Belastung. Z. B. gestern habe ich einen Fall kennengelernt – aus meinem Zuständigkeitsbereich – mit fortgeschrittener Krebserkrankung. Die Uni macht – nach Kostenübernahmeerklärung durch das Sozialamt- alles für den Pat., einschließlich Knochenmarktransplantation. Die Kosten werden mit 250000 (!) Euro veranschlagt. Man bedenke auch die Flüchtlinge mit Hepatiserkrankungen, die sie hier behandeln lassen möchten (behandelnden Ärzte empfehlen meist die neuen, extrem teuren Medikamente). Auch wenn das nicht sooo viele Fälle von diesem Ausmaß sind, die Kosten für die Sozialämter sind bereits jetzt immens!
Natürlich brauchen die Flüchtlinge Hilfe. Aber ganz sicher lägen die Kosten bei völlig ungehindertem Zugang aller Flüchtlinge zum deutschen Gesundheitswesen um ein Vielfaches höher als derzeit!! Und dann sollte man schon mal über die Frage sprechen: Wer soll das bezahlen? Wieder mal die Einzahler in die gesetzlichen Kassen?

#16 |
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Medizinphysiker

Eigentlich wäre die Kosten aus Steuergeldern zu begleichen und nicht aus den Beiträgen der Krankenversicherung.
Das sage ich als Privatversicherter!

#15 |
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Wie sieht es denn mit Impfschutz aus? Masern , Hepatitis &Co.
Ich denke das die STIKO in diversen Ländern ein Fremdwort ist. Schnelles handeln ist von Seiten der Politik gefragt. Nicht erst warten bis etwas passiert. Mycobacterium tuberculosis und andere Erreger kennen keine Grenzen oder Gesetze.

#14 |
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Dr. Ina Weiß
Dr. Ina Weiß

Könnte bitte jemand von der Redaktion den Kommentar #2 entfernen. Es geht hier nicht um die politische Anschauung von Dr. med Rolf Dannemann oder wem auch immer. Er hätte lieber mal schreiben sollen, wie er als Arzt sich an der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge beteiligt oder konkrete Vorschläge aus seiner Erfahrung heraus machen können.

#13 |
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Heilpraktikerin

@ Herrn Dr. Landau.

Mein Respekt vor Ihrer Haltung.

Und ich hoffe, dass Vernunft und Menschlichkeit siegen vor Paragraphenreiterei!

#12 |
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Dr. med. Dirk Hagemeister
Dr. med. Dirk Hagemeister

Vielen Menschen bleibt nichts übrig, als vor den Mordkommandos des IS zu fliehen und vor dem, was diese mit Messern und mithilfe von modernen, westlichen Waffen machen. Das Verhältnis von S-A und Katar zum IS sollte bekannt sein.

Will man sich in Europa diese verzweifelten Menschen zu Freunden machen, oder sie zurück in die Arme der Anderen treiben?

> http://www.sueddeutsche.de/politik/ruestungsindustrie-deutschland-verdoppelt-waffenexporte-in-golfstaaten-1.1606668 (“Deutschland verdoppelt Waffenexporte in Golfstaaten”, SÜDDEUTSCHE, 22.02.2013)
> http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ruestungsexporte-regierung-liefert-an-saudi-arabien-und-katar-a-995188.html (“Rüstungsexport nach Arabien: Bundesregierung genehmigt umstrittene Waffenlieferungen”, SPIEGEL, 02.10.2014)
> http://www.welt.de/politik/deutschland/article137117731/Deutschland-liefert-Saudi-Arabien-Militaergueter.html (“Deutschland liefert Saudi-Arabien Militärgüter”, DIE WELT, 04.02.2015)

#11 |
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Gast
Gast

Ja, es ist aktuell für alle eine Herausforderung. Viele Krankenhäuser gerade in Städten mit Erstaufnahmeeinrichtungen sind völlig überfordert. Aber es gibt zurzeit auch sehr viele gute Ansätze über die es sich zu berichten lohnt. Neumünster bspw. hat vor 2 Wochen im Innenministerium ein Konzept für eine Flüchtlingsambulanz vorgestellt. Dies wurde auf unkonventionellem Weg durchgewunken. Das Konzept sieht auch vor Ärzte unter den Flüchtlingen zu suchen und einzustellen ohne lange bürokratische Wege (http://www.shz.de/lokales/holsteinischer-courier/eine-eigene-abteilung-fuer-fluechtlinge-im-krankenhaus-id10571761.html) Für alle eine Win-Win Situation.

#10 |
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Dr. med. Peter Rojek von Berg
Dr. med. Peter Rojek von Berg

Gleiche Qualität und ohne Wartezeit? Entweder sollten dann die Flüchtlinge vom 1 Tag ihre Sozialbeiträge leisten oder die Politiker sollten dafür sorgen, dass man als deutscher Bürger keine Sozialbeiträge mehr leisten muss. Wie ein Volk von mehreren miliarden Menschen in Deutschland dann versorgt werden sollen, sollten sich diese grünen Gutmenschen auch gleich überlegen.

#9 |
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Adam Sabbagh
Adam Sabbagh

1. Es ist unerheblich ob ein Flüchtling hier ist wegen Krieg oder Armut in seinem Land. Wenn jemand Krank ist braucht er Hilfe. Es selbstvetständlich, dass wir ihm diese Hilfe anbieten, ohne wenn und aber.

2. Fluchtprävention ist ein politisches Thema! Übrigens Flucht ist per se mit Krieg oder Unterdrückung verbunden. Wirtschaftsnot ist nur ein Symptom.

3. Rechtsradikalusmus ist wie jede Form des Extremismus abzulehen. Der Übergang zu Terrorissmus ist fließend. Der rechtsradikale Terrorissmus hat in unserem Land die meisten Opfer verursacht, deswegen ist dieser die grösste Bedrohung unserer Zeit.

4. Noch etwas: freiwillige Übersetzer gibt fast in ganz Deutschland. Wenn jemand einen braucht, kann er sich gerne melden!
LG

#8 |
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Ich bin mittlerweile 77 und seit etlichen Jahren nicht mehr berufstätig. Doch ich überlege, ob ich nicht ehrenamtlich (also honorarfrei) ein paar Stunden in der Woche bei der zahnmedizinischen Versorgung der Asylsuchenden (in Düsseldorf) mitwirken könnte. – Freilich erfülle ich längst nicht mehr die sehr hohen Anforderungen, die heutzutage behördlicherseits gestellt werden, um noch juristisch (Haftpflicht!) und versicherungsrechtlich Zahnheilkunde ausüben zu können bzw. zu dürfen.
Wenn jedoch andererseits unerfahrene Medizinstudenten jetzt in der Versorgung der Flüchtlinge eingesetzt werden, könnte ich dagegen 39 Jahre praktische Erfahrung (ohnen einen einzigen Kunstfehlerprozess) ins Feld führen.
Doch dazu müssten wohl erst juristische Rahmenbedingungen geschaffen werden – und ob ich das bei den bekanntlich in Deutschland überaus langsam mahlenden Mühlen der Jurisprudenz noch erlebe??

#7 |
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Dr. Stefan Lang
Dr. Stefan Lang

Vielen Dank für diesen Artikel. In der Tat ist es mitunter beschämend, unter welchen Umständen Flüchtlinge in Deutschland derzeit leben müssen. In vielen Regionen wäre ohne die ehrenamtliche Hilfe von z.B. Medizinstudenten nicht einmal eine minimale medizinische Versorgung gewährleistet. Sprachbarrieren sind vielleicht eine Herausforderung, aber, bitte, kein unlösbares Problem. Befremdlich wirkt auf mich der Zynismus einiger Kommentare und die Reflexartigkeit, mit der nach einer Kategorisierung der Fluchtgründe verlangt wird. Die Leute sind jetzt nun einmal hier und müssen selbstverständlich adäquat versorgt werde.

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Das Hauptproblem ist tatsächlich die Sprache. Was hat ein Patient von einem Behandlungsschein, wenn er sich mit seinem Arzt nicht verständigen kann? Mein Behandlungsalltag beinhaltet inzwischen Fernübersetzung per Handy und Onlinewörterbücher. Für entsprechende Behandlungstermine muss ich selbst bei relativen Bagatellen eine Stunde einplanen. Lieber wäre es mir, ich könnte einmal in der Woche eine Sprechstunde vor Ort mit Dolmetscher anbieten. Das kann doch nicht so schwer zu organisieren sein?

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Wer unterscheidet zw. tatsächlichen Kriegsflüchtliungen und Wirtschaftsflüchtlingen? Klare Begriffe helfen. Ein unbegrenztes Leistungsversprechen soll die Kosten senken? Habe ich so nie erlebt. Wenn jetzt alle Flüchtigen ein Krankenkassenkarte bekommen und ihnen Anspruch auf umfassende Behandlung eingeräumt wird, wer soll dafür aufkommen? Die Kassen? Die zahlen aber nicht für mehr Behandlung. Die Ärzte sollen umsonst arbeiten? Das ist nicht leistbar.
In diesem Artikel wird nur populistisch demagogisch dargestellt und Transparenz verhindert. Keine Sternstunde.

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Dr. med. Walter Müller
Dr. med. Walter Müller

Nachtrag:
Mit Beschulung und Arbeit bzw. regelmäßiger Beschäftigung, verliert manches Trauma seine Wirkung wiel die Perspektive sich verbessert.

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[Kommentar von der Redaktion entfernt.]

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Dr. med. Walter Müller
Dr. med. Walter Müller

Alles gaaanz einfach. Die Erfahrungen sehen anders aus. Zuerst die Sprache.
In den 90 Jahren die Flüchtlinge aus Südosteuropa, die konnten kaum deutsch oder englisch. Jetzt die Asylsuchenden aus Syrien und den arabischen und afrikanischen Ländern, wer von unseren Ärzten spricht syrisch, arabisch o.ä. Sprachen. Das Englisch, das ich jetzt mit syrischen Flüchtlingen radebreche, reicht für minimale Kommunikation aus. Die Ernsthaftigkeit und der bedeutende Augenaufschlag, mit dem Pressespreche und Sozialamtsmitarbeiter auf die Tramatisierungen hinweisen, erhebt sie in den Staus der Sachkundigen.
Vergessen haben alle, das am Ende des WKII kaum ein einziger nicht traumatisierter Mensch in Europa lebte. Es haben nicht alle geschafft mit ihren Traumata zu leben. Die Fachliteratur ist inzwischen immens zu diesem Thema.
Also ohne Sprache können weder akute noch chronische noch psychische Leiden ausreichend und gut behandelt werden. Also bitte erst die Sprache vermitteln und nicht eine Lawine von Traumatherapeuten ausbilden.

#1 |
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