Die Quotenfrau: Überflüssig oder überfällig?

14. Mai 2013
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Die Debatte um eine Frauenquote wurde nicht nur im Bundestag geführt. Hier scheiterte jüngst der Antrag von SPD und Linken, eine Frauenquote von 20 Prozent in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen ab 2018 zu etablieren. Auch in der Medizin wird das Thema Gleichberechtigung heiß diskutiert.

Die Initiative „Pro Quote“ macht sich für Ärztinnen stark und fordert in einem offenen Brief  vom 01.03.2013 wörtlich: „…, dass Führungspositionen in Universitätskliniken und Krankenhäusern und in allen Gremien der Universitäten und der ärztlichen Selbstverwaltung im Laufe der nächsten fünf Jahre zu 40 %, bis 2023 zu 50 % mit Frauen besetzt werden – und zwar auf allen Hierarchiestufen.“

Diese Forderung erscheint bei der Anzahl an Medizinstudentinnen –und absolventinnen im Vergleich zu der Besetzung in Führungspositionen der Krankenhäuser berechtigt. So spricht dieser Artikel davon, dass Frauen insgesamt 70 Prozent der Studierenden der Medizin ausmachen. Weiter seien nur 44 Prozent der Ärztinnen berufstätig, 26 % besetzten Führungspositionen und nur 5 % schafften es in das Ordinariat einer Hochschule.

Klinikchefs unter Zugzwang

Trotzdem glaubt Martin L.* (Assistenzarzt), dass eine Quote nichts bringe: „Es sollten vor allem Qualifikationen über den Aufstieg entscheiden, nicht irgendeine fiktive Zahl.“ Insbesondere in Zeiten des relativen Ärztemangels muss der Berufseinstieg attraktiv gemacht und somit zwingend auch ein Karriereanreiz geschaffen werden. Dr. Regine Rapp-Engel, Präsidentin des Ärztinnenbundes, bezeichnete auf der Podiumsdiskussion „Frauen in der Medizin“ des diesjährigen Internistenkongresses in Wiesbaden den derzeitigen Ärztemangel als große Chance für junge Kolleginnen, die eigene Karriereplanung voranzutreiben und rät ihnen: „Stellen Sie Forderungen, wenn Sie an eine Klinik gehen! Damit bringen Sie die Klinikchefs in Zugzwang.“

An einigen Kliniken werden bereits Anreize geschaffen – zum Beispiel gelten neue Verträge für die gesamte Weiterbildungszeit und ein Jahr Elternzeit wird fest eingeplant. Um Absolventinnen bei der Karriereplanung und in ihrem Verhandlungsgeschick zu unterstützen, haben sich einige Mentoring-Programme etabliert. Absolventinnen sollen hierbei geschult werden, ihr persönliches Potenzial optimal zu nutzen und somit langfristig den Anteil an Frauen in Führungspositionen zu erhöhen.

Quotendiskussion über Berufsgrenzen hinweg

Die Diskriminierung von Ärztinnen im Beruf zeigt sich nicht nur an der Stellenbesetzung, sondern auch an deren Vergütung. In einer Absolventenbefragung untersuchte man an der Universität Freiburg die Gründe für einen niedrigeren Verdienst von Ärztinnen gegenüber deren männlichen Kollegen. Es zeigte sich, dass beide Geschlechter in ihren Leistungen, erbrachten Arbeitszeiten und früheren beruflichen Erfahrungen vergleichbar waren, aber Männer besser vergütet wurden (inkl. Bezahlung zusätzlicher Dienste). Als mögliche Gründe hierfür sieht man ein größeres Interesse der Männer am Gehalt und die damit einhergehende fordernde Haltung bei Gehaltsverhandlungen.

„Wir brauchen die Quote in der Medizin, da wir es uns nicht leisten können, das Talent eines Großteils begabter Frauen nicht zu nutzen“, so Prof. Ellen I. Closs von der Universitätsmedizin der Mainzer Johannes Gutenberg-University. Wie einleitend bereits festgestellt, ist diese Quotendiskussion eine, die in der gesamten heutigen Berufswelt geführt wird. Vor dem Hintergrund des fehlenden Frauenanteils im Führungsstab privatwirtschaftlicher Unternehmen – bei gleicher Absolventenzahl und Qualifikation der Geschlechter – beauftragte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Sinus-Institut, eine repräsentative Befragung von Führungskräften dieser Unternehmen zu deren Einstellungen gegenüber Frauen in Führungspositionen durchzuführen.

Unsichtbares Bollwerk

Dabei stellte sich heraus, dass Männer und Frauen in Führungspositionen eine Beteiligung beider Geschlechter an Top-Management-Posten für die ökonomische Gegenwart und Zukunft des Unternehmens als dringend notwendig einschätzten. Dass dieses Ziel ohne politische, gesetzliche, betriebliche und kommunikative Veränderungen von alleine stattfinden werde, bezweifelten die Befragten aber. Zwar bedauerten die befragten Männer den geringen Anteil an Frauen in Führungspositionen und schätzten deren Kompetenzen, diese „gender-political-correctness“ trage laut Studie aber nicht zu der vermehrten Einstellung von Frauen bei. Die so genannte „gläserne Decke“ werde durch rigide Mentalitätsmuster und verwobene Vorbehalte gegenüber Frauen (z. T. unbewusst) als unsichtbares Bollwerk erhalten. Abschließend kommen die Autoren der Studie zu folgender Konklusion:

Eine ambitionierte Frau habe zwei, sehr unterschiedliche Möglichkeiten, die Karrieresprünge zu wagen.

  1. Sie erfülle die äußeren Voraussetzungen, sei Meisterin der Regeln des Systems und spiele klug mit. Reibungen würden vermieden. Leider bliebe somit die Logik des Systems bestehen und ein Kulturwandel würde nicht stattfinden.
  2. Sie kenne die äußeren Voraussetzungen, durchschaue Regeln und Spiele, passe sich an, wenn es erforderlich ist, stehe aber zum eigenen Stil. Ein, laut Autoren, risikoreicherer, aber vermutlich zukunftsfähigerer Weg.

Sicher kann man die Ergebnisse dieser Studie nicht eins zu eins auf einen Krankenhausbetrieb oder eine universitäre Einrichtung übertragen. Dennoch besetzen auch hier überwiegend Männer unterschiedlichen Alters und verschiedener Mentalitätstypen die Führungspositionen. Und ohne Zweifel existieren auch im Unternehmen Krankenhaus bestimmte sichtbare und „unsichtbare“ Strukturen, die ein Umdenken erschweren können.

Alles Quote oder was?

Dies vermutet auch Klara M.* (Assistenzärztin): „Ich habe in meiner Abteilung zwar keine Diskriminierung des weiblichen Geschlechts feststellen können, im Gegenteil, aber ich glaube, dass im Großen und Ganzen an Krankenhäusern  ein sehr festes Hierarchiemuster besteht, das Männer bevorzugt.“ In der Diskussion um gleichberechtigte Aufstiegschancen werden immer wieder strukturelle Probleme, wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, als Karrierebremse für Frauen vorgebracht. Sicher sind flexible Arbeitszeiten, Teilzeitstellen etc. hierbei ein wichtiges Thema. Dieses wird in der sich verändernden Gesellschaftsstruktur aber auch zunehmend Männer betreffen und wird somit kein alleiniges „Frauenthema“ bleiben. Ob also eine festgeschriebene Frauenquote die alleinige Lösung des offensichtlich bestehenden Problems werden kann, bleibt zu hinterfragen. Es müssen mächtige und über Jahrzehnte entstandene „Bollwerke“ an Denk- und Verhaltensmustern aufgeweicht und korrigiert werden, entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen, sowie politisch und gesellschaftlich gestärkt werden.

Was denkt Ihr? Braucht die Medizin eine Quote?

*Namen auf Wunsch der Interviewten geändert.

[Bildlizenz: Weitergabe unter gleichen Bedingungen – http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/]

27 Wertungen (3.81 ø)

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11 Kommentare:

shotgun
shotgun

so ist es…ich finde das richtig toll…und wenn sich ein spinner weder noch fühlt oder beides besitzt…oder so blöd ist(was einige linke deppen echt sind) und sich eines oder das andere dazuschnibbeln lässt…dann kommt dann noch eine zwitterregelung…weil sich diese diskriminiert fühlen…oder eine homoregelung…auch schwule sollten das recht auf führungspos. besitzen…und dazu einen titel…dr.homo. oder dr.lesb…
wo soll der irrsinn denn enden???lustiger weise gibts bei uns auf der uni genug weibliche profs…das schaut mir eher nach losern und linken müslipupsern die mit gewalt einen gesellschaftlichen umsturz organisieren wollen…
sicher man schmeisst einfach die kapazitäten raus und ersetzt sie mit mit dem anderen geschlecht…bravo…

das mit dem augenarzt verstehe ich nicht..vielleicht waren augen seine schamzone^^…ich würde auch nicht zur urologin gehen…warum?das ist ja klaro, denke ich…alles andere ist mir egal…

man sollte beiden geschlechtern die möglichkeit geben,sich zu entfalten und das ohne hürden…das ist der korrekte weg…alte strukturen spregen…aber mit quoten was verändern?wo soll das enden…erinnert mich an die dunklen zeiten der 30ger/40ger aber bissi anders…

#11 |
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Sonja O.
Sonja O.

Warum kann man keinen Beiträge mehr den Daumen hoch geben?
Ich bin auch für eine Männerquote.
Das moderne Schulsystem favorisiert die weibliche Art zu lernen, darum kriegen Mädchen oft bessere Noten.

Dann ist da natürlich die Frage des Nachwuchses.
Männer können eben keine Kinder kriegen und wenn bei mir mal die Frage ansteht, wie das mit Kindern und Karriere ist, werde ich bestimmt keine Kinder bekommen, um sie dann ganztags in die Kita zu stecken, um nachher sagen zu können, ich hätte mich reproduziert.

Ich denke, dass Frauen weniger Führungspositionen bekommen, weil sie es nicht anders wollen.
Dafür kenne ich einige Frauen, die, nachdem die Kinder aus dem Haus waren, begonnen haben, in der Hirarchieleiter nach oben zu klettern.
Nicht, weil sie es vorher nicht gekonnt hätten. Sondern, weil sie sich vorher um die Kinder kümmern wollten. Wollten!

#10 |
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Gast
Gast

Ich sehe es ähnlich wie Hr. Kauschmann & Hr. Großmann. Am besten wäre es bereits für das Studium der Humanmedizin eine Männerquote einzuführen. Bereits während meines Studiums habe ich mich mehrfach gegenüber dem schönen Geschlecht benachteiligt gefühlt (meist nichts Dramatisches – aber es gab die Unterschiede). Leider gab es keinen Männerbeauftragten, an den man sich hätte wenden können…

#9 |
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Medea
Medea

@Wolf Kauschmann:
Ich sehe den Widerspruch in der zweiten von Ihnen hervorgehobenen Aussage nicht. Das hat etwas von Äpfeln und Birnen, weil es eben nicht um exakt das Geliche geht. Auch ich fühle mich bei einer Gynäkologin weniger unwohl als bei einem Gynäkologen. Und ich kann jeden Mann verstehen, der mit “Männerproblemen” lieber zu einem männlichen Arzt geht. Bei allen anderen Sachen, z.B. auch dem im Beispiel genannten Augenarzt, ist mir das Geschlecht des Arztes vollkommen wurst.

#8 |
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Wolf Kauschmann
Wolf Kauschmann

@Julia Soisch
Ich wollte in meinem 1.Post nur auf die fehlerhaften Gedankengänge hinweisen.

Ich stimme Jan Großmann zu, dass Problem wird sich in ein paar Jahren (ca. 10-15 Jahren) von selbst gelöst haben, bei einem aktuellen Verhältniss von 70% weiblichen Studenten (bezogen auf meinen Jahrgang) wird einfach nichts anderes übrig bleiben, als Frauen auf die entsprechenden Stellen zu heben. Das Problem, was ich mit so einem Quotenregulierung habe ist, dass es Diskriminierung gegenüber Männern ist, selbst wenn man es euphemistisch positive Diskriminierung ist. Wie glaubst du fühlt man sich, wenn man, wie beim letzten PJ Tag an meiner Uni geschehen, Bücher wie ´´ Karriereplanung für Ärztinnen´´ verteilt oder extra Mentoring Programme ausschließlich für Frauen hat. Bitte jetzt nicht mit dem Argument kommen, Frauen wurden schließlich auch die letzten Jahrhunderte unterdrückt… sorry, ich kann auch nichts dafür, was in den letzten Jahrhunderten passiert ist (Vgl. Schuld der nach 1945 geborenen Deutschen).
Es würde viel mehr helfen, die Arbeitsbedingungen für Frau UND Mann zu verbessern, so dass ein Familienleben neben dem Beruf möglich ist, da die Arbeitsbedingungen sicherlich ein Hauptfaktor dafür sind, warum Chefarzt Stellen /leitd. Oberarzt vorwiegend von Männern besetzt sind.

#7 |
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Studentin der Humanmedizin

Ich finde, dass eine Frauenquote nicht unbedingt zum gewollten Ergebnis führt. Statt Zeit mit einer Diskussion zur Einführung einer Quote zu verschwenden, sollte lieber überlegt werden, wie man Frauen dabei unterstützen kann in höhere Positionen aufzusteigen, sofern sie natürlich über die notwendigen Qualitäten verfügen.

@ Wolf Kauschmann:
Anstatt so einen Mist zu schreiben, wäre ein sinnvoller Beitrag (oder auch gar keiner) besser gewesen. So jemanden – zum Beispiel – würde ich nicht gern in einer höheren Position sehen, egal in welchem Berufsfeld.

#6 |
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Student der Humanmedizin

Total unnötig, 65% der Medizinstudenten sind doch mittlerweile eh weiblich.Das erledigt sich in ein paar Jahren von selbst und man wird eine Männerquote brauchen.

#5 |
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Wolf Kauschmann
Wolf Kauschmann

Danke für den Beweiss, dass nur Frauen es schaffen sich selbst zu widersprechen:
1)„Ich habe in meiner Abteilung zwar keine Diskriminierung des weiblichen Geschlechts feststellen können, im Gegenteil, aber ich glaube, dass im Großen und Ganzen an Krankenhäusern ein sehr festes Hierarchiemuster besteht, das Männer bevorzugt.“
2)Die Antwort brachte ihn auf. Er wollte zu einem Augenarzt und zu keiner Augenärztin! Ich hoffe sehr, dass sich diese Einstellung seitdem geändert hat. Als Patientin bin ich übrigens froh, eine Gynäkologin zu haben.

#4 |
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Gast
Gast

Ich möchteeine Männerquote für’s Medizinstudium haben.

#3 |
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Andreas Schütte
Andreas Schütte

Ist doch super, wenn jede 20. Frau es ins Ordinariat schafft…

#2 |
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Pflegewissenschaftlerin

Eine Frauenquote in der Medizin wird wie in allen Berufsbranchen noch über Jahr(zehnt)e ein stark diskutiertes Thema bleiben. Persönlich bin ich der Meinung, dass die Fähigkeiten eines Mediziners/Medizinierin entscheidend sind. Ohne Ansehen des Geschlechtes. Dem Artikel möchte ich noch etwas hinzufügen. Auf Patientenseite gibt es auch noch einen Gender-Aspekt in Bezug auf Ärzte/Ärztinnen. Manche werden lieber von einem Arzt und andere lieber von einer Ärztin behandelt. Auch das sollte beachtet werden. In meiner Schulzeit (80er Jahre) habe ich das sehr direkt durch einen Lehrer erfahren, der uns Schüler nach einem Augenarzt in der Nähe befragte. Wir hatten im Ort eine Augenärztin. Die Antwort brachte ihn auf. Er wollte zu einem Augenarzt und zu keiner Augenärztin! Ich hoffe sehr, dass sich diese Einstellung seitdem geändert hat. Als Patientin bin ich übrigens froh, eine Gynäkologin zu haben.

#1 |
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