Adjuvante Brustkrebstherapie: Neue Standards?

3. September 2015
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Die Antihormontherapie mit Aromatase-Hemmern senkt Rückfallrate und Sterblichkeit beim hormonsensitiven Mammakarzinom deutlicher als bei Tamoxifen. Auch die postmenopausale Gabe von Bisphosphonaten erweist sich als positiv – so das Ergebnis einer aktuellen Metaanalyse.

Zwei Metaanalysen, zu denen Wissenschaftler des Comprehensive Cancer Center Vienna (CCC) der MedUni Wien beigetragen haben, zeigen, dass sowohl die adjuvante Therapie mit Antihormonen als auch mit Bisphosphonaten die Rückfallrate und die Sterblichkeit von postmenopausalen Patienten mit hormonsensitivem Brustkrebs senken. Michael Gnant, stellvertretender Leiter des CCC: „Die Erkenntnisse der beiden Metaanalysen sind insofern wesentlich, als sie den Standard bei der Behandlung von Brustkrebs neu definieren. […]“

Östrogenbildung blockiert

Die erste der beiden Analysen, in der die Daten von 31.920 Studienpatientinnnen mit frühem hormonabhängigem Brustkrebs einbezogen wurden, vergleicht die Wirksamkeit von adjuvanten Aromatase-Hemmern mit der von Tamoxifen. Östrogen, das tumorzellwachstumsfördernd ist, wird durch das Enzym Aromatase gebildet. Ein Ansatz in der Therapie von hormonabhängigem Brustkrebs ist es, die Bildung von Östrogen zu verhindern. Dazu werden Aromatase-Inhibitoren eingesetzt. Ein weiterer Ansatz blockiert die Östrogenrezeptoren mit dem Antagonisten Tamoxifen.

Das Ergebnis der Metaanalyse zeigt, dass nach der operativen Entfernung des Tumors eine Therapie mit Aromatase-Inhibitoren der Gabe von Tamoxifen vorzuziehen ist. Die Gründe: Wurden nach der Operation fünf Jahre lang ausschließlich Aromatase-Inhibitoren verabreicht, konnte die Rückfallrate im Vergleich zu Tamoxifen – allein oder in unterschiedlichen Kombinationen mit Aromatase-Hemmern – um ein Drittel gesenkt werden. Zusätzlich wurde belegt, dass eine fünf Jahre dauernde Therapie mit Aromatase-Hemmern die Sterblichkeit verglichen mit Tamoxifen um 15 Prozent reduziert.

Bisphosphonate nach Wechsel sinnvoll

Bei der Antihormontherapie vom Mammakarzinom werden zudem Bisphosphonate eingesetzt, um das erhöhte Osteoporose-Risiko zu senken. Die aktuelle Analyse, in die Daten von 16 klinischen Studien und insgesamt 18.766 Patientinnen vor und nach der Menopause einbezogen worden sind, zeigt, dass die Gabe von Bisphosphonaten im Zeitraum zwischen zwei und fünf Jahren nach der Operation bei Frauen nach der Menopause sinnvoll ist. Bei ihnen konnte die Häufigkeit von Knochenmetastasen um 28 Prozent und die Brustkrebssterblichkeit um 18 Prozent verringert werden. Bei Brustkrebspatientinnen vor dem Wechsel zeigte sich kein positiver Effekt.

Gnant: „Diese Ergebnisse zeigen, dass die Gabe von Bisphosphonaten unter gewissen Umständen sehr sinnvoll ist. Was die Reduktion des Osteoporoserisikos betrifft, konnte die letzte Studie der ABCSG [Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group] jedoch zeigen, dass die Gabe eines monoklonalen Antikörpers wohl noch wirksamer ist als die Gabe von Bisphosphonaten.“

Originalpublikationen:

Aromatase inhibitors versus tamoxifen in early breast cancer: patient-level meta-analysis of the randomised trials
EBCTCG, The Lancet, doi: 10.1016/S0140-6736(15)61074-1; 2015

Adjuvant bisphosphonate treatment in early breast cancer: meta-analyses of individual patient data from randomised trials
EBCTCG, The Lancet, doi:10.1016/S0140-6736(15)60908-4; 2015

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Forschung, Medizin, Onkologie

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